• Marburger Bund

    Die Ärztegewerkschaft

    Der Marburger Bund ist die gewerkschaftliche, gesundheits- und berufspolitische Interessenvertretung aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.

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Gedenkworte des MB-Vorsitzenden Rudolf Henke
In memoriam Jörg-D. Hoppe
Auszüge aus der Eröffnungsrede von Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe auf dem 114. Deutschen Ärztetag in Kiel
Am 7. November 2011 ist der Ehrenvorsitzende unseres Marburger Bundes, Prof. Dr. Jörg-D. Hoppe, von uns gegangen. Anders als er selber es gehofft hatte, konnte Jörg Hoppe nicht mehr in die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein zurückkehren und dort zu uns sprechen. So bleibt seine Eröffnungsrede auf dem 114. Deutschen Ärztetag in Kiel seine Abschiedsrede. Ihr Schlussteil ist eine Art Vermächtnis. Mit diesem Text soll Jörg Hoppe hier noch einmal selbst zu Wort kommen. Wir werden ihn niemals vergessen. Rudolf Henke

Jörg-D. Hoppe in Kiel: „Meine lieben Kolleginnen und Kollegen, so fordernd wir an die Politik herantreten, so müssen wir uns auch den eigenen Herausforderungen stellen. Und da nenne ich ganz bewusst … das Thema IGeL, individuelle Gesundheitsleistungen. … auch hier geht es um den Anspruch, die Möglichkeiten der modernen Medizin medizinisch sinnvoll und nach dem individuellen Bedarf des Patienten einzusetzen. Ich weiß um die Not einiger Kollegen,… weil es nicht immer so einfach ist, eine genaue Grenze zu ziehen, zwischen dem, was medizinisch notwendig ist, und dem, was von den Patienten als Wunschleistung gefordert und auch noch ärztlich empfehlenswert und vertretbar ist.
Was bei aller Schwierigkeit, der Differenzierung aber auf gar keinen Fall passieren darf, … ist, dass der Eindruck entsteht, bei IGeL-Leistungen gehe es nur um zusätzliche Einnahmen. Und deshalb kann und darf es nicht sein, dass Patienten solche Leistungen mit Nachdruck angeboten werden. Wir sind keine Kaufleute und die Patienten keine Kunden. Patienten müssen bedingungslos auf ärztliche Professionalität und Fürsorge vertrauen können. Das individuelle Arzt-Patienten-Verhältnis prägt immer auch das Vertrauen in den ganzen Berufsstand. Und deshalb müssen wir merkantilen Irritationen in der Arztpraxis mit allem Nachdruck begegnen.
Und ich fordere alle meine Kollegen in den Ärztekammern auf, dies auf der Grundlage der 2006 vom Deutschen Ärztetag verabschiedeten Regeln … mit aller Konsequenz zu verfolgen. Die Einhaltung dieser zehn Punkte – und das gebe ich Ihnen als kleines Vermächtnis mit – wird maßgeblich das Vertrauen der Patienten in uns Ärzte bestimmen. Also: Ziehen Sie den Igeln die Stacheln.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, „Tempora mutantur et nos mutamur in illis.“ Das gilt auch für uns Ärzte. Und dennoch und gerade deshalb müssen wir dafür kämpfen, dass das ärztliche Ethos als unverbrüchlicher ethischer Wert unseres Berufsstandes sich wider den Zeitgeist behauptet. Wie schwierig das selbst unter Kollegen ist, haben wir alle bei der Diskussion um den ärztlich assistierten Suizid gesehen.
Unsere Aufgabe ist es zu heilen und Schmerzen zu lindern. Wir sind Ärzte und Freiberufler, Anwälte unserer Patienten. Daraus erwächst das Recht, aber auch die Pflicht, die Rahmenbedingungen ärztlicher Berufsausübung so zu gestalten, dass wir auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten eingehen können, dass Ärzte ihren Beruf als Berufung sehen, kurz: Dass wir Therapiefreiheit und Freiberuflichkeit des Arztes bewahren. Diese Aufgabe können wir nur organisiert stemmen. … Aber Selbstverwaltung will gelebt sein. Wir brauchen die Akzeptanz und das Engagement unserer Kolleginnen und Kollegen. Und deshalb ist so wichtig, wenn wir zukunftsfähig bleiben wollen, dass wir als gewählte Repräsentanten nicht nur sagen, wo es langgehen soll, sondern gerade bei den jungen Ärztinnen und Ärzten fragen, wo sie denn eigentlich hinwollen und was ihre persönlichen und beruflichen Perspektiven sind. Wir brauchen eine viel stärkere Integration gerade dieser Generation. Wir müssen sie mehr interessieren, mehr motivieren, nur dann auch werden sie sich engagieren. Auch für uns gilt, die Jugend ist unsere Zukunft.
Es ist an der Zeit, mich bei allen … zu bedanken, die mir in diesen Jahren mit großem Engagement so hilfreich zur Seite standen. Vor allem aber möchte ich mich bei meiner Frau Erika bedanken, die so unendlich viele Entbehrungen auf sich nehmen musste, damit ich mich in der ärztlichen Berufspolitik engagieren konnte.
Ich wünsche meinem Nachfolger im Amt Kraft und Beharrlichkeit, für all das zu streiten, was diesen Arztberuf so schön macht – und trotz der herausgehobenen Bedeutung dieses Amtes, Arzt zu bleiben.“
 
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