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    Die Ärztegewerkschaft

    Der Marburger Bund ist die gewerkschaftliche, gesundheits- und berufspolitische Interessenvertretung aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.

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Aktueller Kommentar zum AOK-Arztnavigator
Ärzte scheuen nicht die Bewertung von Patienten - aber es sollte schon fair zugehen
Kammerpräsident Prof. Dr. Frieder Hessenauer: Unsere Qualitätskriterien müssen erfüllt sein!
Das Internet: unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2011. Das Internet dringt in Sphären vor, die nie ein Mensch zuvor für möglich gehalten hat.
Zugegeben: Auf dem Weg zur guten Information kann das Internet sehr hilfreich sein. Schon seit Längerem gibt es seriöse Web-Portale, auf denen Produkte verglichen werden. Portale, auf denen Produkt-Beschreibungen und -Bewertungen ebenso zu finden sind wie Preisvergleiche. Dies kann für den Verbraucher durchaus eine informative Quelle sein.
Doch längst werden online nicht mehr nur Produktvergleiche veröffentlicht. Auch Berufsgruppen werden in schier unzähligen Online-Portalen bewertet und kommentiert. Und genau hier wird die weltweite digitale Vernetzung schwierig. Denn nun fließen nicht mehr rein valide Daten ein, sondern vielmehr nur individuell gefärbte Erlebnisse und Empfindungen, die dem Anspruch nach einem verlässlichen und sachlichen Informationsgehalt nicht gerecht werden können.
Auch Bewertungen für Ärztinnen und Ärzte sind seit Längerem in zahlreichen Online-Portalen zu finden. Es ist ganz natürlich, dass Patientinnen und Patienten daran interessiert sind, sich im Internet hilfreiche Informationen über Ärztinnen und Ärzte zu beschaffen. In Arztbewertungsportalen können durchaus Informationen von Patienten für Patienten einfließen, die im Einzelfall sinnvoll sein können. Voraussetzung aber ist, dass solche Bewertungen nach fairen Spielregeln erfolgen.
Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung haben deshalb schon vor einiger Zeit mit Hilfe des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) Standards für gute Arztbewertungsportale entwickeln lassen, die in insgesamt 40 Qualitätskriterien zusammengefasst sind. Hierzu zählen unter anderem der sensible Umgang mit persönlichen Daten, Transparenz bezüglich des Portalbetreibers und der Finanzierung des Angebots sowie natürlich ein verständliches und nachvollziehbares Bewertungsverfahren.
Der Arztnavigator, der nun an den Start gegangen ist, erfüllt diese Kriterien weitgehend. Initiatoren der Online-Arztsuche sind AOK und das Projekt Weiße Liste von der Bertelsmann Stiftung sowie Dachverbände von Patienten- und Verbraucherorganisationen. Auch die Barmer GEK ist mit dabei.  Damit bietet die Online-Arztsuche mehr als 30 Millionen Versicherten die Möglichkeit, ihren Arzt online zu bewerten. Und das Projekt soll noch weiter wachsen.
Das ÄZQ hat  diesen Arztnavigator vorab begutachtet. Grundlage waren Projektmaterialien sowie Screenshots und eine Selbstauskunft des Betreibers. Das Ergebnis war, dass 35 von 40 Kriterien erfüllt wurden. So gibt es keine Freitextbewertungen, die Fragen verleiten die Patienten nicht dazu, ihren Frust abzuladen, Mehrfachnennungen können nicht entstehen, plumpe Schmähkritik ist nicht erlaubt. Auch werden die Ergebnisse erst veröffentlicht, wenn mindestens zehn Bewertungen für einen Arzt vorliegen. Dadurch soll eine einseitige Darstellung aufgrund weniger Beurteilungen verhindert werden. Der Fragebogen selbst besteht aus vier Bereichen: Praxis und Personal, Arztkommunikation, Behandlung und Gesamteindruck.
Nach den vorgelegten Unterlagen gehört der AOK-Arztnavigator damit zu denjenigen, die weitgehend die von der Ärzteschaft geforderten Qualitätskriterien erfüllen. Allerdings: Das Grundproblem bei dieser Form der Arztbewertung kann auch das AOK-Portal nicht lösen. Patienten können die wirklich wichtigen Kriterien kaum nachprüfen. Die Fragen „Erfüllt der Arzt die fachliche Qualifikation?“ oder „Sind die Geräte auf neuem Stand?“ können gewissenhaft nur die ärztlichen Körperschaften und die zuständigen staatlichen Stellen beantworten.
Kurzum: Ärztinnen und Ärzte scheuen die Beurteilung durch ihre Patienten keineswegs. Aber fair sollte es schon zugehen. Wir werden den Arztnavigator daher im Auge behalten, ob dort weiterhin Fair Play gilt. Wenn nicht, dann sind Bewertungen nämlich genauso nebulös wie Galaxienhaufen am Rande des Universums und man kann dann eigentlich nur noch hilfesuchend rufen: „Beam me up, Scotty!“
 
zurueckzurück    |   Text druckenArtikel ausdrucken   |   Artikel weiterempfehlenEmpfehlen Sie diesen Artikel weiter!    |   03.06.2011