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Marburger Bund
Die Ärztegewerkschaft
Der Marburger Bund ist die gewerkschaftliche, gesundheits- und berufspolitische Interessenvertretung aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.
Herausforderung EHEC-Epidemie
Ärztinnen und Ärzte im vorbildlichen Einsatz!
Vorläufige Bilanz für NRW: Über 400 Fälle / Sieben Tote / Tagung in Bonn
Köln (mhe). Die EHEC-Epidemie ist aus den Schlagzeilen der Medien verschwunden. Hierzulande ist der Höhepunkt der Epidemie wohl überwunden, denn die EHEC-Infektionen sind glücklicherweise rückläufig. Doch erinnern wir uns: Zahllose Ärztinnen und Ärzte haben ihre Urlaube abgebrochen und mit ihren Kollegen in den Kliniken unzählige Überstunden geleistet, um die Vielzahl der EHEC-Patienten zu versorgen.
Betroffene Kliniken stießen in der EHEC-Krise nicht nur an ihre medizinischen Grenzen, sondern auch an finanzielle. Noch ist die Übernahme der besonders hohen Kosten durch EHEC-Patienten unklar. Die Kosten für EHEC-Behandlungen übersteigen nicht nur die mit den Kassen vorab vereinbarten Fallzahlen, nach neuester Gesetzeslage sind auch Erstattungen mit starken Abschlägen die Folge.
Zudem offenbart die EHEC-Epidemie Schwächen des DRG-Abrechnungssystems. Die Zusammenarbeit der von der EHEC-Epidemie betroffenen Kliniken über Ländergrenzen hinweg und Behandlungskosten, die durch Ausleihen von zusätzlichem Personal, Geräten und Verbrauchsmaterial sowie Überstundenvergütungen entstehen, sind durch die DRG-Erlöse nicht abgedeckt. Forderungen nach einem EHEC-Sonderfonds wurden bereits erhoben. Ein Thema auch für Konferenz der Gesundheitsminister der Länder.
In der Zeit der EHEC-Krise hat sich vor allem eines gezeigt: Während namhafte Krankenkassen ihre solidarischen und rechtlichen Verpflichtungen vergessen haben, als sie Versicherte der insolventen City-BKK regelrecht abwimmelten und im Ungewissen über ihre medizinische Versorgung ließen, zeigte sich einmal mehr, dass auf Ärztinnen und Ärzte dank ihres großartigen Engagements und hohen persönlichen Ethos bei der medizinischen Versorgung von Patienten trotz widriger Rahmenbedingungen und Tausender offener Arztstellen in Kliniken stets Verlass ist.
Wie fällt die bundesweite EHEC-Bilanz aus? Das Robert-Koch-Institut (RKI) vermeldet in einem 31-seitigen Sachstandsbericht, der im Internet (www.rki.de) abrufbar ist, dass bis zum 28. Juni 2011 bundesweit insgesamt 3.602 EHEC-Fälle gemeldet wurden. Das RKI bilanziert 838 Erkrankungen an HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom) und 2.764 Fälle von EHEC-Gastroenteritis (ohne Entwicklung von HUS).
Unter den HUS-Fällen sind 68 Prozent weiblich (EHEC: 59 Prozent) und der Altersmedian beträgt 43 Jahre; bei EHEC: 47 Jahre. Unter den an HUS erkrankten Personen verstarben 30 (3,6 Prozent), unter den an EHEC-Gastroenteritis Erkrankten 17 (0,6 Prozent).
Es ist Zeit auch für einen ersten bilanzierenden Rückblick für NRW: Die zunächst vorwiegend in Norddeutschland grassierende Epidemie mit „Enterohämorrhagische Escherichia coli“ hat auch in Nordrhein-Westfalen – mit einem Schwerpunkt in Ostwestfalen – die Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern besonders herausgefordert. Insgesamt 409 Patientinnen und Patienten in NRW haben sich bisher mit EHEC infiziert.
Hiervon sind 95 Personen an den Folgen des sogenannten hämolytisch-urämisches Syndroms (HUS) besonders schwer erkrankt. Neben einer blutigen Durchfallerkrankung kann es dabei zu einem Nierenversagen, zu Krämpfen und Hirnstörungen wie Halluzinationen kommen. In Nordrhein-Westfalen sind bisher sieben Bürgerinnen und Bürger durch EHEC gestorben.
Die Epidemie scheint endlich abzuklingen: Seit dem 1. Mai 2011 hat sich die Zahl der Meldungen über Durchfallerkrankungen, ausgelöst durch den Erreger EHEC, zuletzt nur noch um fünf Fälle in der Woche gegenüber der Vorwoche erhöht. Mindestens 121 Patientinnen und Patienten aus Nordrhein-Westfalen, die aufgrund einer EHEC-Infektion in einem Krankenhaus in NRW behandelt wurden, sind inzwischen wieder als gesund entlassen worden, teilte das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium nach einer Abfrage der Krankenhausgesellschaft NRW (KGNW) mit. Die KGNW geht davon aus, dass in den nächsten Tagen weitere Krankenhäuser Zahlen über „Abmeldungen“ liefern werden.
In der Bundesrepublik besteht zwar seit 1998 eine Meldepflicht bei EHEC-Infektionen. Im Zusammenhang mit EHEC besteht aber bis heute keine „Abmeldepflicht“.
Seit 2003 wurde ein kontinuierlicher Anstieg der Meldezahlen festgestellt, seinerzeit waren vorwiegend Kinder betroffen. Im Jahr 2001 wurden 65 HUS-Fälle an das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin gemeldet, 2002 waren es mit 118 fast doppelt so viel, 2003 waren es 82 Fälle.
Anfang Juni ließ sich der Ausschuss für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Integration des Landtages Nordrhein-Westfalen über den aktuellen Stand der EHEC-Infektionen, mögliche Vorbeugungsmaßnahmen und die derzeitigen Forschungsergebnisse unterrichten. Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) informierte die Abgeordneten über die hiesigen Dialysekapazitäten sowie Blutplasmareserven. Versorgungsengpässe seien nicht zu befürchten, entwarnte die Ministerin.
Ebenso wie die im Landtag vertretenen Parteien rief die Ministerin – gestützt auf ärztliche Ratschläge – regelmäßig dazu auf, bei Obst und Gemüse die empfohlenen Schutzmaßnahmen sowie die bekannten allgemeinen Hygieneregeln, insbesondere das regelmäßige Händewaschen, zu beachten.
Da EHEC mit schwerem Verlauf mit seiner bundesweiten Häufung eine interdisziplinäre Herausforderung ist, lud die Medizinische Klinik I des Universitätsklinikum Bonn am 6. Juli kurzfristig Ärztinnen und Ärzte zu einer Tagung ein. Es ging um Diagnostik, Intensivmedizin, Auswirkungen auf die Niere und die Rolle der Gesundheitsämter.
Für die Behandlung von Patienten, die von einer solchen Infektion betroffen sind, arbeiten an einem großen Krankenhaus wie dem Bonner Universitätsklinikums alle notwendigen Disziplinen eng zusammen. Etwa 15 mit dem aggressiven Darmkeim infizierte Patienten – davon sieben Betroffene mit HUS – wurden in den vergangenen zwei Monaten auf dem Bonner Venusberg medizinisch betreut. Das Notfallzentrum untersuchte über 100 Verdachtsfälle und koordinierte die Meldungen im Falle einer Infektion mit EHEC.
Zudem gehört Bonn zusammen mit Köln zum „Deutschen Zentrum für Infektionsforschung“ (DZI). Ziel des deutschlandweiten Netzwerkes ist es, die Expertise führender Wissenschaftler zu bündeln und gemeinsam neue Strategien gegen Krankheitserreger zu entwickeln. Angesichts solcher Epidemien durch neue Infektions-Erkrankungen sind Schwerpunktbereiche für die Eindämmung und Versorgung enorm wichtig.
Nicht zu vergessen ist auch der Einsatz der Gesundheitsämter. „An der erfolgreichen Bewältigung der EHEC-Epidemie haben auch die Gesundheitsämter vor Ort wesentlichen Anteil“, erklärt Ute Teichert-Barthel vom BVÖGD. Die schnelle Erfassung neuer Krankheitsfälle und das Einleiten von Schutzmaßnahmen, wie z.B. die Umgebungsuntersuchungen von Betroffenen, sind wesentliche Schritte bei der Eindämmung der EHEC-Fallhäufungen und ihrer schweren Verlaufsform HUS gewesen.
„Neben der schnellen Erfassung und elektronischen Weiterleitung von Fallmeldungen wird auch das Management der Betreuung von Erkrankten und Kontaktpersonen vor Ort von den Gesundheitsämtern erfolgreich durchgeführt“, betonte Dr. Ute Teichert-Barthel. Hierfür haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Öffentlichen Gesundheitsdienstes – wie schon bei anderen Epidemien und infektiologischen Großereignissen – Mehrarbeit in erheblichem Umfang geleistet und Rufbereitschaften eingerichtet.
Betroffene Kliniken stießen in der EHEC-Krise nicht nur an ihre medizinischen Grenzen, sondern auch an finanzielle. Noch ist die Übernahme der besonders hohen Kosten durch EHEC-Patienten unklar. Die Kosten für EHEC-Behandlungen übersteigen nicht nur die mit den Kassen vorab vereinbarten Fallzahlen, nach neuester Gesetzeslage sind auch Erstattungen mit starken Abschlägen die Folge.
Zudem offenbart die EHEC-Epidemie Schwächen des DRG-Abrechnungssystems. Die Zusammenarbeit der von der EHEC-Epidemie betroffenen Kliniken über Ländergrenzen hinweg und Behandlungskosten, die durch Ausleihen von zusätzlichem Personal, Geräten und Verbrauchsmaterial sowie Überstundenvergütungen entstehen, sind durch die DRG-Erlöse nicht abgedeckt. Forderungen nach einem EHEC-Sonderfonds wurden bereits erhoben. Ein Thema auch für Konferenz der Gesundheitsminister der Länder.
In der Zeit der EHEC-Krise hat sich vor allem eines gezeigt: Während namhafte Krankenkassen ihre solidarischen und rechtlichen Verpflichtungen vergessen haben, als sie Versicherte der insolventen City-BKK regelrecht abwimmelten und im Ungewissen über ihre medizinische Versorgung ließen, zeigte sich einmal mehr, dass auf Ärztinnen und Ärzte dank ihres großartigen Engagements und hohen persönlichen Ethos bei der medizinischen Versorgung von Patienten trotz widriger Rahmenbedingungen und Tausender offener Arztstellen in Kliniken stets Verlass ist.
Wie fällt die bundesweite EHEC-Bilanz aus? Das Robert-Koch-Institut (RKI) vermeldet in einem 31-seitigen Sachstandsbericht, der im Internet (www.rki.de) abrufbar ist, dass bis zum 28. Juni 2011 bundesweit insgesamt 3.602 EHEC-Fälle gemeldet wurden. Das RKI bilanziert 838 Erkrankungen an HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom) und 2.764 Fälle von EHEC-Gastroenteritis (ohne Entwicklung von HUS).
Unter den HUS-Fällen sind 68 Prozent weiblich (EHEC: 59 Prozent) und der Altersmedian beträgt 43 Jahre; bei EHEC: 47 Jahre. Unter den an HUS erkrankten Personen verstarben 30 (3,6 Prozent), unter den an EHEC-Gastroenteritis Erkrankten 17 (0,6 Prozent).
Es ist Zeit auch für einen ersten bilanzierenden Rückblick für NRW: Die zunächst vorwiegend in Norddeutschland grassierende Epidemie mit „Enterohämorrhagische Escherichia coli“ hat auch in Nordrhein-Westfalen – mit einem Schwerpunkt in Ostwestfalen – die Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern besonders herausgefordert. Insgesamt 409 Patientinnen und Patienten in NRW haben sich bisher mit EHEC infiziert.
Hiervon sind 95 Personen an den Folgen des sogenannten hämolytisch-urämisches Syndroms (HUS) besonders schwer erkrankt. Neben einer blutigen Durchfallerkrankung kann es dabei zu einem Nierenversagen, zu Krämpfen und Hirnstörungen wie Halluzinationen kommen. In Nordrhein-Westfalen sind bisher sieben Bürgerinnen und Bürger durch EHEC gestorben.
Die Epidemie scheint endlich abzuklingen: Seit dem 1. Mai 2011 hat sich die Zahl der Meldungen über Durchfallerkrankungen, ausgelöst durch den Erreger EHEC, zuletzt nur noch um fünf Fälle in der Woche gegenüber der Vorwoche erhöht. Mindestens 121 Patientinnen und Patienten aus Nordrhein-Westfalen, die aufgrund einer EHEC-Infektion in einem Krankenhaus in NRW behandelt wurden, sind inzwischen wieder als gesund entlassen worden, teilte das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium nach einer Abfrage der Krankenhausgesellschaft NRW (KGNW) mit. Die KGNW geht davon aus, dass in den nächsten Tagen weitere Krankenhäuser Zahlen über „Abmeldungen“ liefern werden.
In der Bundesrepublik besteht zwar seit 1998 eine Meldepflicht bei EHEC-Infektionen. Im Zusammenhang mit EHEC besteht aber bis heute keine „Abmeldepflicht“.
Seit 2003 wurde ein kontinuierlicher Anstieg der Meldezahlen festgestellt, seinerzeit waren vorwiegend Kinder betroffen. Im Jahr 2001 wurden 65 HUS-Fälle an das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin gemeldet, 2002 waren es mit 118 fast doppelt so viel, 2003 waren es 82 Fälle.
Anfang Juni ließ sich der Ausschuss für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Integration des Landtages Nordrhein-Westfalen über den aktuellen Stand der EHEC-Infektionen, mögliche Vorbeugungsmaßnahmen und die derzeitigen Forschungsergebnisse unterrichten. Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) informierte die Abgeordneten über die hiesigen Dialysekapazitäten sowie Blutplasmareserven. Versorgungsengpässe seien nicht zu befürchten, entwarnte die Ministerin.
Ebenso wie die im Landtag vertretenen Parteien rief die Ministerin – gestützt auf ärztliche Ratschläge – regelmäßig dazu auf, bei Obst und Gemüse die empfohlenen Schutzmaßnahmen sowie die bekannten allgemeinen Hygieneregeln, insbesondere das regelmäßige Händewaschen, zu beachten.
Da EHEC mit schwerem Verlauf mit seiner bundesweiten Häufung eine interdisziplinäre Herausforderung ist, lud die Medizinische Klinik I des Universitätsklinikum Bonn am 6. Juli kurzfristig Ärztinnen und Ärzte zu einer Tagung ein. Es ging um Diagnostik, Intensivmedizin, Auswirkungen auf die Niere und die Rolle der Gesundheitsämter.
Für die Behandlung von Patienten, die von einer solchen Infektion betroffen sind, arbeiten an einem großen Krankenhaus wie dem Bonner Universitätsklinikums alle notwendigen Disziplinen eng zusammen. Etwa 15 mit dem aggressiven Darmkeim infizierte Patienten – davon sieben Betroffene mit HUS – wurden in den vergangenen zwei Monaten auf dem Bonner Venusberg medizinisch betreut. Das Notfallzentrum untersuchte über 100 Verdachtsfälle und koordinierte die Meldungen im Falle einer Infektion mit EHEC.
Zudem gehört Bonn zusammen mit Köln zum „Deutschen Zentrum für Infektionsforschung“ (DZI). Ziel des deutschlandweiten Netzwerkes ist es, die Expertise führender Wissenschaftler zu bündeln und gemeinsam neue Strategien gegen Krankheitserreger zu entwickeln. Angesichts solcher Epidemien durch neue Infektions-Erkrankungen sind Schwerpunktbereiche für die Eindämmung und Versorgung enorm wichtig.
Nicht zu vergessen ist auch der Einsatz der Gesundheitsämter. „An der erfolgreichen Bewältigung der EHEC-Epidemie haben auch die Gesundheitsämter vor Ort wesentlichen Anteil“, erklärt Ute Teichert-Barthel vom BVÖGD. Die schnelle Erfassung neuer Krankheitsfälle und das Einleiten von Schutzmaßnahmen, wie z.B. die Umgebungsuntersuchungen von Betroffenen, sind wesentliche Schritte bei der Eindämmung der EHEC-Fallhäufungen und ihrer schweren Verlaufsform HUS gewesen.
„Neben der schnellen Erfassung und elektronischen Weiterleitung von Fallmeldungen wird auch das Management der Betreuung von Erkrankten und Kontaktpersonen vor Ort von den Gesundheitsämtern erfolgreich durchgeführt“, betonte Dr. Ute Teichert-Barthel. Hierfür haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Öffentlichen Gesundheitsdienstes – wie schon bei anderen Epidemien und infektiologischen Großereignissen – Mehrarbeit in erheblichem Umfang geleistet und Rufbereitschaften eingerichtet.

