• Marburger Bund

    Die Ärztegewerkschaft

    Der Marburger Bund ist die gewerkschaftliche, gesundheits- und berufspolitische Interessenvertretung aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.

home | impressum |    RSS-Feed   
Bookmarken
Tag der Organspende
Dr. Theodor Windhorst: Gesellschaftliche Debatte neu anfachen!
Ärztekammer Westfalen-Lippe begrüßt Kieler Modell / Bilanz 2010: Stagnation in NRW - Zuwächse in RLP
Münster (mhe). Jeden Tag sterben drei Menschen, weil sie vergebens auf die lebensrettende Spende eines Organs gewartet haben. Zwar sind in den vergangenen Jahren die Zahlen der Organspenden in einigen Bundesländern angestiegen, doch es besteht noch lange kein Grund zur Zufriedenheit.
"Rund 12.000 Menschen stehen in der Bundesrepublik auf den Wartelisten. Das ist der Grund, warum wir zur Förderung der Organspende hierzulande neue Wege gehen müssen", betont der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, anlässlich des morgigen Tages (4. Juni) der Organspende. „Unser Ziel ist es, dass möglichst viele Bürger ihre Bereitschaft für eine Organspende erklären und wir damit die Patienten auf der Warteliste rechtzeitig heilen können!"
Das Modell einer so genannten Selbstbestimmungs- und Informationslösung mit Erklärungspflicht in der Frage der Organspende ist nach Ansicht des Ärztekammer-Präsidenten der richtige Weg zur Förderung der Organspende-Zahlen. Der 114. Deutsche Ärztetag hat sich in dieser Woche in Kiel für dieses Modell ausgesprochen.
Es sei eine nicht hinnehmbare Diskrepanz, dass zwar 80 Prozent der Bevölkerung sich in Umfragen positiv zur Organspende äußerten, aber tatsächlich nur 14 Prozent auch einen Spenderausweis mit sich führten.
Der westfälisch-lippische Kammerpräsident will dabei besonders das Selbstbestimmungsrecht der Bürger gewahrt wissen. Werde dieses Recht zu Lebzeiten nicht wahrgenommen und liege somit keine Erklärung vor, könnten dem Verstorbenen unter Ermittlung des mutmaßlichen Willens durch Einbeziehung der Angehörigen Organe entnommen werden.
Der 114. Deutschen Ärztetag hat mit diesem Modell der Selbstbestimmungs- und Informationslösung die positiven Aspekte sowohl der derzeit geltenden Zustimmungslösung wie auch der sogenannten Widerspruchslösung, bei der nicht spendebereite Bürger einer Organentnahme aktiv widersprechen müssen, konstruktiv aufgegriffen und zusammengeführt.
Das Konzept wurde vom Deutschen Ärztetag mit großer Mehrheit angenommen und soll nun von der Bundesärztekammer konkretisiert und in die anstehenden parlamentarischen Beratungen des Deutschen Bundestages über eine Novellierung des Transplantationsgesetzes eingebracht werden.
Dr. Windhorst: „Ich erhoffe mir von diesem Beschluss, dass die Debatte zur Organspende neu angefacht wird. Wir brauchen eine intensive gesamtgesellschaftliche Diskussion, um dem unendlichen Leid auf der Warteliste entgegenzuwirken. Wir wollen eine spürbare Erhöhung der Spendezahlen erreichen!"
Ständige Information und Aufklärung ist bei diesem sensiblen Thema notwendig, um eine neue Vertrauenskultur entstehen zu lassen.“ Windhorst appelliert in diesem Zusammenhang an den Gedanken der Mitmenschlichkeit in der Solidargemeinschaft. Ein positives Votum zur Organspende sei ein Akt der Nächstenliebe und könne Leben retten und Leid mindern.
In Nordrhein-Westfalen stagniert die Zahl der Organspenden - sie liegt bei etwa 250 Spenden pro Jahr. Mit 14,3 Organspendern auf eine Million Einwohner lag NRW 2010 im Vergleich der Bundesländer deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 15,3 Organspendern pro Million Einwohner.

In Rheinland-Pfalz ist dagegen im Jahr 2010 eine deutliche Steigerung der Organspenden-Zahlen registriert worden. Sie lag gegenüber dem Vorjahr um fast 50 Prozent höher. Waren es 2009 noch 59 Organspender, spendeten im Vorjahr 86 Menschen ihre Organe nach ihrem Tod. Damit haben statistisch berechnet 21,5 Menschen pro einer Millionen Einwohner ein Organ gespendet. Rheinland-Pfalz, das zur Region Mitte zählt, liegt damit auf einem der vordersten Plätze im Bundesvergleich.

Jedoch sind die aktuellen Zahlen für das erste Quartal 2011 ernüchternd. Von Januar bis April 2011 ist die Zahl der Organspender in Rheinland-Pfalz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 31 auf 22 und die Zahl der Organspenden von 111 auf 67 gesunken, gibt der Gesundheitsexperte der CDU-Landtagsfraktion, Peter Enders, an. Dies zeige den dringenden Handlungsbedarf, so Enders.
Auch Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SP) fordert deswegen Änderungen in den Rahmenbedingungen, um nachhaltige Verbesserungen zu erreichen. „Ich kann der Erklärungslösung viel abgewinnen, weil sie die Kompetenz und die Entscheidungshoheit des Einzelnen in den Vordergrund stellt. Sie ist eine wichtige Möglichkeit, die Zahl der Organspenden weiter zu erhöhen. Deshalb unterstütze ich den Vorschlag von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier zur verpflichtenden Erklärung zur Organspende“, erklärte die SPD-Ministerin.
„Wenn wir nach den Ursachen für die zu geringe Zahl an Organspenden fragen, müssen wir uns auch mit den personellen und strukturellen Bedingungen in den Krankenhäusern auseinandersetzen“, stellte die Ministerin fest. Eine zentrale Rolle im Prozess der Organspende haben die Transplantationsbeauftragten der Krankenhäuser.

 
zurueckzurück    |   Text druckenArtikel ausdrucken   |   Artikel weiterempfehlenEmpfehlen Sie diesen Artikel weiter!    |   03.06.2011