• Marburger Bund

    Die Ärztegewerkschaft

    Der Marburger Bund ist die gewerkschaftliche, gesundheits- und berufspolitische Interessenvertretung aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.

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Aktueller Kommentar des rheinland-pfälzischen Kammerpräsidenten
Nach fünf Jahren fällt endlich die Abwehrmauer der Caritas!
Prof. Frieder Hessenauer: Katholische Träger übernehmen in RLP zum 1. April unseren Tarifvertrag für Ärzte
Erinnern wir uns: Es sind gut dreieinhalb Tausend Jahre vergangen, seitdem laut historischer Überlieferung mit Hilfe des Halls von Trompeten die massiven Stadtmauern Jerichos zerstört wurden. Der biblischen Darstellung nach haben nur sieben Hallposaunen (Schofaren) die massiven Steinmauern zum Einsturz gebracht und den Weg zur gesamten Landnahme des gelobten Landes Kanaan geöffnet. Dies lehrt uns, auch wenige können sehr viel erreichen!
Rund 2000 Jahre nach der Geburt Christi hat es leider gut fünf Jahre gedauert, bis im Deutschen Caritasverband die massiven Abwehrmauern gegen unseren Tarifstandard für Ärztinnen und Ärzte bröckelten. Fünf Jahre lang hielten die Entscheidungsgremien des Deutschen Caritasverbandes den Ärztinnen und Ärzten eine Bezahlung nach unserem durch wochenlange Streiks an universitären und kommunalen Kliniken in 2006 erzielten tariflichen Mindeststandard – dem Tarifvertrag für Ärzte (TV-Ärzte) – vor.
Erst nachdem sich die meisten Krankenhäuser in katholischer Trägerschaft entschieden hatten, den Ärztinnen und Ärzten individuelle Gehaltszulagen zu zahlen, sodass die Differenz zum TV-Ärzte größtenteils überbrückt wurde, kam allmählich eine – wenngleich noch sehr zögerliche – Bewegung in die bis dato lange Zeit handlungsunfähige Arbeitsrechtliche Kommission.
Wir haben jahrelang auf allen Ebenen unsere Fanfaren ertönen lassen. Wir haben die für die Weiterentwicklung der Arbeitsvertraglichen Richtlinien (AVR) verantwortliche Arbeitsrechtliche Kommission (AK) oft aufgefordert, endlich die Realität eigenständiger Tarifverträge für Ärzte anzuerkennen und arztspezifische Regelungen auch an katholischen Kliniken zu etablieren. Nach überwiegender Rechtsmeinung verbietet uns das Grundgesetz leider Streiks an konfessionellen Kliniken.
Im Alltag wirkte unsere Leitwährung. Die individuellen Zulagen auf das ärztliche Grundgehalt waren hierzulande unverzichtbar, damit katholische Krankenhäuser überhaupt neue Ärztinnen und Ärzte auf dem Arbeitsmarkt gewinnen und angestellte Leistungsträger noch am Krankenhaus halten konnten. Kurzum, unsere Tarifverträge für Ärztinnen und Ärzte waren faktisch vor Ort ebenso wirksam wie die historischen Fanfaren von Jericho.
Angesichts dieser individuellen Zulagen-Praxis entschied im vorigen Herbst die Caritas-Bundeskommission – nach einem monatelangen Tauziehen – das für Ärztinnen und Ärzte an katholischen Kliniken unserer Tarifvertrag für Ärzte an kommunalen Kliniken anzuwenden ist . Eine viel zu späte, längst überfällige Entscheidung, unseren arztspezifischen Mindeststandard zu etablieren, der für die überwiegende Mehrzahl der Ärztinnen und Ärzte deutlich besser ist als die überholten AVR.
Auf dem weiteren Entscheidungsweg haben die Arbeitgeber in der für uns zuständigen Regionalkommission Mitte erneut Fortschritte blockiert und nur aus grundsätzlicher Ablehnung heraus die faire Vergütung der Ärztinnen und Ärzte nochmals um fünf Monate verzögert. Auch dies haben wir mehrfach öffentlich kritisiert.
Anfang März kam jetzt der Durchbruch: Ab 1. April gilt endlich auch an katholischen Kliniken in Rheinland-Pfalz, in Hessen und im Saarland unser Tarifvertrag für Ärzte an kommunalen Kliniken. Damit haben wir gemeinsam die massive Abwehrmauer gegen eine leistungsgerechte Vergütung für Ärzte an katholischen Kliniken in Rheinland-Pfalz zerstört.
Was seit 2006 von über 70.000 Ärztinnen und Ärzten an den kommunalen und universitären Kliniken in mehreren über viele Wochen andauernden Arbeitskämpfen – mit hohem Engagement und unter großen persönlichen Opfern – als Leitwährung für Ärzte erkämpft wurde, kommt nun auch bei den vielen Tausend Kolleginnen und Kollegen in den katholischen Kliniken in unserem Landesverband an. Mittlerweile sind selbst die Dienstgeber von unseren vernünftigen Argumenten überzeugt, erkennen an, dass wir als einzige Ärztegewerkschaft Tarifschrittmacher für Ärzte sind.
Wir können aus dem mühevollen Weg lernen, dass es sich lohnt, beharrlich sein Ziel zu verfolgen. Vergessen wir aber auch nicht, dass unser im Grundgesetz verbrieftes Recht, als eigenständige Ärztegewerkschaft zu handeln, derzeit in höchster Gefahr ist. Bitte beteiligen Sie sich deshalb jetzt an unserer Kampagne zum Erhalt der Tarifpluralität. Schreiben Sie bitte jetzt massiv Briefe an unsere Bundestagsabgeordneten. Es eilt wirklich! Wir dürfen den Hall unserer Posaunen nicht verklingen lassen.
 
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