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Marburger Bund
Die Ärztegewerkschaft
Der Marburger Bund ist die gewerkschaftliche, gesundheits- und berufspolitische Interessenvertretung aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.
120. MB-Hauptversammlung in Berlin
Ist ärztliche Hierarchie noch zeitgemäß?
Fruchtbare Delegierten-Debatte mündet in visionärer Forderung
Von Michael Helmkamp
Berlin/Köln. Stehen die ärztlichen hierarchischen Strukturen in den Krankenhäusern vor dem Ende? Sind sie noch zeitgemäß? Der Lüdenscheider Anästhesist Dr. med. Jürgen A. Weber stieß auf der 120. Hauptversammlung des Marburger Bundes in Berlin am vorigen Wochenende eine wichtige Debatte an, die nach einem fruchtbaren Dialog auf das klare Ziel hinwies, endlich eine moderne Führungs- und Mitarbeiterkultur in den Krankenhäusern einzuführen. „Wir wollen die hierarchischen Strukturen abschaffen“, forderte Dr. med. Jürgen A. Weber.
Eine visionäre Forderung? „Wir sind doch die Einzigen auf der Welt, die sich eine innerärztliche Struktur in Kliniken mit Oberärzten, Leitenden Ärzten und Chefärzten leisten. Es klappt doch in Amerika oder in den Niederlanden auch ganz anders. Setzen wir lieber die Ärztinnen und Ärzte nach ihrer besonderen Qualifikation ein und nicht nach ihrem Status. Wir müssen dafür aber unser Denken als Ärzte ändern, nicht mehr immer alles nur selber machen wollen!“
„Eigentlich schaffen wir doch schon seit über 20 Jahren die Hierarchie in den Kliniken ab“, verwies der Ehrenvorsitzende des MB-Bezirks Köln, Dr. med. Dieter Mitrenga, mit einem schmunzelnden Zwischenruf auf zahllose vorherige Debatten um dieses ureigene MB-Thema, das gleichsam den Kern des diesjährigen Leitthemas der Hauptversammlung „Unsere Zukunft im Krankenhaus“ darstellte. In Erinnerung muss an dieser Stelle auch das vom Marburger Bund schon vor Jahrzehnten entwickelte Kollegialarztsystem gebracht werden.
In der HV-Debatte kritisierte auch Dr. Ingolf Hosbach (Bochum) die überkommene Hierarchie, die zu einer „Spaltung der Ärzteschaft“ führe, „die von den Arbeitgebern letztlich gerne gegen uns benutzt wird. Ein gefundenes Fressen für Arbeitgeber!“ Einhellig wurde von den Delegierten aus NRW und RLP bemängelt, dass die Verwaltungen in den Kliniken immer mächtiger würden, aber letztlich keine Verantwortung für die Patientenversorgung übernähmen.
„Die schaffen es, mit einer Hierarchie eine Kultur der Angst aufzubauen!“, verwies Prof. Dr. med. Wolf-Dieter Reinbold auf fehlende Waffengleichheit. Einige Ärzte salutieren schon fast vor den Vertretern der Verwaltung. „Wir dürfen als Ärzteschaft nicht kapitulieren!“, warnte er. „Wir erleben, dass uns BWLer in den Kliniken einen immer stärkeren Sparkurs vorschreiben. Diese gnadenlose Rationierung findet auf dem Rücken der Patienten statt. Wir haben heute kaum noch Zeit für unsere Patienten. Was dürfen wir als Arzt denn noch entscheiden? Ich habe selber allmählich Angst, noch zu einem Arzt zu gehen!“, meinte Prof. Reinbold.
„Wenn wir wirklich flache Hierarchien in den Kliniken wollen“, ergänzte MB-Vorstandsmitglied Dr. med. Hans-Albert Gehle, „dann müssen wir das auch für das ganze Krankenhaus fordern.“ Die Reorganisation des Krankenhaues sei ein Thema für die nächste Hauptversammlung, regten andere Delegierte an.
Für eine stärkere Präsenz von Ärztinnen und Ärzten in den MAVen, Aufsichtsräten und Wirtschaftsausschüssen der Kliniken warb Dr. med. Hans-Otto Koderisch (Pfalz). „So können wir durchaus unseren ärztlichen Einfluss geltend machen!“„Heute ist hier eine Abstimmung fällig, auf die ich seit vielen Jahren warte“, meinte der Vorsitzende der MB-Fraktion im westfälisch-lippischen Ärzteparlament, Dr. med. Rainer Pohl. „Ich möchte von hier das klare Signal mit nach Hause nehmen, dass der Marburger Bund das überkommene Chefarzt-, Leitende-Arzt-, Oberarzt-, und Stabsarztwesen abschaffen will“, sagte Pohl. „Wir müssen jetzt einen wesentlichen Impuls dafür setzen“, appellierte auch Dr. med. Joachim Dehnst, Vorsitzender des MB-Bezirks Hagen.
Am Ende der lebhaften Debatte hieß es klar: „Unzeitgemäße, hierarchische Strukturen in den deutschen Krankenhäusern führen zu Frustrationen gerade bei jüngeren Ärztinnen und Ärzten. Teamorientierte Strukturen in Aufbau- und Ablauforganisation sind dringend erforderlich. Eine moderne Führungs- und Mitarbeiterkultur bindet Ärztinnen und Ärzte an ein Krankenhaus und führt zu mehr Bewerbern auf vakante Stellen“.
Berlin/Köln. Stehen die ärztlichen hierarchischen Strukturen in den Krankenhäusern vor dem Ende? Sind sie noch zeitgemäß? Der Lüdenscheider Anästhesist Dr. med. Jürgen A. Weber stieß auf der 120. Hauptversammlung des Marburger Bundes in Berlin am vorigen Wochenende eine wichtige Debatte an, die nach einem fruchtbaren Dialog auf das klare Ziel hinwies, endlich eine moderne Führungs- und Mitarbeiterkultur in den Krankenhäusern einzuführen. „Wir wollen die hierarchischen Strukturen abschaffen“, forderte Dr. med. Jürgen A. Weber.
Eine visionäre Forderung? „Wir sind doch die Einzigen auf der Welt, die sich eine innerärztliche Struktur in Kliniken mit Oberärzten, Leitenden Ärzten und Chefärzten leisten. Es klappt doch in Amerika oder in den Niederlanden auch ganz anders. Setzen wir lieber die Ärztinnen und Ärzte nach ihrer besonderen Qualifikation ein und nicht nach ihrem Status. Wir müssen dafür aber unser Denken als Ärzte ändern, nicht mehr immer alles nur selber machen wollen!“
„Eigentlich schaffen wir doch schon seit über 20 Jahren die Hierarchie in den Kliniken ab“, verwies der Ehrenvorsitzende des MB-Bezirks Köln, Dr. med. Dieter Mitrenga, mit einem schmunzelnden Zwischenruf auf zahllose vorherige Debatten um dieses ureigene MB-Thema, das gleichsam den Kern des diesjährigen Leitthemas der Hauptversammlung „Unsere Zukunft im Krankenhaus“ darstellte. In Erinnerung muss an dieser Stelle auch das vom Marburger Bund schon vor Jahrzehnten entwickelte Kollegialarztsystem gebracht werden.
In der HV-Debatte kritisierte auch Dr. Ingolf Hosbach (Bochum) die überkommene Hierarchie, die zu einer „Spaltung der Ärzteschaft“ führe, „die von den Arbeitgebern letztlich gerne gegen uns benutzt wird. Ein gefundenes Fressen für Arbeitgeber!“ Einhellig wurde von den Delegierten aus NRW und RLP bemängelt, dass die Verwaltungen in den Kliniken immer mächtiger würden, aber letztlich keine Verantwortung für die Patientenversorgung übernähmen.
„Die schaffen es, mit einer Hierarchie eine Kultur der Angst aufzubauen!“, verwies Prof. Dr. med. Wolf-Dieter Reinbold auf fehlende Waffengleichheit. Einige Ärzte salutieren schon fast vor den Vertretern der Verwaltung. „Wir dürfen als Ärzteschaft nicht kapitulieren!“, warnte er. „Wir erleben, dass uns BWLer in den Kliniken einen immer stärkeren Sparkurs vorschreiben. Diese gnadenlose Rationierung findet auf dem Rücken der Patienten statt. Wir haben heute kaum noch Zeit für unsere Patienten. Was dürfen wir als Arzt denn noch entscheiden? Ich habe selber allmählich Angst, noch zu einem Arzt zu gehen!“, meinte Prof. Reinbold.
„Wenn wir wirklich flache Hierarchien in den Kliniken wollen“, ergänzte MB-Vorstandsmitglied Dr. med. Hans-Albert Gehle, „dann müssen wir das auch für das ganze Krankenhaus fordern.“ Die Reorganisation des Krankenhaues sei ein Thema für die nächste Hauptversammlung, regten andere Delegierte an.
Für eine stärkere Präsenz von Ärztinnen und Ärzten in den MAVen, Aufsichtsräten und Wirtschaftsausschüssen der Kliniken warb Dr. med. Hans-Otto Koderisch (Pfalz). „So können wir durchaus unseren ärztlichen Einfluss geltend machen!“„Heute ist hier eine Abstimmung fällig, auf die ich seit vielen Jahren warte“, meinte der Vorsitzende der MB-Fraktion im westfälisch-lippischen Ärzteparlament, Dr. med. Rainer Pohl. „Ich möchte von hier das klare Signal mit nach Hause nehmen, dass der Marburger Bund das überkommene Chefarzt-, Leitende-Arzt-, Oberarzt-, und Stabsarztwesen abschaffen will“, sagte Pohl. „Wir müssen jetzt einen wesentlichen Impuls dafür setzen“, appellierte auch Dr. med. Joachim Dehnst, Vorsitzender des MB-Bezirks Hagen.
Am Ende der lebhaften Debatte hieß es klar: „Unzeitgemäße, hierarchische Strukturen in den deutschen Krankenhäusern führen zu Frustrationen gerade bei jüngeren Ärztinnen und Ärzten. Teamorientierte Strukturen in Aufbau- und Ablauforganisation sind dringend erforderlich. Eine moderne Führungs- und Mitarbeiterkultur bindet Ärztinnen und Ärzte an ein Krankenhaus und führt zu mehr Bewerbern auf vakante Stellen“.

