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Marburger Bund
Die Ärztegewerkschaft
Der Marburger Bund ist die gewerkschaftliche, gesundheits- und berufspolitische Interessenvertretung aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.
Organspende
Eine alarmierende Talfahrt!
Kammerpräsident Dr. Theo Windhorst: Drei Problemfelder müssen gelöst werden
Münster (mhe). Ein erschreckender Tiefschlag für die lebensbedrohlich erkrankten Menschen auf den Wartelisten: In den ersten drei Quartalen im Jahr 2011 sind in der Bundesrepublik trotz der öffentlichen Debatte um das Transplantationsrecht die Organspendezahlen unerwartet um zwölf Prozent gesunken. Lediglich in Nordrhein-Westfalen ist eine gegenläufige Entwicklung zu verzeichnen. Die Organspendezahlen stiegen in NRW in den ersten drei Quartalen um knapp drei Prozent an.Bundesweit gab es laut Deutscher Stiftung Organtransplantation (DSO) von Januar bis September 2011 nur 902 Organspender, im Vorjahreszeitraum waren es dagegen mit 961 noch gut sechs Prozent mehr. Die Zahl der gespendeten Organe sank in 2011 sogar von 2.092 auf nur noch 1.861, ein dramatisches Minus von zwölf Prozent.„Das ist ein alarmierendes Zeichen. Wir haben weiterhin verheerende Probleme bei der Förderung der Organspende, die wir dringend lösen müssen, um dem Leid auf der Warteliste entgegenzuwirken“, fordert der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. med. Theodor Windhorst.So sei die Politik gefordert, nun endlich stabile und praktikable gesetzliche Rahmenbedingungen für die Organspende festzulegen. Der westfälisch-lippische Kammerpräsident spricht sich erneut für eine Informations- und Erklärungslösung aus, bei der sich jeder Bürger nach ausführlicher Information für oder gegen eine Organspende entscheidet. „Eine solche Entscheidung ist jedem Menschen zumutbar.“Auch die Krankenhäuser sieht Dr. Theo Windhorst stark in der Pflicht. Obwohl es seit Längerem gesetzlich verpflichtend sei, einen Transplantationsbeauftragten in den Kliniken zu installieren, sei dies bei einem Drittel der betroffenen Häuser noch nicht geschehen. „Die Kliniken kommen ihrer Verantwortung nicht nach, das ist ein untragbares Versäumnis“, kritisiert der Kammerpräsident. Dabei sei auch noch die Kostenfrage zu klären.Kammerpräsident Dr. Theo Windhorst kritisiert auch den Stil der Debatte innerhalb der DSO; in einem offenen Brief an Gesundheitspolitiker und Medien wurden schwerwiegende Vorwürfe erhoben. „Das ist nicht gerade förderlich für die Organspende.“ Die öffentliche Diskussion über gutsherrenartigen Führungsstil, Konzeptlosigkeit und Ressourcenverschwendung bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation müsse beendet und eventuelle Missstände abgestellt werden, fordert Dr. Windhorst. Die Sachverhalte sollten schnell geklärt werden, um zügig wieder zur Alltagsarbeit zur Förderung der Organspende kommen zu können.Dr. Theo Windhorst zieht das Fazit: „Derzeit schreitet die Organspende gleich durch drei Jammertäler. Die Leidtragenden sind die 12.000 Menschen auf der Warteliste, die inständig auf eine Organspende hoffen, um weiterleben zu können. Jeden Tag sterben drei von diesen Hoffenden und Wartenden. Das ist nicht länger hinnehmbar!“

