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Marburger Bund
Die Ärztegewerkschaft
Der Marburger Bund ist die gewerkschaftliche, gesundheits- und berufspolitische Interessenvertretung aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.
"In seiner oft leise vorgetragenen, stets scharfsinnigen und klaren Argumentation für das Ethos des ärztlichen Berufs, für die menschliche Begegnung mit jedem Patienten und für eine mehr medizinisch als ökonomisch orientierte Gesundheitspolitik hat er mehr bewegt und mehr erreicht, als ihm das vielleicht selbst bewusst geworden ist. Wir sind in tiefer Trauer um den plötzlichen Tod unseres langjährigen Vorsitzenden. Unser Mitgefühl gilt in dieser Stunde seiner Familie“, erklärte Prof. Hoppes langjähriger Weggefährte, Rudolf Henke, 1. Vorsitzender des Marburger Bundes. Der Marburger Bund wird Professor Jörg-Dietrich Hoppe stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe wurde am 24. Oktober 1940 in Thorn an der Weichsel geboren. Von 1960 bis 1965 studierte er Medizin an der Universität zu Köln, promovierte 1966 und arbeitete danach jeweils zwei Jahre als Medizinalassistent und als Assistenzarzt in der Inneren Medizin. 1975 absolvierte er die Weiterbildung in den Fachgebieten Pathologie und Allgemeinmedizin.
Bis 1977 arbeitete er als Oberarzt am Institut für Pathologie des Städtischen Krankenhauses Solingen, bevor er an das Krankenhaus Düren GmbH wechselte, wo er bis 1982 als Oberarzt und zwischen 1982 und 2006 als Chefarzt des Instituts für Pathologie tätig war. Auch nach seiner Pensionierung 2006 arbeitete er in der Pathologie des Krankenhauses Düren mit Freude als niedergelassener Pathologe.
Als Jörg Hoppe 1970 und 1971 im Streit um eine Vergütung der Bereitschaftsdienste den ersten Streik des Marburger Bundes mit organisierte, den berühmten „Bleistiftstreik“, entdeckte er seine Leidenschaft für die ärztliche Berufspolitik, die ihn sein gesamtes Leben nicht wieder losließ. 1975 wurde er Mitglied des Vorstands der Bundesärztekammer und zweiter Vorsitzender des Marburger Bundes, von 1979 bis 1989 stand er dem Verband als erster Vorsitzender vor. 1991 wurde er zum Vizepräsidenten der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages gewählt, 1993 zum Präsidenten der Ärztekammer Nordrhein. 1999 schließlich folgte er Prof. Dr. Karsten Vilmar im Amt des Präsidenten der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages.
Professor Hoppe war in der Zeit von 1979 bis 1989 Vorsitzender des Marburger Bund Bundesverbandes und seit 1989 dessen Ehrenvorsitzender. Im Jahr 2006 trat er bei einer der größten Ärztedemonstrationen in der Bundesrepublik vor 6500 Ärztinnen und Ärzten vor dem Kölner Dom an die Spitze der Streikbewegung! Prof. Dr. Hoppe bekundete seinerzeit: "Die gesamte deutsche Ärzteschaft steht hinter Euch!" Ein Meilenstein auf dem Weg des Marburger Bundes zum ersten arztspezifischen Tarifvertrag!
In der Zeit als MB-Vorsitzender hat Prof. Hoppe durch seine medizinisch-ethische Kompetenz, sein politisches Feingefühl und seine überaus sympathische und freundliche Art die Verbandsarbeit und den Marburger Bund maßgeblich geprägt. „Jörg Hoppe ist als Vorsitzender des Marburger Bundes und als herausragender Vertreter der verfassten Ärzteschaft leidenschaftlich und glaubwürdig für die Freiheit ärztlicher Berufsausübung eingetreten. Mit großer Sorge ist er der um sich greifenden Ökonomisierung im Gesundheitswesen begegnet. Jörg Hoppe hat diese Entwicklung bekämpft und auf die gravierenden Folgen für die Patientenversorgung hingewiesen. Sein Diktum ‚Der Patient ist kein Kunde und der Arztberuf kein Gewerbe’ muss uns eine bleibende Mahnung sein“, sagte Rudolf Henke.
„Die Ärztinnen und Ärzte im Rheinland und in ganz Deutschland trauern um eine großartige Persönlichkeit, die sich stets leidenschaftlich für eine gute Versorgung unserer Patientinnen und Patienten eingesetzt hat“, betonte auch der Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein, Bernd Zimmer. Prof. Jörg-Dietrich Hoppe hatte über 18 Jahre lang an der Spitze der rheinischen Ärztekammer gestanden.
„Mit Jörg-Dietrich Hoppe verliert die deutsche Ärzteschaft viel zu früh nicht nur einen ihrer großen Präsidenten und einen leidenschaftlichen Kämpfer für den freiheitlichen Arztberuf, sondern auch einen ganz außergewöhnlichen Menschen“, würdigte auch der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Frank Ulrich Montgomery, der Prof. Hoppe Anfang Juni 2011 auf dem 114. Deutschen Ärztetag in Kiel in dessen Amt gefolgt war.
„In einem politischen Umfeld, in dem täglich um Geld, Macht und Interessen gerungen wird, ist Prof. Hoppe Arzt geblieben und hat sich seine Menschlichkeit bewahrt. Er ist mit Intelligenz und Witz, mit Nachdruck und Leidenschaft täglich für die Belange von Ärzten und Patienten eingetreten", würdigte der Präsident der Bundesärztekammer, sagte Dr. Frank Ulrich Montgomery
"Prof. Hoppe ging nie um Macht, immer nur um die Medizin. Jörg Hoppe war in schwierigen Zeiten die Integrationsfigur der deutschen Ärzteschaft. Er wurde geschätzt für seine Aufrichtigkeit, seinen Anstand und seine Charakterstärke. Er war intelligent, humorvoll, warmherzig, stets bescheiden und doch unnachgiebig in der Sache. Über viele Jahre hat Jörg-Dietrich Hoppe die Politik und das Ansehen der deutschen Ärzteschaft maßgeblich geprägt. Immer wieder hat er dabei die drängenden Probleme der Zeit angesprochen, auch wenn sie unpopulär waren.
„Der Arztberuf war seine große Passion“, erklärte Dr. Montgomery. „Auch wenn er in seiner zweiten großen Leidenschaft, der Musik, sehr erfolgreich gewesen wäre, so hat Jörg Hoppe doch nie Zweifel daran gelassen, dass der Beruf des Arztes der schönste Beruf ist, den es gibt. Aus dieser Leidenschaft zum Arztberuf heraus hat er gegen die Misstrauenskultur im Gesundheitswesen und für das vertrauensvolle, individuelle Patienten-Arzt-Verhältnis gekämpft. Das System sollte für die Menschen da sein, und nicht umgekehrt."
Auch der Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI) Dr. Wolfgang Wesiack würdigte Prof. Hoppe als herausragenden Menschen und exzellenten Berufspolitiker, der die Politik und das Ansehen der deutschen Ärzteschaft maßgeblich geprägt hat. Der BDI trauert um einen großen Ärztepräsidenten und einen leidenschaftlichen Kämpfer für den freiheitlichen Arztberuf.
"Im Spannungsfeld des ärztlichen Berufsbildes zwischen Ethik und Markt stritt Prof. Jörg-Dietrich Hoppe – seiner humanistischen Bildung verpflichtet – kühl, sachlich und präzise in der Art, aber kompromisslos in der Sache, unbeirrt für die Freiberuflichkeit des Arztes und für die Freiheit des Arztberufes", erinnerte der Bundesvorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärzte (NAV) Deutschlands, Dr. Dirk Heinrich. "In Zeiten der fortschreitenden Ökonomisierung und schleichenden Rationierung im Gesundheitswesen war er der konsequente Streiter für die traditionell ärztliche Aufgabe der Zuwendung und bekämpfte gleichermaßen die Entwicklung hin zu einer ‚Zuteilungsmedizin‘; ein Begriff, den Prof. Hoppe prägte."
Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Klaus Reinhardt, hat der Familie des verstorbenen langjährigen Präsidenten der Bundesärztekammer, Prof. Dr. med. Dr. h.c. Jörg-Dietrich Hoppe, sein Beileid ausgesprochen und die Verdienste des zwölf Jahre an der Spitze der deutschen Ärzteschaft stehenden Arztes ausdrücklich gewürdigt.
"Professor Hoppe war weit mehr als ein Jahrzehnt die Leitfigur der deutschen Ärzteschaft. Er hat Standesvertretung nie als bloße Interessenvertretung verstanden, sondern hat sich stets in der Verantwortung für das Ganze - und so ausdrücklich auch für das Recht der Patienten - gesehen. In diesem Sinne hat er immer auch die Bedeutung der ärztlichen Ethik als Grundlage eines vertrauensvollen Arzt-Patienten-Verhältnisses betont.
Mit Professor Hoppe hat ein neuer Stil im kritischen Dialog mit der Politik Einzug gehalten. Er war ein Mann, der mit Leidenschaft und Feinsinn die richtigen Worte gefunden hat. Er war ein Freund der leisen Töne, die aber umso mehr gehört und geachtet wurden.
Angelika Haus, die Vorsitzende des Hartmannbundes in Nordrhein, beschreibt Prof. Hoppe als herausragenden Kollegen: "Professor Hoppe hinterlässt eine Lücke, die berufspolitisch kaum zu schließen sein wird. Er war als Person stets bescheiden, höchst engagiert, dabei integer, sachorientiert und außerordentlich beharrlich. Auf diese außergewöhnliche Weise war er durchsetzungsstark und in der Ärzteschaft aber auch in der Politik sowie in der Bevölkerung in höchstem Maße anerkannt. Wir werden ihn als unseren Präsidenten und vorbildlichen Kollegen, als feinsinnigen Menschen mit seinem besonderem, leisen Humor in bester Erinnerung halten und ihm ein ehrenvolles Andenken bewahren."

