-

Marburger Bund
Die Ärztegewerkschaft
Der Marburger Bund ist die gewerkschaftliche, gesundheits- und berufspolitische Interessenvertretung aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.
Diese Last erlebt jede Ärztin und Arzt täglich. Viele Stunden verbringen Ärzte am Tag mit bürokratischen Aufgaben, mit der Konsequenz, das die ohnehin knappe Zeit für die Patienten so vernichtet wird. Seit Jahren wird das Problem des Bürokratismus und der Dokumentationswut in der Medizin angeprangert, aber grundlegende Änderungen sind auch im Zeitalter eines nachhaltigen Ärztemangels noch nicht in Sicht.
"Die aktuellen Zahlen sind erschreckend", kommentierte der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, die Kernaussage einer Studie der Unternehmensberatung A. T. Kearny. Dieser Studie zur Folge lag der Anteil der Verwaltungskosten im bundesdeutschen Gesundheitssystem im Jahr 2010 bei über 40 Milliarden Euro. "Das sind 23 Prozent der Gesamtausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Höhe von 176 Milliarden Euro." Allein in der GKV werden laut A. T. Kearny über 27 Milliarden Euro für die Verwaltung ausgegeben. "Das sind immense und wertvolle Versichertengelder, die schlicht der Patientenversorgung entzogen wurden!"
„Der bürokratische Wahnsinn hat in unser Gesundheitswesen schon längst Einzug gehalten“, ergänzt Dr. Windhorst, „und er blockiert an vielen Stellen die medizinische Versorgung der Patienten.“ Es sei seit Jahren bekannt, dass die Ärzte mit viel zu viel Bürokratieaufwand und Verwaltungsaufgaben von ihrer kurativen Tätigkeit abgehalten würden, kritisiert der Kammerpräsident. Nun habe dies die Studie von A. T. Kearny auf den „finanziellen Punkt gebracht“.
Es sei dringend notwendig, die überbordende Bürokratie in den Krankenhäusern und Praxen endlich abzubauen und diesen „Bürokratie-Wahnsinn zu stoppen. Es ist unverantwortlich, dass Klinikärzte etwa ein Drittel ihrer täglich verfügbaren Arbeitszeit mit reinen Verwaltungsaufgaben verbringen müssen." Auch die niedergelassenen Ärzte müssten von „dauernden Dokumentationen und unnötigem Papierkram“ entlastet werden.
„Ich befürchte, dass wir hier ein ganz dickes Brett bohren müssen. Doch wir müssen es anpacken, auch um Kosten zu sparen und Beitragserhöhungen zu verhindern.“ Laut der Studie von A. T. Kearny gibt es bezogen auf die Verwaltungskosten ein Einsparpotenzial von mindestens 13 Milliarden Euro.
„Es ist schlicht auch gefährlich, für das anerkannt hohe Niveau unseres Gesundheitswesens, bei der Versorgung der Patienten oder den Leistungserbringern zu sparen. Diese Studie zeigt, das sind die falschen Adressaten. Wir müssen unser gutes Gesundheitssystem erhalten und die Gefahr abwehren, dass es zu einer Gesundheitsverwaltung pervertiert.“ Es gelte ferner, die Attraktivität des Arztberufes wieder zu steigern. „Junge Mediziner wollen keine Formulare ausfüllen. Sie wollen vielmehr den Patienten helfen und sie heilen. Ihr Arbeitsplatz ist nicht der Schreibtisch, sondern am Krankenbett.“

