Jahresrückblick 2017

Wie viele Kliniken in NRW und RLP werden 2018 überleben?

Strukturwandel muss sich an den medizinischen Bedürfnissen der Patienten orientieren

29.12.2017 – Ist das Kliniksterben zu stoppen? In NRW sank die Klinikzahl auf 348 – das sind 114 weniger als vor 17 Jahren. Eine ähnliche Entwicklung gibt es in RLP. Derweil steigen die Patientenzahlen, die Verweildauer verkürzt sich, der Auslastungsgrad erreicht Rekordwerte, obwohl über 2.000 Arztstellen in Kliniken nicht besetzt werden können. Dessen ungeachtet wollen die Landesregierungen die Effizienz der Kliniken weiter steigern. Ihre Pflicht zur Finanzierung der Investitionen erfüllen sie aber nur unzureichend. In NRW fehlt den Kliniken jährlich eine Milliarde Euro, in RLP 180 Millionen Euro.

Was wird noch gebraucht? Mehr Ärztinnen und Ärzte, mehr Studienplätze und mehr Zeit für unsere Patienten! Diese Botschaften sind in der Politik angekommen, aber an der Umsetzung hapert es noch. Drei gute Nachrichten: Zum Ende 2018 werden in Siegen 25 Studenten der Humanmedizin ausgebildet, in Kooperation mit der Uni Bonn. Die private Uni Witten/Herdecke wird stärker gefördert. Ferner wird eine Medizinische Fakultät in Bielefeld realisiert, 300 Studienplätze sind geplant.

Was ändert sich noch? Die schwarzgelbe Landesregierung in NRW investiert 250 Mio. Euro mehr in 2017, dies lindert den Investitionsstau. Dauerhafte und ausreichende Lösungen fehlen jedoch. Ab 2019 sollen drei dreistellige Millionenpakete folgen, aber nur für Kliniken, die sich dem Strukturwandel unterziehen. Eine massive Förderlücke bleibt bestehen. Davon kann eine Strukturdebatte nicht ablenken.

Minister Laumann will weniger Vollversorger, mehr vernetzte Spezialisten-Verbünde. Seine Kriterien des Wandels will er 2018 vorstellen. Mehr Kür, weniger Pflicht? Wir werden sorgfältig da rauf achten, ob die flächendeckende Versorgung in Gefahr gerät, sie braucht eine verlässliche Finanzierung. Der Strukturwandel muss sich an den Patientenbedürfnissen orientieren, nicht an der Ökonomie.

Höhepunkt des Jahres war zweifelsohne unsere von namhaften Referenten geprägte Hauptversammlung, die wir dem Thema Notfallversorgung gewidmet haben. Die DKG-Spitze bekannte zum KBV-Chef, es könne der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein. Der dreistündigen sachlichen und lösungsorientierten Diskussion folgten Vorstandswahlen. Über 160 Delegierte bestätigen Dr. Hans-Albert Gehle und Michael Krakau als Vorsitzende im Amt. Neue Beisitzer wurden Dr. Thorsten Hornung (Bonn) und Inna Agula-Fleischer (Hagen).

In 26 Bezirken haben wir in 2017 Mitgliederversammlungen veranstaltet. Um ausländischen Ärzten die Integration zu erleichtern, legten wir das Seminar „Arbeiten in Deutschland“ neu auf, zudem bieten wir Intensivkurse Fachsprache Medizin mit dem mibeg-Institut an. Auch zahllose Berufsstarterseminare an Unikliniken sind zu erwähnen. Im Rahmen unserer Studentenwerbungen haben wir zudem über 2.000 Unterschriften gesammelt. Wir fordern eine faire Vergütung im PJ. Zukunftsweisend hat ferner unsere AG Junge Ärzte das Gütesiegel „Gute Weiterbildung“ entwickelt. Das Projekt nimmt Fahrt auf: Zwei Kliniken wurden bereits ausgezeichnet, weitere folgen.

2017 hieß es leider auch Abschied zu nehmen von liebgewonnen Weggefährten. Ende Mai starb der frü
here Justiziar und LV-Geschäftsführer Johannes Boomgaarden (88). In Essen starb im Juli Dr. Friedrich- Wilhelm Hülskamp (72). Über drei Jahrzehnte hat er sich mit viel Herz und großer Leidenschaft in der ärztlichen Berufspolitik engagiert. Völlig unerwartet starb im Juli Dr. Dieter Mitrenga (77). Empathisch, humorvoll und begeisterungsfähig – so haben wir Dieter Mitrenga stets erlebt. Fast 50 Jahre hat er sich im Marburger Bund engagiert.

Ausführliche, kontinuierliche Informationen finden Sie in der MBZ-Berichterstattung und hier auf unserer Homepage, die Sie direkt per "www.marburger-bund.net" erreichen können.