Chefarztverträge / Poolbeteiligung: Zahlen, Daten, Fakten

Lassen Sie sich nicht einfach abspeisen!

Vergütung von Klinikärzten – einschließlich Poolgelder / Überblick aus Krankenhaus-Barometer, Kienbaum-Studie und MBZ-Umfrage

Von Stefanie Gehrlein

Alljährlich beschäftigen sich das Krankenhausbarometer des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) sowie der Kienbaum-Vergütungsreport auch mit den Themen Erbringung wahlärztlicher Leistungen, Struktur von Chefarztverträgen und Vergütungen von Klinikärzten. Die Ergebnisse sind zwar nicht repräsentativ, zeigen aber zumindest die Entwicklung in diesem Bereich auf.

Die wichtigsten Trends laut dem Krankenhausbarometer 2017 sind: In der Mehrzahl der Kliniken besitzen Chefärzte kein eigenes Liquidationsrecht mehr. Nur noch in 20 Prozent der Krankenhäuser gibt es das, was noch vor ein paar Jahren Standard war: Ausnahmslos alle Chefärzte liquidieren wahlärztliche Leistungen selbst. Korrespondierend zu dieser Entwicklung nimmt das Modell der Beteiligungsvergütung immer mehr zu und stellt inzwischen in rund 70 Prozent der Kliniken die überwiegende Gestaltungsform bei Chefarztverträgen dar. Bei Neuverträgen räumen nur noch 29 Prozent aller Kliniken Leitenden Ärzten ein eigenes Liquida­tionsrecht ein.

Neben der nahezu bedeutungslosen Festvergütung zur Abgeltung wahlärztlicher Leistungen ist die weitere variable Vergütungskomponente „Boni aufgrund von Zielvereinbarungen“ insbesondere in großen Häusern im Kommen. Es gibt sie in 62 Prozent aller Kliniken; in großen und mittleren Häusern sind Bonusvereinbarungen mit 60 bis 90 Prozent Anteil bei Chefarztverträgen sogar fast die Regel. Mit neuen Chefärzten treffen bereits zwei Drittel der Häuser Zielvereinbarungen. Meist stehen organisatorische und qualitätsorientierte Ziele im Vordergrund. Wesentlich seltener vereinbart werden mitarbeiterorientierte Ziele wie Personalentwicklung.

Der Kienbaum-Vergütungs­report hat 2017 Daten aus 143 Krankenhäusern ausgewertet und kommt mit Blick auf die grundsätzlichen Trends zu ähnlichen Ergebnissen wie das DKI. Er legt den Fokus auf die Vergütungssituation der einzelnen Arztgruppen und differenziert nach Chefärzten, Oberärzten, Fachärzten und Ärzten in der Weiterbildung. Der Report sieht das Liquida­tionsrecht bei Chefärzten als derzeit immer noch dominierende Gestaltungsform der variablen Vergütung (40 Prozent der Häuser), konstatiert aber auch dessen stetigen Rückgang zugunsten anderer Variablen wie insbesondere Boni aufgrund von Zielvereinbarungen. Entscheidend ist das Vertrags­alter: Chefarztverträge, die 10 Jahre und älter sind, enthalten zu 90 Prozent das Liquida­tionsrecht, Verträge, die drei Jahre und jünger sind, nur noch zu 29 Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der Bonusvereinbarungen seit 1995 von unter 5 Prozent auf fast 50 Prozent bei Neuverträgen gestiegen. Kienbaum sieht quantitative Ziele im Vormarsch: Fallzahlen, Patientenbelegung oder betriebswirtschaftliche Kennziffern wie Betriebsergebnis oder Kosten- und Erlösbudget. Auch hier Fehlanzeige bei mitarbeiterorientierten Zielen.

Dabei ist die absolute Höhe der variablen Einkommen von über 300.000 Euro bei Altverträgen auf derzeit ca. 50.000 Euro bei Neuverträgen gesunken. Im Durchschnitt aller Verträge sieht dies noch anders aus: Die Höhe der variablen Vergütung bei Chefärzten reicht von 49.000 Euro in der Geriatrie bis rund 200.000 Euro in der Inneren Medizin. Wie auch die Jahresgrundvergütung wird sie von Fachrichtung und Reputation beeinflusst, ist aber anders als die Festvergütung im Osten wesentlich nie­driger als in den sogenannten alten Bundesländern.

Grundsätzlich anders stellt sich die Situation bei den Oberärzten dar. Variable Vergütung und Nebentätigkeit spielen eine untergeordnete Rolle und fallen neben dem Jahresgesamteinkommen kaum ins Gewicht. Dabei klassifiziert der Kienbaum-Report die Beteiligung an den Privatliquida­tionseinkünften der Chefärzte als variable Vergütung. Diese sei bei 45 Prozent der Oberärzte vertraglich festgehalten, gefolgt von der Bonusvereinbarung mit 21 Prozent. Durchschnittlich liegt die Höhe der gesamten variablen Vergütung bei den Berechtigten bei 12.000 Euro jährlich und macht mit 3 bis 10 Prozent je nach Fachrichtung einen eher geringen Anteil an der Gesamtvergütung aus. Noch geringer fällt die Zahl mit durchschnittlich 2.000 Euro jährlich bei den Ärzten in der Weiterbildung aus.

Nicht ganz eindeutig interpretierbar sind die Kienbaum-Ergebnisse zum Thema Poolgelder. Die Mitarbeiter in der „Chefarztabteilung“ würden in 64 Prozent aller Fälle an den Liquidationseinnahmen beteiligt, wobei die Höhe der Poolverpflichtung im Durchschnitt 11 Prozent dieser Einnahmen betrage. Dort, wo der Chefarztvertrag keine explizite Regelung der Poolverpflichtung enthalte, gebe es zumindest häufig einen Hinweis auf die im Standesrecht normierte „angemessene Beteiligung“. Aus diesen Feststellungen kann man schließen, dass die Zahlen nur für Fälle gelten, in denen der Chefarzt das Liquidationsrecht besitzt. Als logische Konsequenz der Ablösung dieser Chefarztvertragsgestaltung durch die Beteiligungsvergütung würde das bedeuten, dass die Mitarbeiterbeteiligung an Liquidationserlösen durch den Wandel der Chefarztverträge immer weiter abnimmt. Dies korrespondiert mit den Ergebnissen der MBZ-Umfrage zu Poolgeldern.

In Zeiten des Ärztemangels, der übrigens der Grund für die Einführung der Poolregelungen war, sollte an den maßgeblichen Stellen mal über gerechte Verteilung von Einnahmen nachgedacht werden. Bei Vertragsverhandlungen lohnt sich hier ein Nachhaken!

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