Auf zu neuen Ufern!

Von Angelika Steimer-Schmid

Zehn Jahre arbeiten jetzt schon Haupt- und Ehrenamtler in der Bundesärztekammer an der Novellierung der (Muster-)Weiterbildungsordnung. Es ist eine Mammutaufgabe ohne Frage, aber so lange? Wer sich die Schnelllebigkeit der Medizin vor Augen führt, wird dabei kaum seinen Augen, geschweige denn als nachwachsende Ärztin oder Arzt seinen Ohren trauen. Was die Väter der Novellierung sich gedacht haben, erscheint den Töchtern und Söhnen, die inzwischen daran mitarbeiten, schon wieder an der einen oder anderen Stelle reformbedürftig. Und in dem Bemühen um die perfekte Novellierung dauert alles immer noch länger. Nicht zuletzt auch deshalb, weil gefühlt unzählige Organisationen daran beteiligt sind und ihre Expertise einbringen wollen.

Jetzt muss es damit aber genug sein. Die Delegierten des nächsten Deutschen Ärztetages müssen endlich den Mut zur Lücke haben, um endlich die Grundsteine für eine in der Zukunft weiterzuentwickelnde (Muster-)Weiterbildungsordnung zu verabschieden. Das System wird und muss ein Lernendes bleiben, um den künftigen medizinischen Entwicklungen und damit den Anforderungen an die Weiterbildung künftiger Ärztegenerationen gerecht zu werden.

Und genau weil das künftige System noch an vielen Stellen, auch örtlich gemeint in den Landesärztekammern, weiterentwickelt und mit Leben erfüllt werden muss, wird die Mitarbeit in den Ärztekammern gerade für die nachwachsenden Ärztinnen und Ärzte von immenser Bedeutung sein. Wer sie dort vertritt, ist entscheidend!

Wer sich jetzt noch nicht vorstellen kann, dass Kammerwahlen von zentraler Bedeutung für die eigene berufliche Weiterentwicklung sind, dem ist nicht zu helfen. Wer da nicht einmal wählen geht und damit jene unterstützt, die sich um diese zentralen Anliegen kümmern wollen, dem ist nicht zu helfen. Da gilt auch nicht die Ausrede, ich habe dafür keine Zeit. Keine Zeit? Diese Zeit könnte zum Beispiel gut investiert sein gegen eine völlig ausufernde und überfrachtete Weiterbildung.

Und wenn wir schon mal beim Thema Ärztekammern sind,  dann passt hier auch gut ein kurzer Blick auf die neuesten Zahlen in Sachen Ärztinnen in der Selbstverwaltung der Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen (siehe Artikel „Die Medizin wird fast überall weiblich, bloß nicht ...“). Bündnis 90/Die Grünen haben auf ihre Kleinen Anfrage an die Bundesregierung eine interessante, aber keineswegs überraschende Antwort bekommen. In aller Regel sind Ärztinnen in der ärztlichen Selbstverwaltung auf allen Ebenen in deutlicher Minderheit. Über die Gründe wird hin und wieder trefflich diskutiert. Sie reichen von keine Zeit, kein Interesse, bis zeitraubende Sitzungsverläufe und Sitzungsformen, ausuferende Debatten, Club der etablierten Funktionäre. Mal ganz ehrlich, das dürfte doch Ärztinnen und Ärzte gleichermaßen stören. Selbstverwaltung wird aber nur dann moderner und effizienter, wenn sich dort jene einbringen, die dahingehend etwas verändern wollen. Da führt an Eigenengagement oder zumindest der Einflussnahme durch Wahlbeteiligung zugunsten der Veränderungswilligen kein Weg vorbei – ganz gleich ob Ärztin oder Arzt!