Gemeinsam lautet die Devise

Von Jörg Ziegler

Es ist ein starkes und zugleich wichtiges Signal, das von den aktuell laufenden Gesprächen zwischen Marburger Bund und Kassenärztlicher Bundesvereinigung ausgeht. Gemeinsam will man Verantwortung für eine integrierte Notfallversorgung übernehmen – im Sinne der Patienten.

Dieses neue Mitei­nan­der zwischen Angestellten und Niedergelassenen auf höchster Ebene als Beginn einer sachlichen und konstruktiven Diskussion muss nun auch in den einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) bei vielen weiteren Themen Schule machen. Angesichts der rasant wachsenden Zahl der ambulant angestellt tätigen Ärztinnen und Ärzte, die sich Ende 2016 auf 32.348 belief und deren Gesamt­anteil im ambulanten Bereich damit bei mehr als 20 Prozent liegt, ist dies nur recht und billig. Mit gutem Beispiel voran geht die KV Rheinland-Pfalz, die mit der Wahl ihres stellvertretenden Vorsitzenden in der Vertreterversammlung, dem „Parlament“ der KV, einen Pflock eingeschlagen hat: Seit Jahresbeginn bekleidet mit Dr. Karl-Heinz Kurfeß erstmals ein angestellter Arzt dieses Amt (lesen Sie dazu auch S. 7).

Eine Chance zu mehr Mitei­nan­der in den 17 KVen bietet der vom Gesetzgeber 2015 im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz verordnete Beratende Fachausschuss für angestellte Ärztinnen und Ärzte, der gleichberechtigt neben den bisherigen Fachausschüssen der Hausärzte sowie Fachärzte und Psychotherapeuten einzurichten war. Mittlerweile haben sich diese neuen Fachausschüsse überall konstituiert und die MBZ hat eine Abfrage zu deren Besetzung gestartet. Die Ergebnisse gehen derzeit nach und nach ein und werden zeitnah veröffentlicht.

Nun ist jedoch keineswegs überall ein fortschrittliches und weitsichtiges Mitei­nan­der wie in Rheinland-Pfalz zu registrieren, obwohl es vonnöten wäre, da viele Strukturen mit der Entwicklung und der wachsenden Zahl an Angestellten in der ambulanten Versorgung nicht Schritt gehalten haben. Insofern sollte die Chance, die sich einer KV durch das neue Gremium bietet, jetzt genutzt werden, statt ihm mit Vorbehalten zu begegnen und Steine in den Weg zu legen. Wie schrieb Dr. ­Peter Velling, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes Medizinische Versorgungszentren – Gesundheitszentren – Integrierte Versorgung, treffend: „Aus der bisher gefühlten Verhinderungsmentalität gegenüber angestellten Ärzten muss dafür eine „Gern-herzlich-willkommen-Kultur‘ werden, (…).“ Aufgaben gäbe es ausreichend, meint er. Aber: Da dieses Gremium für alle Beteiligten ein Novum sei, bräuchten die gewählten Ärzte „Spielraum und Unterstützung für die Entwicklung ihres noch jungen Aufgabenbereichs“.

Die Devise kann also einzig und allein lauten: alle in der ambulanten Versorgung vertretenen Ärztinnen und Ärzte ziehen gemeinsam an einem Strang. Nur Seite an Seite wird es gelingen, die Selbstverwaltung für künftige Aufgaben fit zu machen und zahlreiche, scheinbar unüberbrückbare Hindernisse auszuräumen. Dass es einen Weg gibt, zeigt die zarte Pflanze Notfallversorgung.