Interview

Viele Vorteile im Marburger Bund nutzen und mehr bewegen

MB-Sprecherratsmitglied Alexander Hertel gibt Antworten / Deutschlandweite Vernetzung macht vieles möglich

Dresden .

Alexander Hertel ist 27 Jahre und studiert im 7. Semester Medizin an der TU Dresden. Er ist seit Jahresbeginn Mitglied des Sprecherrates der Medizinstudierenden im Marburger Bund und vertritt dort die Interessen der studentischen Mitglieder im Landesverband Sachsen. In einem Gespräch mit Karin Lange berichtet er über seine Erfahrungen im Medizinstudium, seine Arbeit als Mitglied des Sprecherrates der Medizinstudierenden im MB und die Reform des Medizinstudiums.

Herr Hertel, Sie befinden sich derzeit in Ihrer Famulatur?

Alexander Hertel: Ja, in den nächsten vier Wochen arbeite ich in einem Herzzentrum. Den Bereich habe ich mir selbst ausgesucht, weil mich innere Medizin und Kardiologie sehr interessieren.

Welche Aufgaben durften Sie bereits übernehmen?

Hertel: Das hängt ein wenig von der Klinik ab. In der Famulatur unterstützt man z.B. die Aufnahme von Neuzugängen, die Anamnese, die Blutentnahme oder schreibt auch Entlassungsbriefe.

Wird die Famulatur vergütet?

Hertel: Nein, als Student bekommt man in der Regel nichts. Es gibt jedoch Kliniken, die eine Aufwandsentschädigung zahlen.

Sie sind neben dem Studium auch Mitglied des Sprecherrates der Studierenden im Marburger Bund. Was war ihre Motivation, sich zu engagieren?

Hertel: Ich hatte zunächst ein eigenes Anliegen und habe mich damit an den MB Sachsen gewendet. Daraus ist die Idee entstanden, sich selbst zu engagieren und nicht nur nach jemanden zu suchen, der sich für die eigenen Belange einsetzt.

Was bietet gerade der MB, wenn ich im Studium bin?

Hertel: Der MB hat als Berufsverband und Gewerkschaft für Medizinstudierende ein großes Angebot. Bisher ist unter den Studierenden jedoch wenig bekannt, was der MB genau macht. Dass der MB der größte europäische Berufsverband für Ärzte ist, wissen eher wenige.

Welche Unterstützung bekomme ich als Studierende/-r vom MB?

Hertel: Konkret ist vor allem die juristische Beratung zu nennen, die ich auch als studentisches Mitglied kostenlos in Anspruch nehmen kann. Hier erhalte ich professionellen Rat rund um das Studium, bei Fragen zu Prüfungsverfahren, Krankschreibungen, Famulatur, Approbationsordnung etc.

Wichtig ist auch die juristische Vertragsprüfung, wenn es um die erste Anstellung geht. Zudem können Studierende ein breites Angebot an Informationen und Kursen nutzen, die oft kostenlos angeboten werden.

Sie sind ja auch Mitglied im Sprecherrat. Welchen Beitrag leistet der Sprecherrat der Medizinstudierenden im MB?

Hertel: Der Sprecherrat der Medizinstudierenden vertritt bundesweit die studentischen Interessen im Marburger Bund. Der MB hat natürlich durch seine Größe auch eine entsprechende Reichweite, bis hinein in die Landes- oder Bundespolitik.

Eine deutschlandweite Vernetzung ermöglicht, dass unsere Anliegen über die Landesgrenzen hi­naus bis auf die bundespolitische Ebene getragen werden können.

Wie funktioniert die Arbeit im Sprecherrat?

Hertel: Interessierte Studentinnen und Studenten können von den jeweiligen Landesverbänden des Marburger Bundes in den Sprecherrat entsandt werden. Zweimal im Jahr findet ein Treffen in Berlin statt, wo über aktuelle Themen beraten wird. Die/der jeweils Vorsitzende des studentischen Sprecherrates ist gleichzeitig kooptiertes Mitglied im ärztlichen Bundesvorstand des Marburger Bundes und findet dort Gehör für die studentischen Anliegen.

Welche Themen werden derzeit im Sprecherrat bearbeitet?

Hertel: Thema Nummer eins ist derzeit die Reform des Medizinstudiums. Insgesamt fehlt der praktische Bezug zu den theoretischen Inhalten. Wenn ich die Theorie direkt anwenden kann, ist natürlich der Lerneffekt größer. Die Idee hinter der Reform des Medizinstudiums ist grundsätzlich begrüßenswert, also die Praxis mehr ins Studium einzubinden. Nur die Umsetzung kritisieren wir als Sprecherrat deutlich.

Was halten Sie vom Pflichtpraktikum Allgemeinmedizin, wie es derzeit diskutiert wird?

Hertel: Nichts. Den Studierenden wird hier die Wahlmöglichkeit genommen, derzeit gibt es ja bereits zwei Pflichtpraktika: innere Medizin und Chirurgie. Die Allgemeinmedizin ist als Fach nicht schlecht anerkannt bei den Studierenden, die Rahmenbedingungen stimmen jedoch nicht.

Welche Bedenken kennen Sie, weshalb sich so wenige Mediziner im ländlichen Raum als Allgemeinmediziner niederlassen wollen?

Hertel: Viele schrecken davor zurück, aus dem Klinikbetrieb komplett raus zu sein und komplett eigenverantwortlich zu arbeiten. Es gibt dann keinen zweiten Ansprechpartner, wo man sich kollegialen Rat holen könnte.

Zum anderen ist die Befürchtung da, größtenteils auf ein ähnliches Klientel und ähnliche Krankheitsbilder zu treffen, Stichwort alternde Bevölkerung, und dabei vielleicht auch nicht den Wissenstand erweitern zu können.

Was könnte für den Beruf des Landarztes motivieren?

Hertel: Was es schon vereinzelt gibt, sind Filialen, wo mehrere Ärzte als Angestellte arbeiten, dabei aber noch erfahrene Kollegen an der Seite haben. Das könnte ein Modell sein, das junge Medizinerinnen und Mediziner motiviert, im ländlichen Raum zu arbeiten.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Hertel: Ich bin jetzt seit einem halben Jahr Mitglied des Sprecherrates. Aus Sachsen bin ich derzeit der einzige Vertreter im Sprecherrat, andere Bundesländer stellen wesentlich mehr. Daher wäre es schön, wenn es mehr Mitglieder in Sachsen gäbe, die sich im Marburger Bund engagieren. Hier ist es mein Ziel, noch weitere Mitstudenten oder -studentinnen für eine Arbeit im Marburger Bund zu motivieren.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Weitere Infos

Weitere Informationen unter www.mb-studenten.de.

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