Notfallversorgung im Spannungsfeld ambulanter und stationärer Versorgung - Integrative Notfallversorgung aus ärztlicher Sicht

132. HV 2017 / Beschluss Nr. 16

Die 132. Hauptversammlung des Marburger Bundes hat beschlossen:

Der Marburger Bund spricht sich für eine Strukturreform der medizinischen Notfallversorgung hin zu einer Integrativen Notfallversorgung aus (Eckpunkte des Marburger Bundes vom 09.05.2017).

Der Marburger Bund fordert:

  • Der Anspruch eines jeden Patienten auf eine qualitativ hochwertige Notfallbehandlung muss zu jeder Zeit und an jedem Ort gesichert sein. Daher muss jede Patientensteuerung zu einer medizinischen, korrekten und zeitgerechten Beratung oder Behandlung durch einen Arzt führen. Patienten sehen ihre Krankheitssymptome als ernsthafte gesundheit­liche Bedrohung.
  • Medizinische Anliegen der Patienten müssen über 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche an einer festen Anlaufstelle entsprechend dem individuellen Krankheitsbild identifiziert und zeitgerecht einer adäquaten medizinischen Versorgungsstruktur zugeordnet werden.
  • Jede neue Struktur muss das überlastete medizinische Personal in den Notaufnahmen entlasten. Widerrechtliche Arbeitsbedingungen müssen beendet werden, weil sie negative gesundheitliche Folgen für die Mitarbeiter haben und zur Patientengefährdung führen können.
  • Jedes Triage- oder Ersteinschätzungssystem muss das größte Maß an Sicherheit bei der Erkennung von abwendbaren schweren Verläufen bieten. Neue Systeme sind wissen­schaftlich zu evaluieren.
  • Zentrale Konzepte müssen regionalisiert werden. Jede Neustrukturierung muss die tatsächlichen Versorgungsverhältnisse und hierzu die regionalen Besonderheiten ausreichend berücksichtigen. Landes- und Kommunalgremien werden aufgefordert, den Sachverstand der Krankenhausärzte im Marburger Bund einzubeziehen.
  • Patienten und Ärzte erwarten mehr Qualität durch die neuen Strukturen. Die hierzu erforder­liche apparative und personelle Mindestausstattung erfordert eine zusätzliche und leistungsgerechte unabhängige Finanzierung.
  • Die Landesregierungen sollten sich mit Modellregionen an der Erprobung neuer Konzepte der Notfallversorgung beteiligen, um zu überprüfen, ob eine integrative Notfallversorgung außerhalb oder innerhalb der bestehenden Sektorengrenzen und Finanzierungs­systematik zu einer Verbesserung der Versorgung führt.

Hierzu bietet der Marburger Bund seinen Sachverstand an.