Medizinische Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte müssen ausreichend getestet werden

132. HV 2017 / Beschluss Nr. 19

Die 132. Hauptversammlung des Marburger Bundes hat beschlossen:

Der Marburger Bund unterstützt die Forderung des Ärztlichen Beirats zum Aufbau einer Telematik-Infrastruktur für das Gesundheitswesen in NRW nach ausreichenden und qualifizierten Tests der medizinischen Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK). Die für das Jahr 2018 geplanten Anwendungen Notfalldatensatz und elektronischer Medikationsplan dürfen nicht ungetestet in die Regelversorgung übernommen werden. Dass sich hieraus Schwierigkeiten für die Akzeptanz bei der Ärzteschaft und möglicherweise sogar Risiken für die Patientensicherheit ergeben, zeigt das Vorgehen bei der Einführung des bundeseinheitlichen Medikationsplanes (BMP).

Gerade weil der Marburger Bund in der Digitalisierung der Medizin große Chancen sieht und die beschleunigte Einführung sinnvoller medizinischer Anwendungen begrüßt, fordert er nachdrücklich, dass die Bewertung der einzelnen Anwendungen in Bezug auf Qualität, Nutzen und Nutzbarkeit im Versorgungsalltag unbedingt vor deren Einführung erfolgt. Es ist nicht ausreichend, wenn die Anbieter der technischen Lösungen für Telematik schon dann eine Marktzulassung erhalten, wenn sie lediglich den Nachweis der technischen Funktions­fähigkeit erbracht haben, ohne dass dabei die praktischen ärztlichen und pflegerischen Anforderungen aus dem Versorgungsalltag sowie die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten beachtet werden müssen.

Durch so ein Vorgehen besteht die Gefahr, dass die Akzeptanz für die elektronische Gesundheitskarte bei der Ärzteschaft sowie bei den Patientinnen und Patienten großen Schaden erleidet und es zu weiteren Verzögerungen bei der Einführung der sinnvollen medizinischen Anwendungen der eGK kommt.