Studiengänge neuer akademischer Gesundheitsberufe einheitlich gestalten und Wildwuchs bei derzeit ca. 650 möglichen verschiedenen neuen akademischen Gesundheitsberufen an verschiedenen Fachhochschulen eindämmen

132. HV 2017 / Beschluss Nr. 38

Die 132. Hauptversammlung des Marburger Bundes hat beschlossen:

Der Marburger Bund fordert die politischen Entscheidungsträger auf:

Neue akademische Gesundheitsberufe sollen zukünftig einheitlich – orientiert am Modell Studiengang „Physician Assistant (PA)“ gemäß des Konsenspapiers der Bundesärzte­kammer und der Kassenärztlichen  Bundesvereinigung, das auch der Deutsche Ärztetag 2017 in Freiburg angenommen hat, in der Kombination 3-jähriger Gesundheitsfachberuf mit Examen, möglichst ergänzt durch anschließende Berufserfahrung, sowie ein sich dann anschließendes duales Weiterbildungsstudium mit Bachelor-Abschluss gestaltet werden.

Neben diesem Modell bestehen bisher auch „grundständige Studiengänge“, deren Dauer und Inhalt sich je nach Beruf und Fachhochschule unterscheiden. In diesen Studiengängen wird ein dreijähriger Ausbildungsgang nebst Examen zu einem „klassischen“ Gesundheits­fachberuf versenkt. Dies führt dazu, dass

  • die Absolventen solcher grundständig qualifizierter akademischer Gesundheitsberufe keine praktische Erfahrung im eigentlichen Beruf erlangen und eine nur geringe Quantität und Qualität zusätzlich gelernter Themenbereiche erfahren.
  • es nicht möglich ist, die Absolventen so überzeugend gut zu qualifizieren, dass diese hierarchisch deutlich oberhalb der dreijährig ausgebildeten Gesundheitsberufe quasi arzt-nah in einem abgestuften System einzuordnen wären.
  • zwar ein akademischer Gesundheitsberuf mit Bachelor-Abschluss erreicht ist, dieser am Arbeitsmarkt aber nicht nachgefragt wird.

In Deutschland gibt es laut den Daten der Bundesärztekammer derzeit ca. 650 verschiedene Studiengänge, die einen Bachelor-Abschluss in solchen „neuen akademischen Gesund­heitsberufen“ erreichen lassen, davon alleine ca. 140 für Pflegeberufe. Bei dieser Vielfalt ist es nicht möglich zu wissen, welcher Absolvent an welcher Fach-Hochschule konkret welche Inhalte erlernt hat.

Diesen Wildwuchs gilt es zu beseitigen.

Anzustreben sind unbedingt deutlich weniger Berufsbilder mit bundesweit einheitlichen curricularen Aus- und Weiterbildungsinhalten sowie einheitlichen Prüfungsverordnungen.