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  • Ärztemangel

    Im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) und im ländlichen Raum wird sich der Ärztemangel in den nächsten Jahren weiter verschärfen. In den kommenden 10 Jahren erreicht ein Drittel der heute im ÖGD beschäftigten Ärztinnen und Ärzte das Rentenalter. Dies ist nicht nur ein Problem für die Gesundheitsämter, sondern auf Grund der vielfältigen und wichtigen Aufgaben, die für die Bevölkerung bewältigt werden müssen, ein gesellschaftliches Problem.

    Mit welchen konkreten Maßnahmen wollen Sie den Ärztemangel in diesen Bereichen (ÖGD und ländlicher Raum) beheben?

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    CDU

    Die CDU-geführte Landesregierung setzt sich gemeinsam mit den Akteuren der Selbstverwaltung und weiteren wesentlichen Verantwortlichen seit mehreren Jahren aktiv mit der Sicherstellung der medizinischen Versorgung auseinander und es wurde eine Vielzahl von Maßnahmen initiiert, um dieser Aufgabe gerecht zu werden.

    Neben der Stärkung der Öffentlichkeitsarbeit (bspw. unter dem Netzwerk „Ärzte für Sachsen“) und Vernetzung (wie bspw. der Förderung der Koordinierung der fachärztlichen Weiterbildung) wurden Programme zur Nachwuchsgewinnung im hausärztlichen und fachärztlichen Bereich auf den Weg gebracht. Aus dem aktuellen Doppelhaushalt wird so zum Beispiel das Modellprojekt „Medizin studieren in Europa – ÖGD und Psychiatrie“ gefördert.

    Diese Maßnahmen werden wir fortführen. Weiterhin haben wir in unserem Programm zur Landtagswahl konkrete Maßnahmen, wie zum Beispiel die Einführung einer Landarztquote.

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    DIE LINKE

    Die Sicherstellung der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung ist ein wesentlicher Bestandteil der sozialen Daseinsvorsorge. Sie kann nicht mehr in allen Landesteilen als gesichert angesehen werden. Dies wird u. a. am Mangel an Ärztinnen und Ärzten vor allem im hausärztlichen Bereich, aber auch im fachärztlichen Bereich sowie in den Gesundheitsämtern sichtbar. Die Trennung der Sektoren, z. B. in ambulant und stationär, erschwert es dabei, aus Sicht der Patientinnen und Patienten passgenaue und gut erreichbare Angebote zu etablieren.

    Die Fraktion DIE LINKE im Sächsischen  Landtag macht(e) seit Jahren auf diese Probleme aufmerksam.

    Wir vertreten die Auffassung, dass die sächsische Staatsregierung wesentlich stärker als bisher zum einen als Koordinatorin der unterschiedlichen Akteure des Gesundheitswesens und zum anderen als Gestalterin und Unterstützerin des Öffentlichen Gesundheitsdienstes der sächsischen Kommunen wirken muss. Letztgenanntes haben wir insbesondere bei den Debatten zum Landeshaushalt thematisiert, indem wir ein Landesamt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst gefordert haben. Wir wollen, dass die sektorenübergreifende Versorgung verbessert und die gesundheitliche Prävention gestärkt werden.

    Speziell zur Lösung des Problems des Ärztemangels im ländlichen Raum sehen wir folgende Möglichkeiten:

    a) Umsetzung innovativer Instrumente und Modelle zur (fach)ärztlichen Versorgung, wie z. B. Kooperationsverbünde, Gemeinschaftspraxen, Praxisgemeinschaften, Praxiskliniken, Praxen mit Nebenbetriebsstätten, Filial- bzw. Zweigpraxen, Eigenpraxen der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, Ärztegenossenschaften, Ärztenetzwerke sowie (auch kommunale) ärztliche Versorgungszentren, in denen Ärztinnen und Ärzte angestellt tätig sind, oder mobile medizinische, ärztliche und gesundheitliche Versorgungseinrichtungen und -angebote einschließlich der Übertragung von Versorgungsleistungen an besonders ausgebildete nicht-ärztliche Heilberufe;

    b) wirkungsvolle Maßnahmen zur zügigen Umsetzung der Vorhaben aus dem „Masterplan Medizinstudium 2020“ sowie zur Stärkung der ärztlichen und medizinischen Ausbildung in Sachsen u. a. durch die Bereitstellung von finanziellen Ressourcen und die Erhöhung der Studienkapazitäten Humanmedizin u. a. durch Schaffung neuer Kapazitäten im Bereich Chemnitz.

    Ausführlicher ist dies im Antrag der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag in Drs 6/11275 „Medizinische, ärztliche und gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum Sachsens spürbar ausbauen!“, der im Sächsischen Landtag am 15. Juni 2018 mehrheitlich abgelehnt wurde, dargestellt.

    Wir setzen uns zudem dafür ein, dass der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) im Sinne des Konzeptes „Public Health“ als dritte Säule der gesundheitlichen Versorgung - neben dem ambulanten und dem stationären Bereich – weitgehend ausgebaut wird. Dazu sollte ein Landesamt für den öffentlichen Gesundheitsdienst als obere Landesbehörde und als fachliche Leitstelle für den ÖGD insbesondere auf den Gebieten der Gesundheitsberichterstattung und Planung, der internationalen und nationalen Gesundheitspolitik, der Gesundheitsförderung und Prävention, der Hygiene, der Epidemiologie und Bekämpfung übertragbarer, maligner und anderer chronischen Krankheiten, der Arzneimittelsicherheit und des gesundheitlichen Verbraucherschutzes geschaffen werden, das die kommunalen Gesundheitsämter anleitet und unterstützt sowie die Staatsregierung berät und bei der Vorbereitung von Entscheidungen unterstützt.

    Das Land sollte darüber hinaus einheitliche Empfehlungen für Mindestpersonalbemessungen und qualifikationsgerechte Mindesteinstufungen im öffentlichen Gesundheitsdienst der Kommunen geben sowie Landeszuschüsse für die Einkommen der InhaberInnen von Schlüsselpositionen im ÖGD, wie Amtsärztinnen und -ärzte, zahlen, um deren Einkünfte erforderlichenfalls auf das höhere Niveau vergleichbarer Positionen außerhalb des öffentlichen Dienstes anzuheben.

     

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    SPD

    Wir wollen Städte, Gemeinden und Kommunen beim Aufbau und beim Betrieb neuer „Polikliniken Plus“ finanziell unterstützen. Denn sie sind gerade in den ländlichen Regionen eine gute Möglichkeit, um die medizinische Versorgung zu sichern und zu verbessern. In der „Poliklinik Plus“ arbeiten neben Ärztinnen und Ärzten weitere Gesundheitsberufe, Pflegekräfte, Arztassistenten und Apothekerinnen. Die Patientinnen und Patienten finden durch die „Poliklinik Plus“ vieles für ihre Gesundheit unter einem Dach. Für junge Ärztinnen und Ärzte ist die „Poliklinik Plus“ ein Anreiz für einen sicheren Berufseinstieg in einem Angestelltenverhältnis.

    Außerdem wollen wir mehr Arztassistentinnen und Arztassistenten ausbilden. An der Studienakademie Plauen haben wir einen neuen Studiengang aufgelegt: die Arztassistenz, den sogenannten „Physician Assistant“. Das Programm ist sehr gut angelaufen. Die Bachelor-Studierenden stehen nach drei Jahren für die Entlastung und Unterstützung des ärztlichen Fachpersonals bereit. Durch die dualen Studienbedingungen – also die Verzahnung von Theorie und Praxis – werden junge Menschen bereits während der Ausbildung an ihren Arbeits- und Wohnort gebunden. Wir wollen 30 zusätzliche duale Studienplätze „Physician Assistant“ an der Berufsakademie Sachsen am Standort Plauen einrichten, die vom Freistaat Sachsen finanziert werden.

    Darüber hinaus soll die Reform des Medizinstudiums umgesetzt werden. Der „Masterplan Medizinstudium 2020“ wurde entwickelt, um die Ausbildung der Medizinerinnen und Mediziner praxisnäher und patientenorientierter zu gestalten. Darin finden sich viele Punkte, die auch beim Thema Hausarztversorgung helfen. Durch die Aufwertung der Allgemeinmedizin kann die Attraktivität des Berufsbildes verbessert werden. Deswegen soll der Masterplan auch in Sachsen schnellstmöglich umgesetzt werden. Die Medizinischen Fakultäten in Leipzig und Dresden werden wir dafür mit zusätzlichen zweckgebundenen Mitteln unterstützen. Für das Praktische Jahr (PJ) wollen wir einen Mindest-Vergütungsbetrag festsetzen und einen Sonderzuschlag für den ländlichen Raum einführen.

    Mit dem „Netzwerk Ärzte für Sachsen“, den sächsischen Hausarztstipendien sowie der Förderung von Telemedizin unternimmt der Freistaat bereits heute einiges, um die medizinische Versorgung in den ländlichen Regionen zu verbessern. Die Sicherstellung der flächendeckenden Grundversorgung mit Hausärztinnen und Hausärzten wird in den nächsten Jahren bundesweit eine besonders große Herausforderung. Hier ist es zum einen nötig, die Attraktivität der Facharztausbildung für Allgemeinmedizin zu stärken und die Arbeits- und Abrechnungsbedingungen weiter zu verbessern. Zum anderen wollen wir neue Praxisformen wie Tandempraxen oder auch Zweigpraxen, die tageweise betreut werden, fördern und die Möglichkeiten zur Beschäftigung im Angestelltenverhältnis ausdehnen.

    Ein weiterer Baustein sind Telemedizin und E-Health. Mit dem Voranschreiten des Breitbandausbaus gelingt es endlich auch, die Weiterentwicklung der Telemedizin in Sachsen voranzutreiben. In den letzten Jahren hat der Freistaat hier zahlreiche Projekte angeschoben, so beispielsweise zum häuslichen Patientenmonitoring, zur Tele-Sprechstunde und zur arztentlastenden, gemeindenahen, E-Health-gestützten systemischen Intervention (AGnES), die es nun in die Fläche zu bringen gilt.

    Für den Öffentlichen Gesundheitsdienst haben wir gerade das Modellprojekt „Medizin Studieren in Europa - ÖGD und Psychiatrie“ aufgelegt. In den Jahren 2019 und 2020 startet ein deutschsprachiger Medizinstudiengang, unter Gewährung eines Zuschusses für die tatsächlichen Studiengebühren an der Universität Pécs. Das Projekt umfasst jeweils 10 Medizinstudierende, die in den Jahren 2019 und 2020 ein Medizinstudium in Pécs beginnen. Nach Beendigung ihrer Weiterbildung zum Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen oder Psychiatrie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Hygiene- und Umweltmedizin verpflichten sie sich vertraglich, für bis zu 6 Jahre im Öffentlichen Gesundheitsdienst oder in einem Landeskrankenhaus in Trägerschaft des Freistaates Sachsen als Facharzt tätig zu sein.

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    AFD

    Wir planen eine ganze Reihe von Maßnahmen, hierzu ein paar Beispiele. Zunächst wollen wir die Anzahl der Medizinstudienplätze erhöhen und parallel dazu über eine Landarztquote bei der Studienplatzbewerberauswahl Ärzte für unterversorgte oder von Unterversorgung bedrohte Regionen gewinnen. Hierzu hatten wir bereits im Jahr 2017 einen Antrag im Sächsischen Landtag (vgl. Drucksache 6/8490) gestellt, der leider von allen Fraktionen abgelehnt worden ist.

    Weiterhin möchten wir, dass mehr Eigeneinrichtungen der KVS sowie der Kommunen geschaffen werden können, hierzu müssen die gesetzlichen Grundlagen nachjustiert werden. Des Weiteren müssen die Kommunen durch Landesmittel bei der Erstausstattung von Eigeneinrichtungen unterstützt werden. In diesen Einrichtungen können dann auch Ärzte, welche ein Angestelltenverhältnis bevorzugen, beschäftigt werden. In diesem Zusammenhang sind auch Rotationsmodelle denkbar.

    Innovativen Ansätzen, wie bspw. mobilen Arztpraxen, stehen wir aufgeschlossen gegenüber. Zudem wollen wir die Ehe- und Lebenspartner von potenziellen Landärzten stärker bei der Arbeitsvermittlung unterstützen, damit die Aufnahme einer ärztlichen Tätigkeit im ländlichen Raum nicht am fehlenden Arbeitsplatz des Ehe- oder Lebenspartners scheitert.

    Im Bereich ÖGD sehen wir die schlechte Bezahlung als Hauptgrund für den Ärztemangel an. Zudem müssen Aufgabenbereich und Tätigkeit im ÖGD einen höheren Stellenwert im Medizinstudium erlangen.

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    Bündnis 90/DIE GRÜNEN

    Wir GRÜNEN wollen die Allgemeinmedizin stärken und an die Situation vor Ort angepasst Gemeinschafts- und Gruppenpraxen, kommunale Medizinische Versorgungszentren oder auch Eigeneinrichtungen, Notfallzentren und Praxisnetzwerke in der Fläche fördern, damit Alle in Sachsen auf schnell verfügbare Hilfe vertrauen können.

    Der Unterversorgung im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie wollen wir entgegenwirken, indem wir den Nachwuchs durch mehr Ausbildungsstellen in Kliniken wie Praxen für junge Assistenzärztinnen und -ärzte fördern und die Vernetzung zwischen den Kliniken, Weiterbildungsverbünden und standortübergreifende Fachbereichsleitungen voranbringen.

    Die neu eingeführten Portalpraxen werden gut angenommen und entlasten die Notaufnahmen in den sächsischen Krankenhäusern spätabends, an Wochenenden und Feiertagen. Wir wollen dieses Modell auch in medizinischen Versorgungszentren ermöglichen, damit die Wege für Not- und Nachtdienste im ländlichen Raum kürzer werden. Um dem Ärztemangel, auch im Öffentlichen Gesundheitsdienst, entgegenzuwirken, sollen gleichwertige ausländische Fachabschlüsse schneller und kostengünstiger staatlich anerkannt werden.

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    FDP

    Die FDP Sachsen versucht bei der Betrachtung des Ärztemangels den Blick nicht nur auf den ländlichen Raum und auf niedergelassene Ärzte zu verengen, obwohl sie besonders stark erfasst werden. Wir fordern eine breite gesellschaftliche debatte über die Daseinsfürsorge in unserem Land. Dafür brauchen wir die Planungsgrundlagen der Kommunen, des Rettungsdienstes, der KVen sowie den Bettenbedarfsplan in einer für Patienten und Politiker einfach zugänglichen und verständlichen Form.

    Wie benötigen mehr Mediziner. Für deren Ausbildung brauchen wir beide Fakultäten, also die Standorte Dresden und Leipzig. Als eine der wenigen Parteien haben wir die Forderung der Ärztekammer und des Marburger Bundes nach 10 Prozent mehr Studienplätzen iun unser Programm aufgenommen. "Ärzte für Sachsen" wollen wir einer kritischen Prüfung und Ergebnisevaluierung unterziehen und gegebenenfalls komplett andere Förderprogramme auflegen.

    Wir brauchen gerade für das flache Land wieder "Gemeindeschwestern" und "Physician Assustants", die den Primärärzten auf dem Land Aufgaben abnehmen können, wobei es gilt zu unterstützen und nicht zu ersetzen.

    Digitalisierung kann gerade für den ländlichen Raum einen wichtigen Beitrag zur Entschärfung des Ärztemangels leisten. Unsere Pläne für ein digitales Medizinportal für Sachsen stellen wir in unserer Antwort zu Digitalisierung und Datenschutz vor.

    Davon unbeschadet muss der Weg zum Patienten für den Hausarzt finanziell und organisatorisch angemessen berücksichtigt werden.

    Wir begreifen die Krise im ÖGD als große Bedrohung. deshalb hat sich die FDP Sachsen damit konkret in ihren Landtagswahlprogramm beschäftigt und die Notwendigkeit der Unterstützung aufgenommen. Als sofortige Abhilfe wollen wir Aufgaben des ÖGD klarer abgrenzen und in einigen Fällen komplett auf weitere Leistungserbringer verteilen: Schuleingangsuntersuchungen und Schutzimpfungen beispielsweise können von Niedergelassenen durchgeführt werden, nächtliche Blutentnahmen von Notfallambulanzen. Es muss für die Erbringer dieser Leistungen ein Honorar geben, dafür bekommt der ÖGD zusätzliche Mittel.

    Die vielfache Dopplung bei Meldepflichten ist in der Zeit integrierter Datenerfassung mittels Computer nicht mehr zu rechtfertigen. Wie auch für andere Bereiche stellen wir uns hier ein sächsisches Medizinportal vor, das aus den Befunden halbautomatisch eine Meldung macht und an die behandelnden Ärzte Fragen formuliert, die sie wieder über genau dieses Portal beantworten können. Alle würden gemeinsam die Daten zu der Meldung erfassen: Der Laborarzt den Befundm der Kliniker die Klinik, das Amt kann dann genau die betreffenden Daten ehen (und zwar nur diese). Das ginge dann alles, ohne das hunderste Meldeformular von vorn mit Name und Anschrift des Patienten zu befüllen.