Wie blicken Sie auf 2026?
Das neue Jahr wird für die Hamburger Ärzteschaft äußerst spannend und wichtig, denn es stehen mehrere entscheidende Weichenstellungen an. Wir werden uns intensiv mit der geplanten Krankenhaus- und Notfallreform beschäftigen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich diese Reformen auf die Krankenhauslandschaft und die Versorgung in Hamburg auswirken, welche Maßnahmen notwendig sind und welche Überraschungen eventuell noch auf uns zukommen. Zudem stehen wichtige Wahlen an: Im Frühjahr wird der Vorstand unseres Landesverbands neu gewählt, im Herbst folgt die Delegiertenversammlung der Ärztekammer Hamburg.
Welche zentralen Herausforderungen sehen Sie in Ihrer Rolle als 1. Vorsitzender des Marburger Bundes Hamburg und als Präsident der Ärztekammer Hamburg?
Im vergangenen Jahr haben wir eine wichtige Diskussion über Führungskultur und Machtmissbrauch in der Medizin angestoßen. Uns geht es jedoch nicht nur um die Debatte, sondern darum, daraus die richtigen Schlussfolgerungen für verschiedene Bereiche zu ziehen – von der ärztlichen Weiterbildung über Chancengleichheit bis hin zum Abrechnungswesen. Welche Rolle spielt beispielsweise in dieser Konstellation das Thema Privatliquidation? Herausfordernd finde ich persönlich, all dies voranzubringen, ohne unnötige Verwerfungen oder eine Spaltung der Ärzteschaft zu riskieren.
Hamburg steht im bundesweiten Vergleich in puncto Gesundheitsversorgung gut da – zumindest, was die Zahl der Ärztinnen und Ärzte im Verhältnis zur Bevölkerung betrifft. Der Anteil der Kolleginnen und Kollegen aus Drittstaaten ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Uns muss es gelingen, diese Kolleginnen und Kollegen sprachlich wie fachlich gut zu integrieren – immer mit Blick auf eine hochwertige Patientenversorgung. Arbeitgeber spielen dabei eine wichtige Rolle, ebenso das Kollegium und die ärztliche Selbstverwaltung.
Die Handelskammer Hamburg und Asklepios haben Ende letzten Jahres das Positionspapier „Gesundheitsstandort Hamburg 2040“ veröffentlicht. Was halten Sie davon?
Wir haben naturgemäß eine andere Perspektive auf das Gesundheitswesen. Für uns steht nicht die Rendite im Vordergrund, sondern das Wohl der Patientinnen und Patienten. Die entscheidende Frage lautet aus meiner Sicht: Wie können wir mit den vorhandenen Ressourcen die bestmögliche Versorgung gewährleisten? Und daran anschließend: Welche zusätzlichen Ressourcen wären nötig, um eine moderne, hochwertige Versorgung der gesamten Bevölkerung langfristig sicherzustellen?
Welche Meilensteine oder Erfolge waren aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren besonders prägend – im Landesverband, in der Ärztekammer und darüber hinaus? Und wie möchten Sie diese Arbeit weiterführen?
Entscheidend sind für mich oftmals die eher leisen Erfolge. Immer mehr Mitglieder nutzen beispielsweise die umfassende Rechtsberatung unseres Landesverbands – bis hin zur Vertretung vor Gericht. Über unsere Veranstaltungen konnten wir wichtige Impulse in den öffentlichen Diskurs einbringen. Und in der Tarifarbeit übernehmen wir eine Art Leuchtturmfunktion: Einige Forderungen, die wir in Hamburg bereits vor Jahren durchgesetzt haben, sind jetzt auf Bundesebene in Diskussion.
Auch die Ärztekammer Hamburg hat sich weiterentwickelt – weg von einem eher behördlichen Setting hin zu einer mitglieder- und serviceorientierten Organisation. Gleichzeitig nehmen wir unsere Aufgaben, etwa rund um die ärztliche Weiterbildung, deren Aufsicht und die Berufsordnung, noch ernster. Mit dem neuen Weiterbildungsregister oder der Evaluation, die wir 2026 erneut durchführen werden, schaffen wir mehr Transparenz und systematisches Feedback. So können wir die Weiterbildung im Sinne aller Beteiligten und letztlich auch im Sinne einer hochwertigen Patientenversorgung kontinuierlich verbessern.
Was ist Ihnen mit Blick auf die anstehende Kammerwahl besonders wichtig?
Ich bin überzeugt, dass vieles, was wir in den vergangenen Jahren in der ärztlichen Selbstverwaltung angefangen haben, Substanz hat. Als MB-Truppe haben wir gezeigt, dass wir bereit sind, Dinge nachhaltig zu verändern. Wir handeln aus Überzeugung und haben unsere Glaubwürdigkeit unter Beweis gestellt, weil wir keine leeren Versprechungen machen. Natürlich gibt es auch mal Reibereien – aber es geht dabei um Inhalte, nicht um persönliche Konflikte oder Intrigen. Als Ärzteschaft nehmen wir hier eine Vorbildfunktion im Sinne einer lebendigen Demokratie wahr.
Wichtig ist mir zudem, dass die Kolleginnen und Kollegen ihrer Verantwortung bewusst sind und sich an der Kammerwahl beteiligen – sei es als Kandidierende auf unserer oder auf einer anderen Liste und natürlich, indem sie ihre Stimme abgeben. Eine breite Unterstützung und eine stabile Wahlbeteiligung sind eine wesentliche Legitimation für die gewählten Vertreterinnen und Vertreter. Wir brauchen eine starke Rückendeckung, um gegenüber Politik und Gesellschaft entsprechend auftreten zu können.
Welchen Rat geben Sie Ärztinnen und Ärzten, die im Gesundheitssystem etwas verändern möchten?
Veränderungen lassen sich am wirksamsten gemeinsam vorantreiben. Mein Appell lautet daher: Schließen Sie sich uns – oder anderen – an und engagieren Sie sich in der Delegiertenversammlung oder in Ausschüssen zu den Themen, die Ihnen wichtig sind. Meine Tür steht offen: Wer sich einbringen möchte, kann sich jederzeit melden, und wir finden gemeinsam einen Weg.
Gleichzeitig sollte man sich bewusst machen, dass Veränderungen nicht um jeden Preis durchgesetzt werden sollten. Wenn man dadurch tiefe Verwerfungen riskiert, kann dies eine nachhaltige Entwicklung gefährden. Wir sollten immer das Ganze im Blick behalten – die Kollegialität und die gemeinsame Verantwortung für eine starke ärztliche Selbstverwaltung.
Herr Dr. Emami, vielen Dank für das Gespräch.
