„Wir brauchen deshalb verstärkt Forschung in diesem Bereich, und zwar eine Forschung, die unabhängig von denen ist, die Social Media erst in die Welt und so weit nach vorn gebracht haben. Denn ohne wird es sehr, sehr schwierig werden, gegen Geld und Macht der Konzerne Gehör zu finden und den Schutz unserer Kinder in den Vordergrund zu rücken“, unterstrich Dr. Gehle in der 6. Kammerversammlung der ÄKWL.
Ärztinnen und Ärzte hätten naturgemäß einen anderen Blick auf das Thema als Tech-Firmen aus den USA oder Ordnungspolitiker hierzulande. „Uns Ärztinnen und Ärzten steht jedoch besonders deutlich vor Augen, welche Auswirkungen der ausufernde Konsum Sozialer Medien auf Kinder und Jugendliche haben kann. Neurobiologisch gesehen geht Social Media buchstäblich mitten ins Hirn!“
„Das trifft Kinder und Jugendliche in einer vulnerablen Zeit. Es trifft sie in Phasen, in denen sich ihr Gehirn in Entwicklung oder Umbau befindet. Die Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte unter uns könnten jetzt sicherlich ausführlich aus ihren Praxen berichten, was Bildschirmgeräte generell für Auswirkungen auf den Spracherwerb haben, was das endlose Wischen durch Bewegtbilder, optimierte Fotos und KI-Content mit der Psyche junger Menschen macht, die sich ohnehin in einer Phase erhöhter Sensibilität befinden. Nennen wir es klar beim Namen: Vielen tut es überhaupt nicht gut, etliche werden darüber krank. Das können wir so nicht akzeptieren!“
Leider sei der ausufernde Konsum sozialer Medien nicht das einzige Problem, das sich dem gesunden Aufwachsen unserer Kinder in den Weg stellt. Sozioökonomische Faktoren, Armut, Bildung, Ressourcen und Resilienz – man müsse all dies berücksichtigen und nicht nur Kinder und Jugendliche stärken, sondern auch ihr Umfeld. „Dafür müssen wir uns auch als Ärztinnen und Ärzte einsetzen.“
