Damit gute Medizin nicht an der Sprache scheitert!

Erfolgreiche Kammeraufgabe: praxisnahe Fachsprachen- und Kenntnisprüfungen
03.Juni 2026
Von Dr. med. Jürgen Hoffart
In den 83 rheinland-pfälzischen Krankenhäusern sind seit Jahren Hunderte Arztstellen unbesetzt – und das, obwohl mit teuren Stellenanzeigen, Headhuntern und Honorarärzten alle Register gezogen werden. Ohne zugewanderte Ärztinnen und Ärzte würde unser Gesundheitssystem heute nicht mehr funktionieren. Mehr als die Hälfte der rheinland-pfälzischen Ärztinnen und Ärzte ist inzwischen älter als 50 Jahre, gleichzeitig wächst der Bedarf an medizinischer Versorgung. Schon jetzt ist klar: Mit der aktuellen Zahl an Medizinstudienplätzen lassen sich die Versorgungslücken der nächsten 20 Jahre nicht schließen.
Mit der Durchführung der praxisnahen Fachsprachen- und Kenntnisprüfungen helfen die Ärztekammern zugewanderten Ärztinnen und Ärzten bei der Integration in die Arbeitswelt. Mit Ihrer Kandidatur unterstützen Sie diese Aufgabe.
Mit der Durchführung der praxisnahen Fachsprachen- und Kenntnisprüfungen helfen die Ärztekammern zugewanderten Ärztinnen und Ärzten bei der Integration in die Arbeitswelt. Mit Ihrer Kandidatur unterstützen Sie diese Aufgabe.

Darum sind Kolleginnen und Kollegen, die im Ausland ausgebildet wurden, längst unverzichtbar geworden. Ihre Zahl hat sich in Rheinland-Pfalz seit 2004 von 904 auf 3.671 im Jahr 2025 vervierfacht – das entspricht inzwischen rund 15 Prozent der gesamten Ärzteschaft. Die Landesärztekammer wird immer internationaler, ihre Mitglieder stammen aus mehr als 30 Nationen, besonders häufig aus Syrien, Rumänien und Aserbaidschan. Die zugewanderten Ärztinnen und Ärzte tragen entscheidend dazu bei, dass die medizinische Versorgung in unseren Kliniken, Medizinischen Versorgungszentren und Praxen gesichert bleibt.

Gute Medizin braucht jedoch mehr als Fachwissen: Sie braucht Sprache. In der Realität des Klinikalltags wird immer wieder von erheblichen Verständigungsproblemen berichtet – im Team wie auch im Gespräch mit Patientinnen und Patienten. Um das zu verbessern, führt die Bezirksärztekammer Rheinhessen seit 2012 im Auftrag des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung die ärztliche Fachsprachenprüfung durch und war damit bundesweit Vorreiterin. Denn wer in Deutschland als Ärztin oder Arzt arbeitet, muss sich sprachlich flexibel, präzise und sicher bewegen können – im Aufklärungsgespräch, im Notfall, in der Dokumentation. Missverständnisse können sonst fatale Folgen haben.

Die Fachsprachenprüfung ist praxisnah aufgebaut: Sie umfasst unter anderem einen Vokabeltest, eine allgemeine Unterhaltung und ein simuliertes Arzt-Patienten-Gespräch mit anschließender schriftlicher Dokumentation. Hinzu kommen das Lesen eines medizinischen Textes, die Beantwortung von Fragen, das Notieren der Inhalte zweier Telefonate sowie ein Fachgespräch von Arzt zu Arzt in berufstypischer Fachsprache. In den vergangenen 14 Jahren wurden mehr als 8.000 dieser Prüfungen - inklusive Wiederholungsprüfungen - abgenommen. Damit leisten die Ärztekammern einen zentralen Beitrag zu mehr Qualität und Sicherheit in der Patientenversorgung.

Neben der Sprache ist auch die fachliche Qualifikation entscheidend. Bereits seit 1996 werden in der Bezirksärztekammer Rheinhessen im Auftrag der Landesärztekammer zunächst mündliche Gleichwertigkeitsprüfungen und heute Kenntnisprüfungen durchgeführt. Sie richten sich an Ärztinnen und Ärzte mit abgeschlossener Ausbildung in Staaten außerhalb der EU, des EWR sowie der Schweiz. Geprüft wird die Gleichwertigkeit des Ausbildungsstands. Die Kenntnisprüfung ist praktisch-mündlich angelegt, umfasst die Fächer Innere Medizin, Chirurgie sowie ergänzende Fächer wie Notfallmedizin, Pharmakotherapie, bildgebende Verfahren, Strahlenschutz und Rechtsfragen zur Berufsausübung und dauert derzeit 60 bis 90 Minuten. Allein seit 2015 wurden mehr als 2.700 Kenntnisprüfungen durchgeführt – Tendenz steigend.

Als Marburger Bund setzen wir uns dafür ein, dass zugewanderte Kolleginnen und Kollegen sowohl sprachlich als auch fachlich bestmöglich auf ihren Berufsstart vorbereitet werden. Dazu gehört, dass Krankenhäuser ihnen Zeit für die Prüfungsvorbereitung geben, sie beim Ankommen im deutschen Gesundheitssystem unterstützen und ihre Integration im Team aktiv fördern – etwas, das nach unseren Erfahrungen leider noch nicht überall selbstverständlich ist. Denn eines ist klar: Wir brauchen die zugewanderten Ärztinnen und Ärzte für die medizinische Versorgung unserer Patientinnen und Patienten. 

Unterstützen Sie uns deshalb bei der Kammerwahl - jetzt mit Ihrer Kandidatur auf den Marburger Bund-Listen und im September mit Ihren beiden Stimmen für Ihre regionalen Marburger Bund-Listen, damit wir uns auch in der nächsten Amtsperiode kraftvoll für gute Integration, sichere Patientenkommunikation und eine starke ärztliche Selbstverwaltung einsetzen können.

Zum Autor:

Dr. med. Jürgen Hoffart
Vorsitzender der Bezirksärztekammer Rheinhessen