Extreme Hitze gefährdet Patienten und Mitarbeiter in Krankenhäusern

Pressemitteilung
Dr. Hans Gehle: Hitzeschutz muss zentraler Bestandteil der Klinikplanung sein
08.Juli 2026
Extreme Hitze ist längst nicht mehr nur ein meteorologisches Ereignis südeuropäischer Länder, sondern auch in Deutschland eine ernstzunehmende Gefahr. Mehrere Tage mit Temperaturen von über 40 Grad haben Ende Juni gezeigt, wie stark unser Gesundheitswesen belastet wird. Die Rekordhitze traf Patientinnen und Patienten ebenso wie die Beschäftigten. Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte sowie alle weiteren Berufsgruppen mussten unter enormer körperlicher Belastung arbeiten. Hohe Temperaturen mindern Konzentration, Leistungsfähigkeit und Ausdauer.
Kliniken benötigen Hitzeaktionspläne und Hitzeschutz muss zentraler Bestandteil der Klinikplanung sein.
Kliniken benötigen Hitzeaktionspläne und Hitzeschutz muss zentraler Bestandteil der Klinikplanung sein.

„Der Behandlungsbedarf ist an den Hitzetagen deutlich gestiegen. Notaufnahmen arbeiteten an ihrer Belastungsgrenze. Hitzschlag, Dehydrierung und Kreislaufversagen führten zu zahlreichen zusätzlichen Behandlungen. Hinzu kamen mehr Rettungseinsätze in Pflegeeinrichtungen und Wohnungen sowie tödliche Badeunfälle. Auch Arzneimittel müssen zuverlässig gekühlt werden, da hohe Temperaturen ihre Wirksamkeit beeinträchtigen können“, erklärt der Vorsitzende des Marburger Bundes, Dr. med. Hans-Albert Gehle, nach der gestrigen Vorstandssitzung.

„Diese Entwicklung zeigt: Hitzeschutz muss fester Bestandteil des Bevölkerungsschutzes und der Krankenhausplanung werden. Krankenhäuser gehören zur kritischen Infrastruktur und müssen jederzeit funktionsfähig bleiben. Viele Kliniken wurden jedoch gebaut, als Temperaturen über 40 Grad kaum vorstellbar waren“, erinnert Dr. Gehle. Häufig fehlten daher außenliegende Verschattungen, moderne Lüftungsanlagen oder klimatisierte Patientenzimmer. Gerade für Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen sowie schweren Infektionen bedeutet dies ein zusätzliches Gesundheitsrisiko.

Wissenschaftliche Fachgesellschaften warnen seit Jahren vor den Folgen extremer Hitze. Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie weist darauf hin, dass hochbetagte Menschen bereits bei Raumtemperaturen über 26 Grad ein deutlich erhöhtes Risiko für Dehydrierung, Kreislauf- und Organversagen haben. Das Robert Koch-Institut und das Umweltbundesamt empfehlen gemeinsam mit weiteren Experten verbindliche Hitzeaktionspläne mit Frühwarnsystemen, klaren Verantwortlichkeiten, der Identifikation gefährdeter Patientinnen und Patienten sowie Schulungen des Personals. Auch die WHO fordert klimaresiliente Gesundheitseinrichtungen mit hitzerobusten Gebäuden, sicherer Energieversorgung und Notfallkonzepten.

„Schon nach wenigen Tagen extremer Hitze zeigt sich, dass Deutschland auf solche Ereignisse unzureichend vorbereitet ist. Die aktuelle Diskussion um Todesfälle während der Hitzewelle in einer Klinik in Nordrhein verdeutlicht, wie wichtig vorbeugende Maßnahmen sind“, betont Dr. Gehle.

Dabei ist die wissenschaftliche Evidenz eindeutig: Extreme Hitze zählt bereits heute zu den größten klimabedingten Gesundheitsrisiken Europas. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere, Säuglinge und Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Hitzewellen führen nachweislich zu einer erhöhten Sterblichkeit, mehr Krankenhauseinweisungen sowie einer erheblichen Belastung von Rettungsdiensten und Pflege. Mit dem Klimawandel werden Häufigkeit, Dauer und Intensität solcher Ereignisse weiter zunehmen.

„Deutschland braucht deshalb eine verbindliche Hitzeschutzstrategie für das gesamte Gesundheitswesen. Dazu gehören eine konsequente bauliche Modernisierung der Krankenhäuser mit außenliegenden Verschattungssystemen, begrünten Dächern und Fassaden, leistungsfähigen Lüftungsanlagen sowie energieeffizienten Kühlsystemen. Besonders sensible Bereiche wie Intensivstationen, Operationssäle, Stroke Units, Notaufnahmen und geriatrische Stationen benötigen verlässliche Temperaturstandards“, mahnt Dr. Gehle.

Ebenso wichtig seien verbindliche Hitzeaktionspläne in jeder Klinik. „Dazu gehören klare Verantwortlichkeiten, die tägliche Bewertung der Warnstufen des Deutschen Wetterdienstes, zusätzliche Trink- und Kühlangebote, flexible Dienstpläne, klimatisierte Pausenräume, engmaschige Kontrollen gefährdeter Patienten, regelmäßige Schulungen sowie Notfallkonzepte für Stromausfälle und Kühlsysteme.“

Aber auch die Kommunen sind u.a. gefordert. In den Städten müssen mehr Wassersprinkler installiert werden und auch kühle Räume - wie etwa Kirchen - müssen an heißen Tagen für die Öffentlichkeit geöffnet werden.

Der Umbau der Krankenhäuser zu klimaresilienten Einrichtungen wird erhebliche Investitionen erfordern. Angesichts zunehmender Extremwetter ist dies jedoch keine freiwillige Klimaschutzmaßnahme, sondern eine notwendige Investition in Patientensicherheit und eine verlässliche Gesundheitsversorgung. „Wer heute in Hitzeschutz investiert, verhindert morgen gesundheitliche Schäden, entlastet Rettungsdienste und senkt langfristig die Folgekosten. Deshalb haben wir bereits Gespräche mit dem Gesundheitsministerium in NRW vereinbart, um die Notwendigkeit eines umfassenden Hitzeschutzprogramms für Krankenhäuser zu verdeutlichen.“