"Ein System ist nur so widerstandsfähig wie die Menschen, die es tragen.“

Dr. med. Hans-Albert Gehle: Unser Gesundheitswesen muss krisenfest werden.
29.August 2026
Die Bezirkskonferenz hat eine lange Tradition: Am Vortag der Hauptversammlung treffen sich die Vorsitzenden und deren Stellvertreter aus den 26 Bezirken. Schwerpunktthema war in Mainz die Frage der Resilienz unseres Gesundheitswesens. Dr. med. Hans-Albert Gehle, Vorsitzender des Marburger Bundes NRW/RLP, eröffnete die Bezirksversammlung mit einem Grundsatzreferat.
Dr. med. Hans-Albert Gehle: Eine krisenfeste Gesundheitsversorgung muss vor allem eines sein: personell gut aufgestellt, regional verankert und flexibel genug, um jederzeit zu funktionieren.
Dr. med. Hans-Albert Gehle: Eine krisenfeste Gesundheitsversorgung muss vor allem eines sein: personell gut aufgestellt, regional verankert und flexibel genug, um jederzeit zu funktionieren.

„Resilienz darf nicht allein mit der veränderten geopolitischen Sicherheitslage verbunden werden. Krisen hat es immer gegeben – von Pandemien über Naturkatastrophen bis hin zu Hochwasser und extremen Wetterereignissen. Die entscheidende Frage ist deshalb: Wie machen wir unser Gesundheitswesen so widerstandsfähig, dass es auch unter außergewöhnlichen Bedingungen funktioniert?“, fragte Dr. Gehle.

„Dabei dürfen wir nicht den Fehler machen, Resilienz allein als Frage von Strukturen und Technik zu verstehen. Der Kernsatz lautet: Ein System ist nur so widerstandsfähig wie die Menschen, die es tragen. 

Wenn das Personal schon unter Normalbedingungen überlastet ist, stellt sich die Frage, wie ein solches System eine Krise bewältigen soll. Deshalb gehören ausreichendes Personal, verlässliche Arbeitsbedingungen und eine realistische Personalbemessung in das Zentrum jeder Resilienzstrategie“, betonte Dr. Gehle.

„Gerade bei der Krankenhausplanung müssen wir aus vergangenen Krisen lernen. Isolation und der Umgang mit multiresistenten Erregern werden auch künftig eine wichtige Rolle spielen. Krankenhäuser brauchen deshalb Strukturen, die im Krisenfall flexibel erweitert werden können – etwa durch geeignete Isolationsbereiche. Auch die aktuelle Situation zeigt, wie schnell vorhandene Kapazitäten an ihre Grenzen geraten können.“

„Resilienz bedeutet zudem Klimaanpassung. Krankenhäuser müssen auf Hitze, Hochwasser und andere Extremereignisse vorbereitet sein. Investitionen in entsprechende bauliche und technische Strukturen sind deshalb keine Kür, sondern eine Voraussetzung für eine sichere Versorgung“, hob Dr. Gehle hervor.

Notwendig sei außerdem eine bessere Abstimmung zwischen Bund, Ländern, Kommunen, Katastrophenschutz, Hilfsorganisationen und Gesundheitswesen. „Viele Arbeitsgruppen und Pläne allein reichen nicht. Entscheidend ist, dass Zuständigkeiten geklärt sind, Informationen tatsächlich fließen und regionale Akteure eingebunden werden.“

„Der Marburger Bund sollte sich hier weiterhin klar einmischen. Wir haben zu Fragen der Notfallversorgung, der Ökonomisierung und der Personalbemessung eigene Konzepte entwickelt und unsere Positionen immer wieder eingebracht. Jetzt kommt es darauf an, diese Kompetenz auch in die Diskussion über die Krisenresilienz einzubringen – bundesweit, aber ebenso auf Landes- und kommunaler Ebene.

Papier ist geduldig. Ein System ist nur so widerstandsfähig wie die Menschen, die es tragen können. Deshalb muss eine krisenfeste Gesundheitsversorgung vor allem eines sein: personell gut aufgestellt, regional verankert und flexibel genug, um auch dann zu funktionieren, wenn der Normalbetrieb längst nicht mehr gilt.“