Notfallversorgung der Zukunft – patientenzentriert und konsequent gesteuert

Ärztinnen und Ärzte arbeiten in Notaufnahmen der Krankenhäuser über dem Limit
16.September 2026
Von Olaf Smago
Die Notfallversorgung rund um die Uhr ist unverzichtbarer Bestandteil der Daseinsvorsorge. Rettungsdienst, ambulanter und stationärer Sektor müssen sinnvoll ineinandergreifen. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Zentrale Notaufnahmen (ZNA) sind auch während der Praxisöffnungszeiten mit Patienten überlastet, die ambulant versorgt werden könnten. Gleichzeitig sinken Öffnungszeiten der KV-Bereitschaftsdienstpraxen wegen Ärztemangel und vermeintlichem Patientenmangel; weitere Standorte sollen geschlossen werden.
Olaf Smago: "Eine Reform benötigt klare Strukturen, ausreichend Personal und passende Ausstattung."
Olaf Smago: "Eine Reform benötigt klare Strukturen, ausreichend Personal und passende Ausstattung."

Immer häufiger wird der Rettungsdienst zu Patienten gerufen, die ambulant behandelt werden könnten. Die ZNA wird zur „letzten Wiese“ des Systems. Überfüllte Notaufnahmen erschweren die Versorgung kritisch kranker Patienten und erhöhen deren gesundheitliches Risiko. Der Rettungsdienst hat Schwierigkeiten, eine geeignete, aufnahmefähige Klinik in vertretbarer Entfernung zu finden.

Wir brauchen eine patientenorientierte Akut- und Notfallversorgung mit rationaler Patientensteuerung. Jeder Patient muss dem Sektor zugeordnet werden, der seinem tatsächlichen Versorgungsbedarf entspricht. Validierte Ersteinschätzungsinstrumente müssen Dringlichkeit und erforderliche Versorgungsebene bestimmen; anschließend muss der Patient zuverlässig an den richtigen Behandlungsort weitergeleitet werden.

Ein flächendeckendes System Interdisziplinärer Notfallzentren (INZ) kann helfen. Über eine zentrale Empfangstheke und strukturierte Ersteinschätzung werden Patienten nach Schweregrad in eine Notfalldienstpraxis, die ZNA oder während der Sprechzeiten in eine ambulante Praxis geleitet.

Es ist nicht akzeptabel, dass ZNA insbesondere nachts und am Wochenende den Großteil der Notfallversorgung übernimmt. Jeder Patient hat Anspruch auf hochwertige Behandlung; gleichzeitig müssen Praxen, Kliniken und der Rettungsdienst von unnötiger Belastung entlastet werden.

Eine Reform benötigt klare Strukturen, ausreichend Personal und passende Ausstattung. Derzeit bestehen erhebliche Defizite; wie das INZ rund um die Uhr besetzt werden soll, bleibt offen. Es braucht ein praktikables Gesamtkonzept, das regionale Besonderheiten und vorhandene Versorgungsstrukturen berücksichtigt.

Bei der Umsetzung der Krankenhausreform und weiterer Sparmaßnahmen darf die Qualität der stationären Versorgung nicht leiden. Reformen dürfen keinesfalls als Vorwand für die Schließung dringend benötigter Kliniken dienen.

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