Eine solche Patenschaft unterstützt unter anderem Veranstaltungen der Universität Leipzig. Am 24. September 2026 übergab Dr. Thomas Goerlich Vertretern des MB Sachsen die Urkunde und damit symbolisch den Stuhl. Die Übergabe der Patenschaft fällt in ein besonderes Jahr: Vor 20 Jahren streikten Ärztinnen und Ärzte nur wenige Meter entfernt auf dem Leipziger Augustusplatz für eigene MB-Ärztetarifverträge.
Das 2017 fertiggestellte neue Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli steht in einer langen universitären Tradition an diesem Ort: Hier befanden sich seit dem Mittelalter das Dominikanerkloster St. Pauli und die 1240 geweihte Paulinerkirche. 1543 ging der Gebäudekomplex an die Universität über, etwa 120 Jahre später weisen alte Grundrisse dort einen Hörsaal für Mediziner aus.

Auch für den Marburger Bund ist der Augustusplatz ein historischer Ort. 2006 erstritten Ärztinnen und Ärzte unter anderem dort das Recht, zunächst an Universitätsklinika bundesweit ihre Arbeitsbedingungen in eigenen Ärztetarifverträgen zu regeln. Bis dahin galten für Krankenhausärzte die allgemeinen Tarifstrukturen des öffentlichen Dienstes. Überstunden wurden kaum ausgeglichen, rund 30-stündige Dienste gehörten zum Berufsalltag. Nach wochenlangen Arbeitskämpfen einigten sich der Marburger Bund und die Länder am 16. Juni 2006 auf den Abschluss des ersten arztspezifischen Tarifvertrags in Deutschland. Seitdem verhandelt der MB eigenständig über Entgelt, Arbeitszeit, Überstunden sowie Ruf- und Bereitschaftsdienste für angestellte Ärztinnen und Ärzte und verbessert so kontinuierlich deren Arbeitsbedingungen.
Dr. Thomas Goerlich gehörte 2006 zu denjenigen, die sich in Mitteldeutschland an den Streiks beteiligten. In den Jahren danach setzte er sich auch in seinen Funktionen im Personalrat der Medizinischen Fakultät kontinuierlich für die Belange der angestellten Ärztinnen und Ärzte ein. Er war seit 2003 in allen Wahlperioden in die eigenständig bestehende Personalvertretung bis Renteneintritt gewählt worden und wirkte dort neben seiner klinischen Tätigkeit. Mit der Stuhlpatenschaft bedankte er sich u.a. für seine Ernennung zum Ehrenmitglied des Landesverbands im vergangenen Jahr. Wandtafel, Stuhlschild und die Online-Liste „(M)ein Platz im Paulinum“ weisen damit nun auch den Marburger Bund Sachsen als Förderer aus.

Für Ärztinnen und Ärzte an der Medizinischen Fakultät gilt heute der TV-Ärzte/TdL, für am Universitätsklinikum Leipzig (AöR) beschäftigte MB-Mitglieder der HTV-Ärzte UKL. Beide regeln vieles, was 2006 noch Anlass für den Arbeitskampf war. Auch im Ruhestand wirkt diese Tarifarbeit für Dr. Goerlich nach. Zu seiner guten Altersversorgung habe die tarifliche Gehaltsentwicklung der vergangenen Jahrzehnte beigetragen, ließ er die Mitarbeitenden des MB Sachsen wissen.
20 Jahre nach den Leipziger Ärztestreiks ist der Marburger Bund damit nun auch im Paulinum am Augustusplatz präsent – nur wenige Meter von dem Ort entfernt, an dem Ärztinnen und Ärzte 2006 für eigene Tarifverträge kämpften.
