Offiziell hält sich die KHO mit Aussagen zur Zukunft des Standorts zurück. Bei einer Mitarbeiterversammlung habe der Geschäftsführer erklärt, dass es derzeit keine Pläne gebe, das Mathilden-Hospital zu schließen, berichtete Holger Reinhold, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung. Zugleich räumte KHO-Geschäftsführer Matthias Bitter in einer Pressemitteilung ein, dass Veränderungen kommen würden und zeitnah erforderlich seien. Hintergrund sind offenbar hohe wirtschaftliche Verluste des Krankenhauses.
Verhandlungen über die Zukunft
Die Verwaltungsräte und Geschäftsführungen beider Träger prüfen derzeit verschiedene Kooperationsmöglichkeiten. Bis zum Jahresende wollen sie Klarheit über die weitere Entwicklung schaffen. Für die Beschäftigten ist diese Perspektive allerdings mit erheblicher Unsicherheit verbunden. Sie benötigen möglichst bald verlässliche Aussagen zu ihren beruflichen Zukunftsaussichten.
Im Mittelpunkt der Gespräche steht offenbar die Möglichkeit, dass die Kreiskliniken Herford-Bünde Mitarbeiter des Mathilden-Hospitals übernehmen. Beide Träger haben angekündigt, tragfähige berufliche Perspektiven für die betroffenen Beschäftigten entwickeln zu wollen. Doch wollen viele nicht länger auf eine endgültige Entscheidung warten. Offenbar haben sich bereits zahlreiche Beschäftigte der KHO bei den Kreiskliniken beworben.
Breites medizinisches Angebot
Das Mathilden-Hospital ist neben dem Klinikum Herford das kleinere der beiden Krankenhäuser in der ostwestfälischen Stadt. Als Haus der Grundversorgung deckt es ein breites medizinisches Spektrum ab. Dazu gehören die Innere Medizin mit Gastroenterologie und Kardiologie, die Intensivmedizin sowie die Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie. Auch Unfallchirurgie und Orthopädie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe einschließlich Brustzentrum, Anästhesiologie und Radiologie zählen zum Angebot.
Die Behandlungszahlen verdeutlichen die Bedeutung des Standorts für die regionale Versorgung. Im Mathilden-Hospital werden mehr als 9.000 Patienten stationär und über 26.000 ambulant behandelt. Es sind über 400 Mitarbeiter im Krankenhaus beschäftigt.
Übernahme scheiterte bereits 2024
Die aktuellen Verhandlungen sind nicht der erste Versuch, eine Zukunftsperspektive für das Mathilden-Hospital zu entwickeln. Die KHO wollte das Haus offenbar bereits 2024 abgeben. Der Kreis Herford sollte es nach dem Vorbild des Krankenhauses Bünde übernehmen. Der damalige Landrat Jürgen Müller lehnte dies jedoch wegen der hohen Kosten ab. Insbesondere die Versorgungsansprüche der Beschäftigten hätten eine Übernahme finanziell erheblich erschwert.
Die KHO betreibt mehrere Krankenhäuser in Ostwestfalen. Dazu gehören neben dem Mathilden-Hospital unter anderem das Franziskus Hospital Bielefeld und das Sankt-Vinzenz-Hospital in Rheda-Wiedenbrück sowie weitere Häuser in Gütersloh, Oelde und Harsewinkel. Auch dort stehen Veränderungen an. So hat die KHO bereits angekündigt, das Krankenhaus in Oelde zum Jahresende 2026 zu schließen. Die geriatrische Klinik in Harsewinkel soll bis Ende 2030 aufgegeben und an das Elisabeth-Hospital in Gütersloh verlagert werden.
Behörden sehen keine Versorgungslücke
Welche Folgen eine mögliche Schließung für die Patientenversorgung in Herford hätte, ist eine zentrale Frage. Die Bezirksregierung Detmold sieht nach eigenen Angaben keine Versorgungslücke. Ende 2024 seien dem Klinikum Herford sämtliche Leistungsgruppen zugewiesen worden, über die auch das Mathilden-Hospital verfügt. Damit besitzt das größere Krankenhaus grundsätzlich die gleichen planungsrechtlich zugewiesenen medizinischen Leistungsangebote.
Ob das Klinikum im Fall einer Schließung tatsächlich sämtliche zusätzlichen Patienten versorgen könnte, ist damit jedoch nicht beantwortet. Entscheidend sind auch die verfügbaren personellen und räumlichen Kapazitäten. Die formale Zuweisung gleicher Leistungsgruppen allein sagt nichts darüber aus, ob ausreichend Ärzte, Pflegekräfte und Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, um zusätzliche Patienten aufzunehmen.
Für die Beschäftigten und die Menschen in Herford bleibt die Zukunft des Mathilden-Hospitals daher vorerst offen. Bis Ende 2026 wollen die beiden Träger Klarheit schaffen. Dann wird sich zeigen, ob eine Kooperation den Standort und seine medizinischen Angebote sichern kann – oder ob das Krankenhaus tatsächlich vor dem Aus steht.
