Das PJ ist der letzte Abschnitt des Medizinstudiums. Ausgebildet wird nicht im Hörsaal, sondern am Krankenbett. Doch Anleitung und Betreuung kommen oft zu kurz, und für das Lernen fehlt die Zeit. Der Fachschaftsrat Medizin/Zahnmedizin der TU Dresden und der Fachschaftsrat der Medizinstudierenden Leipzig (StuRaMed) rufen deshalb im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche „Faires PJ“ der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) am 28. Oktober zu Demonstrationen an ihren Studienorten auf. Sie fordern die zügige Verabschiedung der neuen ärztlichen Approbationsordnung mit strukturierter Lehre, mehr Praxisnähe und kompetenzorientierter Wissensvermittlung, eine bundesweit einheitliche Mindest-Aufwandsentschädigung im PJ und die Einbeziehung von Studierenden in nachhaltige Strukturreformen in der Primärversorgung.
In Dresden beginnt der Studierendenprotest um 15:00 Uhr am Dekanat der Medizinischen Fakultät, in Leipzig startet die Demonstration gegen 12:00 Uhr an der Kanonenteichanlage nahe dem Uniklinikum. Der MB Sachsen unterstützt die Demonstrationen in beiden Städten vor Ort. „Patientinnen und Patienten brauchen auch in Zukunft gute Ärztinnen und Ärzte – und die gibt es nur mit guter Ausbildung. Wir stehen uneingeschränkt hinter den Forderungen der Studierenden für ein faires PJ“, sagt Torsten Lippold, Erster Vorsitzender des MB Sachsen und Unterzeichner der Petition "SOS – Stillstand oder Spitzenmedizin? #fairesPJ".
„In anderen Bundesländern wurden bereits durch eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Medizinstudierenden und der Politik deutliche Verbesserungen hinsichtlich der Aufwandsentschädigung erreicht. Auch in Sachsen wurde die Stärkung des Praktischen Jahres in den Koalitionsvertrag aufgenommen - bislang blieb es aber bei leeren Versprechungen“, stellt Ida Leonhardt, Mitglied des StuRaMed, klar.
Erste Erfolge: Bundesrat beschließt Verbesserungen
Erst kürzlich hat der Bundesrat einer Neuregelung von Fehlzeiten im PJ zugestimmt: Studierende können sich mit Attest an bis zu zehn Tagen krankmelden, ohne dass diese Tage von den ohnehin knappen Lern- und Erholungstagen abgezogen werden. Zudem entfällt die Begrenzung der Aufwandsentschädigung auf den BAföG-Höchstsatz. Kliniken dürfen künftig mehr zahlen, verpflichtet sind sie dazu aber nicht. Außerdem soll die Bundesregierung prüfen, ob eine einheitliche, angemessene Aufwandsentschädigung in Höhe des BAföG-Höchstsatzes eingeführt werden kann. An diese Erfolge wollen die Studierenden anknüpfen und sorgen mit der Aktionswoche Faires PJ dafür, dass ihre Situation nicht aus dem Blick gerät.
Situation im PJ
Der Marburger Bund setzt sich ergänzend zu den Forderungen der Studierenden für eine bundesweit einheitliche Aufwandsentschädigung von mindestens 1.500 Euro sowie für verbindliche Mindestvorgaben für die Curricula ein. Der Verband gehört zu den Erstunterzeichnern der Petition „SOS – Stillstand oder Spitzenmedizin? #fairesPJ“ (https://www.openpetition.de/sosmedizinstudium) der bvmd, die noch bis Ende des Semesters Unterschriften dafür sammelt.
Laut der Umfrage „PJ-Barometer 2025“ des Marburger Bundes verbringt mehr als die Hälfte der Studierenden 40 bis 50 Stunden pro Woche in der Klinik, auch Nacht- und Wochenenddienste sind keine Seltenheit.¹ Eine ausreichende Aufwandsentschädigung erhalten die wenigsten. Etliche sind deshalb auf finanzielle Hilfe ihrer Familie angewiesen oder jobben neben dem Vollzeiteinsatz in der Klinik. Für die Vorbereitung auf das dritte Staatsexamen bleibt oft zu wenig Zeit. Rund ein Drittel der Befragten denkt darüber nach, die kurative Medizin zu verlassen.
- Poster "Ausbildung statt Ausbeutung"(2.0 MB, PDF)
- Poster PJ ausgenutzt(2.2 MB, PDF)
- Poster PJ fair entlohnen (1.9 MB, PDF)
- Flyer Demo Leipzig (2.5 MB, PDF)
