• Facharzt-Forderung zeugt von Realitätsverlust

    Landesärztekammer Rheinland-Pfalz
    23.April 2018
    Mainz
    Die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz begrüßt die Zusage der Gesundheitsministerium Sabine Bätzing-Lichtenthäler, einen „Kahlschlag“ in der Krankenhauslandschaft im Land nicht zuzulassen. Die Gewährleistung einer flächendeckenden Notfallversorgung in den Krankenhäusern in Rheinland-Pfalz hat auch für die Landesärztekammer oberste Priorität. "Wo aber sollen die geforderten Fachärzte herkommen?", fragt Kammerpräsident Dr. Günther Matheis.

    Seitdem der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) seine Regelungen für ein gestuftes System der stationären Notfallversorgung präsentiert hat, keimt die Befürchtung eines Kahlschlags in der stationären Notfallversorgung. Um mögliche Versorgungslücken zu vermeiden, werde das Land für einzelne Krankenhäuser, die für die Aufrechterhaltung einer guten Notfallversorgung unabdingbar sind, Ausnahmeregelungen einsetzen, kündigte die Ministerin an.

    Das G-BA-Konzept sieht Mindestanforderungen für Krankenhäuser vor, die an der Notfallversorgung teilnehmen. Hierzu gehören laut G-BA zumindest eine Station für Innere Medizin, eine Station für Chirurgie, im Bedarfsfall eine Intensivstation mit mindestens sechs Beatmungsplätzen und erforderlichenfalls muss spätestens 30 Minuten nach Einlieferung ein Facharzt am Klinikbett stehen.

    Nur Häuser, die diese Kriterien erfüllen, so entschied der G-BA, bekommen künftig entsprechende Vergütungszuschläge. Nach Berechnung des G-BA trifft dies bundesweit auf 64 Prozent der Krankenhäuser zu. Die restlichen 36 Prozent, die keinen Zuschlag erhalten werden, „haben ganz überwiegend auch in der Vergangenheit keine Notfallversorgung erbracht“, meint der G-BA.

    Insbesondere die Facharzt-Forderung stellt nach Ansicht des Landesärztekammer-Präsidenten Dr. med. Günther Matheis „eine Art Realitätsverlust dar, da hier Anspruch und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen und somit eine Erwartungshaltung in der Bevölkerung aufbauen, die so nicht darstellbar ist. Ein Blick in die Arztstatistik genügt. Wo sollen die Ärztinnen und Ärzte herkommen?“

    Der G-BA-Beschluss „ist Leid und Freud zugleich“, brachte es Landesärztekammer-Präsident Dr. Günther Matheis auf den Punkt. Zum einen trifft eine mögliche Abkopplung kleiner Häuser von der Notfallversorgung gerade in einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz die Patientenversorgung in hohem Maße. Günther Matheis: „Kleine Häuser sind gerade in der Fläche wichtige Versorgungspartner; deshalb ist die Zusage der Ministerin von großer Bedeutung.“

    Doch zum anderen motiviert der Beschluss nun alle Partner im Gesundheitswesen noch mehr, sich gemeinsam bei der Notfallversorgung zu vernetzen und zu verzahnen, um Doppelstrukturen zu vermeiden und um gerade auf dem Land schneller und bedarfsgerechter im Notfall versorgen zu können. Dafür setzt sich die Landesärztekammer bereits seit langem intensiv ein.