Können wir die Bildungssystematik schärfen?

130. DÄT: Die neue Weiterbildungskultur nimmt Gestalt an.
14.Mai 2026
Die neue Weiterbildungskultur nimmt Gestalt. Was steht aber genau beim 130. Deutschen Ärztetag an? Was sind die Ziele der Weiterentwicklung an? Die beiden Vorsitzenden der Ständigen Konferenz (Stäko) „Ärztliche Weiterbildung“ der Bundesärztekammer, Prof. Dr. med. Henrik Herrmann und Dr. med. Johannes Gehle erklärten in der mittäglichen Pressekonferenz des 130. Deutschen Ärztetages, worum es bei der Weiterentwicklung der im Jahr 2018 nach sechsjähriger Vorarbeit verabschiedeten (Muster-)Weiterbildungsordnung geht:
Prof. Dr. med. Henrik Herrmann (2.v.lks.) und Dr. med. Johannes Gehle (2.v.re.) erklärten die Weiterentwicklung der ärztlichen Weiterbildung.
Prof. Dr. med. Henrik Herrmann (2.v.lks.) und Dr. med. Johannes Gehle (2.v.re.) erklärten die Weiterentwicklung der ärztlichen Weiterbildung.

Weiterbildung ist die Kernaufgabe der Ärztekammern, auf Landesebene, Bundesebene und damit auch vom Deutschen Ärztetag. In der ärztlichen Weiterbildung werden vertiefende Fähigkeiten und Fertigkeiten und vor allem auch Handlungskompetenzen vermittelt, um ein Facharztstatus zu erhalten. Die Facharztprüfung ist die entscheidende Prüfung nach Abschluss des Humanmedizinstudiums, die die vollständige Ausübung der Heilkunde erlaubt.

Fachärztinnen und Fachärzte werden benötigt, um eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung sicherzustellen. Insbesondere in der ambulanten Medizin werden Fachärzte gebraucht. Die Facharztprüfung ist die Eintrittskarte in die Niederlassung, weil im gesetzlichen Krankenkassenbereich der Facharztstatus eine Voraussetzung ist. Ohne Fachärztinnen und Fachärzte würde es keine ambulante Versorgung in Deutschland mehr geben.

Angesichts des medizinischen Fortschritts, der zunehmenden Komplexität ärztlicher Spezialisierungen und sich ändernden Rahmenbedingungen, wurde die Stäko Ärztliche Weiterbildung vor zwei Jahren auf dem Deutschen Ärztetag im Mainz beauftragt, die Weiterbildung auf den Prüfstand zu stellen.

Können wir die Bildungssystematik schärfen? Gucken wir nochmal kritisch, was braucht eine junge Fachärztin, ein junger Facharzt? Aber, wir müssen natürlich auch darüber nachdenken, was wir an den Inhalten und Mindestweiterbildungszeiten machen können? Wir haben uns in den letzten Jahren intensiv auf den Weg gemacht und das soll jetzt in Hannover zum Abschluss gebracht werden. Im ersten Schritt wurde heute bereits beschlossen, die übergreifenden allgemeinen Inhalte vollkommen umzuändern.

Vorher waren es Handlungskompetenzen, die in gebietsspezifischer Ausprägung zu erreichen waren. Das haben wir umgestellt auf Beratungen und Rollen der Ärztinnen und Ärzte. Ein neues Rahmenwerk. Analog der kanadischen CanMEDS-Rollen sind acht Kernkompetenzen für Ärztinnen und Ärzte definiert, um eine hochwertige, ganzheitliche Patientenversorgung sicherzustellen. Sie bilden das Fundament moderner, kompetenzbasierter Weiterbildungsordnungen. Damit haben wir etwas Neues geschaffen.

Manche mögen sich fragen, warum geht das nicht schneller? In engagierten Diskussionen im Plenum argumentierte natürlich jeder aus seiner Lebenswirklichkeit heraus. Und deswegen, ist die Art und Weise, wie das geschieht, auf der einen Seite einzigartig, aber auch richtig, weil sie sozusagen alle Realitäten der ärztlichen Tätigkeiten mit einbezieht.

Wir haben zudem nochmal das Typische der ärztlichen Profession für Weiterzubildende und für diejenigen, die Weiterbildung machen, klarer beschrieben. Wir müssen klären, wie gehen wir mit der Spezialisierung durch den Krankenhausplan um. Wie bilden wir das wiederum in unserer Weiterversordnung ab? Es müssen sich Verbünde bilden, in der die komplette Weiterbildung auch noch gelebt werden kann. Wir fordern hierfür eine gesetzliche Verpflichtung im Krankenhausplan, dass sich die Kliniken entsprechend beteiligen. 

Wir werden uns auch über die Prüfungsformen Gedanken machen müssen. All das sind große Herausforderung, die wir aber für eine moderne Weiterbildung brauchen.

Die Weiterentwicklung der Weiterbildungsordnung ist der Rahmen und es kommt jetzt darauf an, ihn wirklich mit Leben zu füllen. Diese Arbeit wird immer schwieriger. Und natürlich gibt es auch immer wieder Forderungen, eine bessere Zusammenarbeit der Weiterzubildenden und Weiterbilder zu unterstützen. Wir sprechen immer gerne von einer neuen Weiterbildungskultur. Am Ende erwarten der Patient und der Arzt, der behandelt, dass die Krankheiten des Patienten dank sicherer Methoden, die er selber beherrscht, helfend behandeln kann.