Ärzte in Notaufnahmen helfen Patienten, die Hilfe brauchen

Statement von Dr. Andreas Botzlar, 2. Vorsitzender des Marburger Bundes, zur Ausarbeitung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) „Rolle der Krankenhäuser in der Notfallversorgung in Deutschland“

29.11.2017 – Wirtschaftliche Durchschnittsbetrachtungen sind kein geeigneter Maßstab zur Beurteilung der Versorgungsqualität von Notaufnahmen. Wer meint, allein durch die statistische Berechnung der "Auslastung pro Stunde" auf die Bedeutung einer Notaufnahme für die Patientenversorgung schließen zu können, blendet eine Vielzahl weiterer Indikatoren aus – allen voran die Erkrankungs- bzw. Verletzungsschwere der Patienten – und verlässt die Ebene wissenschaftlicher Redlichkeit.

Dr. Andreas Botzlar, 2. Vorsitzender des Marburger Bundes

Abrechnungsdaten sind ökonomische Kennziffern, deren Aussagekraft allein schon durch die regionalen Unterschiede, die Größe und das Behandlungsspektrum der Krankenhäuser begrenzt ist. Wer wirklich wissen will, wie viel Zeit pro Patient aufgewendet werden muss, wie viel Personal für die Notfallversorgung zur Verfügung steht und welche medizinischen Geräte und Apparaturen zur Diagnostik und Therapie eingesetzt werden, kommt an einer sorgfältigen Einzelfallbetrachtung nicht vorbei.

Höchst fragwürdig sind in diesem Zusammenhang auch Vergleiche mit anderen Ländern, deren Gesundheitssysteme sich deutlich vom deutschen Gesundheitswesen unterscheiden. Das vom ZI angeführte Beispiel England mit angeblich durchschnittlich 11 Patienten pro Stunde in den Notaufnahmen ignoriert nicht nur die strukturellen Unterschiede zu deutschen Krankenhäusern und die abweichende statistische Erfassung von Notfällen, sondern auch das weitgehende Fehlen einer vergleichbaren ambulanten vertragsärztlichen Versorgungsebene, wie wir sie in Deutschland kennen.

Eine strukturelle Reform der Notfallversorgung ist tatsächlich dringend geboten. Voraussetzung für deren Gelingen ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten. Insofern ist es diesem Vorhaben höchst unzuträglich, einem Gros der Notaufnahmen auf der Basis hierfür ungeeigneter Vergleiche die erforderliche Versorgungsqualität abzusprechen.

Die Patienten verlassen sich darauf, dass die Ärzte und Pflegenden in den Notaufnahmen der Krankenhäuser ihnen jederzeit die Hilfe zukommen lassen, die sie im Augenblick brauchen. Die aktuelle Diskussion mit fragwürdigen Zahlen und schiefen Vergleichen führt aber zu einer unnötigen Verunsicherung der Patienten.