Mecklenburg-Vorpommern: „Oh Gott – PJ?“ Bemühungen für bessere Bedingungen im Praktischen Jahr

Elisa Salzwedel, neues Mitglied im MB-Landesvorstand, zum Praktischen Jahr

Das Praktische Jahr (PJ) ist unser letztes Jahr vor dem dritten Staatsexamen und soll uns auf die Tätigkeit als Ärztinnen und Ärzte vorbereiten. Laut Ärztlicher Approbationsordnung steht das PJ im Sinne der Lehre - wir sollen in dieser Zeit unsere Kenntnisse vertiefen, ärztliche Fähigkeiten erweitern und unter Supervision lernen.

Die Realität sieht jedoch an vielen Standorten anders aus – fehlende Lehre, Blutabnahmehilfe und eine fehlende Vorbereitung auf die zukünftigen Aufgaben als Ärztinnen und Ärzte. Dazu kommt der Druck durch das starre Fehltagesystem: Es gibt weder Urlaubs- noch Krankheits- noch Selbststudientage. Es gibt nur Fehltage. Krankheit bedeutet daher nicht, dass man sich auskuriert, sondern den Verlust kostbarer Tage. Tage, die man eigentlich für die Vertiefung praktisch erlernter Fähigkeiten oder die Vorbereitung auf das dritte Staatsexamen, das zum Teil nur eine Woche nach dem Ende des PJs liegt, braucht. Kein Wunder, dass viele trotz Krankheit in die Klinik gehen. Das ist nicht nur ein Risiko für die PJler*innen, sondern auch für die Patientinnen, Patienten und das gesamte Personal.

Dann ist da noch die Sache mit der Bezahlung: PJler*innen arbeiten mindestens 40 Stunden die Woche in der Klinik und übernehmen Aufgaben wie vollwertige Mitarbeitende, und können sich nicht auf das konzentrieren, was sie eigentlich machen sollen – see one, do one, teach one. Bei einer bundesweit durchschnittlichen Aufwandsentschädigung von 470 Euro monatlich verdienen wir 2,93 Euro pro Stunde. Das ist weder ausreichend, noch schätzt es die Arbeit wert, die PJler*innen tagtäglich vollbringen.

Genau deshalb sind Fachschaften und Studierendenvertretungen bundesweit aktiv. Mit Aktionswochen und Social-Media-Kampagnen wollen wir Aufmerksamkeit schaffen. In Greifswald haben wir es gemeinsam mit dem Vorstand der Universitätsmedizin geschafft, das Thema in den Norddeutschen Rundfunk zu bringen. Für den Beitrag hat die Kamera einen Tag lang eine PJlerin begleitet und Studierende sowie den wissenschaftlichen Vorstand interviewt. Die Forderung dabei war klar: Eine wertschätzende Vergütung muss vom Land zur Verfügung gestellt werden. Parallel gibt es von der Fachschaft, dem Studierendenparlament sowie dem Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald intensive Bemühungen, landespolitische Gespräche auf den Weg zu bringen. Doch das allein reicht nicht. Nachhaltige Verbesserungen können nur auf Landes- und Bundesebene erreicht werden. Dementsprechend begrüßen wir die Aufnahme der Forderungen für ein faires PJ in den Koalitionsvertrag von SPD und Union.

Eine angemessene Vergütung, eine verlässliche Ausbildung und faire Bedingungen im Praktischen Jahr sollten selbstverständlich sein für einen respektvollen Umgang mit Medizinstudierenden, die bereits Verantwortung für Patient*innen übernehmen. Daher ist es an der Zeit, dass auch die Politik Verantwortung für angehende Ärztinnen und Ärzte übernimmt.

Autorin: Elisa Salzwedel