Studi meets Studi

Der Start ins Medizinstudium wirft viele Fragen auf: Wie lerne ich richtig? Wie bleibe ich motiviert? Und was hätte ich gern früher gewusst?

Mit dem Online-Format Studi meets Studi zum Digitalen Semesterstart 2025 brachte der MB Sachsen Medizinstudierende aus verschiedenen Semestern zusammen, um genau diese Fragen offen und ehrlich zu besprechen. Die wichtigsten Inhalte aus der Veranstaltung haben wir hier für dich gesammelt, damit du sie jederzeit abrufen kannst.

Studi fragt – Studi antwortet

Kommt dir bekannt vor? Du hast eine Frage und denkst, nur du grübelst darüber – dabei geht es vielen genauso! Genau diese Fragen (und natürlich die passenden Antworten unserer studentischen Mentor*innen) findest du hier.

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Lässt sich das Medizinstudium mit einem Nebenjob vereinen?

Felicitas: Ein Nebenjob lässt sich im Medizinstudium in der Regel gut integrieren. Für viele Studierende ist er sogar notwendig – damit bist du also keineswegs allein. Ab dem dritten Semester wird es meist deutlich einfacher, Studium und Arbeit miteinander zu vereinbaren, da man die Eingewöhnungsphase hinter sich hat. Besonders das erste Semester sollte man nutzen, um im Studium anzukommen und einen eigenen Rhythmus zu entwickeln.

Daniel: Nebenjobs im Medizinstudium sind vielfältig und oft auch fachlich sehr bereichernd. Ich kenne zum Beispiel Kommilitoninnen, die bei Krankenkassen wie der DAK gearbeitet oder Blutspendedienste unterstützt haben. Gerade während der Corona-Pandemie waren viele auch in Impfzentren im Einsatz. Das bietet die Möglichkeit, das im Studium erlernte Wissen direkt praktisch anzuwenden und wertvolle Erfahrungen zu sammeln.

Andere haben Nachtdienste in der Klinik übernommen – eine besonders spannende Option, da man nicht nur Geld verdient, sondern von Anfang an im klinischen Alltag mitarbeitet und Einblicke in Abläufe und Teamarbeit erhält.

Insgesamt gibt es zahlreiche Möglichkeiten, neben dem Studium tätig zu sein; viele davon sogar mit direktem Bezug zur Medizin. So kann man früh praktische Erfahrungen sammeln und gleichzeitig das eigene Studium sinnvoll ergänzen.

 

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Wie kann ich mich an der Uni einbringen?

Daniel: Es gibt viele Möglichkeiten, sich an der Universität aktiv einzubringen und das Studium mitzugestalten. Ich war beispielsweise in der Studienkommission in Dresden tätig – einem Gremium, in dem Studierenden- und Lehrvertretung gemeinsam über Themen der Lehre beraten und auch über den Einsatz von Fördermitteln für Lehrprojekte entscheiden. Besonders wertvoll war dabei der direkte und regelmäßige Austausch mit Lehrenden, der einmal im Monat in einer sehr offenen und zugänglichen Atmosphäre stattfand. Gerade wenn man sich für Lehre interessiert und sich langfristig an der Fakultät engagieren möchte, bietet sich hier eine gute Gelegenheit, ein Netzwerk aufzubauen.

Darüber hinaus habe ich mich ehrenamtlich in den Dresdner Vorklinik-Repetitorien engagiert – einer studentischen Initiative, die jüngere Semester in den ersten beiden Studienjahren bis zum Physikum unterstützt. Dort werden Auffrischungskurse und zusätzliche Lehreinheiten in den Grundlagenfächern angeboten. Auch in der Klinik habe ich gemeinsam mit Kommilitoninnen ein eigenes Projekt ins Leben gerufen: die Dresdner Lokalgruppe von „First Aid for All“.

Annabell: Neben Angeboten wie der Fachschaft oder ehrenamtlichen Projekten, die den Austausch mit anderen Semestern erleichtert, gibt es auch andere Wege, sich einzubringen – etwa in studentischen oder hochschulpolitischen Initiativen. Solches Engagement bietet die Chance, neue Perspektiven kennenzulernen, Verantwortung zu übernehmen und sich teilweise auch mit Studierenden aus anderen Städten zu vernetzen. Gleichzeitig schafft es einen bewussten Ausgleich zum Studium, weil man sich mit anderen Themen beschäftigt und auch mal aus dem gewohnten Umfeld herauskommt. 

Außerdem erlernt man wertvolle Soft Skills, die im normalen Studium oft zu kurz kommen. Man lernt, mit unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten, Verantwortung zu übernehmen und sich in neue Themen einzuarbeiten. Gleichzeitig erfährt man, wie Veränderungen angestoßen werden können. Für mich persönlich war das sehr bereichernd und hat Fähigkeiten gefördert, die ich zwischen Vorlesungen und Prüfungen nicht gelernt hätte.

Gleichzeitig muss man aber wissen: Engagement erfordert Zeit und Einsatz. Wer es als reine Mehrarbeit sieht, ist vielleicht nicht der Typ dafür – es frisst durchaus Zeit, besonders wenn man weitere Wege oder größere Projekte übernimmt.

Für mich war es immer machbar, weil ich es bewusst priorisiert habe und es mir wichtig war. Man muss es wollen und ein Stück Freizeit dafür einplanen, aber es ist gut zu wissen, dass die Möglichkeiten offenstehen: Über Fachschaften oder ähnliche Initiativen ist der Einstieg meist sehr niedrigschwellig. Neue Mitglieder werden oft an die Hand genommen, können erste Erfahrungen sammeln und merken schnell, dass vieles möglich ist, was man anfangs vielleicht für unmöglich gehalten hätte.

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Was sind die größten Unterschiede zwischen Vorklinik und Klinik?

Anna: Der größte Unterschied zwischen Vorklinik und Klinik liegt im Fokus des Studiums. In der Vorklinik stehen vor allem theoretische Grundlagen wie Physiologie im Mittelpunkt, während in der Klinik zusätzlich die Pathologie und damit das Verständnis von Krankheiten dazukommt.

Die Vorklinik ist meist stärker strukturiert, verschulter und mit einem höheren Lernaufwand verbunden. Viele Inhalte sind zunächst sehr theoretisch, auch wenn sie eine wichtige Basis für das spätere Verständnis bilden. Mit der Zeit fällt es jedoch leichter, Zusammenhänge zu erkennen und Wissen schneller einzuordnen.

In der Klinik wird das Studium deutlich praxisnäher: Man erhält Einblicke in verschiedene Fachrichtungen, arbeitet enger mit Ärztinnen und Ärzten zusammen und erlebt den klinischen Alltag direkt. Insgesamt baut die Klinik auf den Grundlagen der Vorklinik auf und macht das Gelernte greifbarer.

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Wie gehe ich mit Prüfungsstress um?

Anna: Jeder muss lernen. Ich kenne niemanden, der einfach so ohne Lernen durchgekommen ist. Jeder muss sich mal hinsetzen und was machen, worauf man eigentlich keine Lust hat. Aber trotzdem ist es wichtig darauf zu achten, dass man genug Pausen hat und sich einen Ausgleich schafft – sei es durch Sport, Ehrenamt oder sich mit Freunden zu treffen, die nicht Medizin studieren.

Einen allgemeinen „Geheimtipp“, wie man Stress im Studium perfekt bewältigt, gibt es allerdings nicht. Was gut funktioniert, ist sehr individuell und muss von jeder Person selbst herausgefunden werden. Auch wenn das zunächst etwas unbefriedigend klingt: Es lohnt sich, verschiedene Strategien auszuprobieren und den eigenen Weg zu finden.

Hilfreich ist dabei vor allem der Austausch mit anderen – sowohl im eigenen Semester als auch mit Studierenden aus höheren Jahrgängen. So kann man sich orientieren, Erfahrungen teilen und darauf aufbauend einen Lernrhythmus entwickeln, der zu den eigenen Bedürfnissen passt.

Lukas: Ausgleich ist unglaublich wichtig. Ein Hobby oder verpflichtender Termin pro Woche, wie Sport oder Fachschaft, hilft dabei, dranzubleiben. Und: Eine Prüfung ist immer eine Momentaufnahme. Da spielen so viele Faktoren mit rein. Und nur, weil man eine Prüfung nicht besteht, heißt es nicht, dass man keine Ahnung hat oder schlecht vorbereitet war. Da können auch andere Punkte reinspielen.

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Wie gehe ich mit Misserfolgen im Studium um?

Lukas: Nicht verzagen. Eine Prüfung ist immer nur eine Momentaufnahme. Viele Faktoren spielen eine Rolle – Tagesform, Fragestellung oder auch ein bisschen Glück. Ein Nichtbestehen bedeutet deshalb nicht, dass man nichts kann oder schlecht vorbereitet war.

Rückschläge gehören im Medizinstudium dazu, auch wenn andere scheinbar alles direkt schaffen. Das sagt nichts darüber aus, was für eine Ärztin oder ein Arzt man später wird. Wichtiger ist, daraus zu lernen und dranzubleiben.

Nehmt euch außerdem die Freiheit, Prüfungen zu verschieben, wenn ihr euch mental oder körperlich nicht bereit fühlt. Ein bewusster Umgang damit ist oft sinnvoller als ein unnötiger Fehlversuch.

Und genauso wichtig: Neben Rückschlägen wird es auch viele Erfolge geben.

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Wie gehe ich vor, wenn ich eine Prüfung länger geschoben habe? Was sollte ich beachten, damit ich den Stoff wieder aufarbeite und den Einstieg schaffe?

Annabell: Einfach anfangen – auch wenn es überwältigend erscheint. Je länger man wartet, desto schwieriger wirkt der Stoff, aber auch der erste Schritt ist immer der schwerste. Am besten erstellt man sich einen Lernplan mit genügend Puffertagen und Pausen, um zwischendurch zu regenerieren und Themen noch einmal zu vertiefen. 

Anna: Vorgefertigte Lernpläne, etwa von Amboss oder E-Rev, sind dabei eine gute Orientierung, weil sie alles Wichtige abdecken und sich bewährt haben. So kann man sich auf den Stoff konzentrieren und den Plan flexibel an das eigene Tempo anpassen.

Lukas: Leute fragen, Hilfe holen. Fragt die Fachschaft, eure Jahrgangsgruppe oder andere Studierende. Sie können Lerngruppen, Tutorien oder nützliche Tools empfehlen. Der erste Schritt – zuzugeben, dass man gerade kämpft – ist oft der schwerste. Wenn ihr euch traut, bekommt ihr Unterstützung und vermeidet, alleine einen schwierigeren Weg zu gehen. 

Felicitas: Lerngruppen können sehr hilfreich sein. Lerngruppe heißt aber nicht, dass man nur stundenlang zusammen lernen muss, sondern dass man sich regelmäßig zum Arbeiten, Essen oder für kurze Treffen verabredet – das hilft oft schon enorm.

Daniel: Es hilft auch ungemein den Lernstoff zu priorisieren. Eine Kommilitonin, zum Beispiel, mochte Physik überhaupt nicht. Sie hat sich auf die Fächer konzentriert, in denen die meisten Prüfungsfragen kommen, und dort ihr Wissen gebündelt. Den Rest (wie Physik) hat sie bewusst hintenangestellt – und konnte später trotzdem einige Aufgaben aus dem „unwichtigeren“ Bereich lösen. Denkt dran: Das Studium ist ein Marathon, kein Sprint.

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Wie schaltet man am besten ab?

Felicitas: Am besten kann ich beim Sport abschalten – besonders beim Laufen, weil ich dabei den Kopf frei bekomme und den Alltag hinter mir lassen kann. Außerdem nehme ich mir bewusst am Wochenende Zeit, um mich zu erholen und neue Energie zu tanken. Eine große Unterstützung ist auch mein Freund, ebenso wie Freunde und Familie. Dieses Umfeld gibt mir Rückhalt und hilft mir, ausgeglichen zu bleiben.

Anna: Es kann auch sehr wertvoll sein, Kontakte zu Menschen zu pflegen, die nicht Medizin studieren – sei es in Vereinen, Sportgruppen oder anderen Freizeitaktivitäten. So bekommt man Abstand vom Studienalltag, neue Perspektiven und kann Energie tanken.

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Wie wichtig sind gute Noten für ein Deutschlandstipendium?

Daniel: Gute Noten spielen beim Deutschlandstipendium auf jeden Fall eine Rolle – das lässt sich nicht ganz ausblenden. Gleichzeitig ist es aber keineswegs so, dass sie das alleinige Entscheidungskriterium sind.

Das Besondere am Deutschlandstipendium ist vielmehr der ganzheitliche Auswahlansatz: Neben den Leistungen im Studium werden auch Engagement und Persönlichkeit berücksichtigt. Dazu zählen zum Beispiel gesellschaftliches oder ehrenamtliches Engagement, sportliche oder musikalische Aktivitäten, besondere Auszeichnungen oder die Mitarbeit in Initiativen und Projekten. Auch die persönliche Motivation und individuelle Lebensumstände können eine wichtige Rolle spielen.

Zudem besteht häufig die Möglichkeit, Präferenzen für Fördernde anzugeben, etwa wenn bereits eine Verbindung oder ein besonderes Interesse besteht.

Insgesamt gilt also: Gute Noten sind wichtig, aber sie sind nur ein Teil des Gesamtbildes – entscheidend ist, was dich darüber hinaus ausmacht.

9
Was hätten unsere Mentor*innen gerne früher gewusst?

Lukas: Zu Beginn fühlt man sich schnell überfordert – das ist völlig normal. Lasst euch davon nicht verunsichern. Viele vergleichen sich stark mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen, etwa wenn andere scheinbar schon viel weiter sind. Davon sollte man sich aber nicht aus der Ruhe bringen lassen: Jeder hat sein eigenes Tempo.

Auch Rückschläge gehören dazu. Eine Prüfung nicht beim ersten Versuch zu bestehen, ist kein Drama – gerade in einem so anspruchsvollen Studium. Wichtig ist, das einzuordnen und weiterzumachen.

Es ist auch hilfreich, Aussagen anderer – besonders aus höheren Semestern – mit etwas Abstand zu betrachten. Nicht alles, was erzählt wird, trifft auf die eigene Situation zu. Findet euren eigenen Weg.

Ein entscheidender Faktor ist der Ausgleich: Feste Termine für Hobbys, Engagement oder Sport helfen, wirklich abzuschalten und nicht ständig dem Gefühl zu erliegen, noch mehr lernen zu müssen. Ebenso wertvoll ist der Kontakt zu Menschen außerhalb der Medizin – das bringt Abstand und neue Perspektiven.

Und vielleicht das Wichtigste: Behaltet das große Ziel im Blick. Ihr habt es schon bis zum Medizinstudium geschafft. Das schafft nicht jeder! Das Studium ist lang und fordernd – und nicht immer so ideal, wie man es sich vorstellt. Aber wenn man weiß, wofür man es macht, lässt sich auch diese Zeit gut bewältigen.

10
Was würden unsere Mentor*innen ihrem Ersti-Ich heute sagen?

Annabell: Es ist unwichtig, was die anderen machen. Wir haben alle andere Lebensrealitäten. Jeder Weg ist der richtige für die jeweilige Person. Man sollte sich nicht mit anderen vergleichen.

Daniel: Das Studium ist nicht schwierig, es ist nur viel. Aber mit einer ordentlichen Struktur und Selektion dessen, was für einen wirklich wichtig und auch prüfungsrelevant ist, kommt man eigentlich gut durch.

Felicitas: Wenn ich meinem Ersti-Ich einen Tipp geben könnte: Ich hätte früher mit Anki-Karten anfangen sollen. Für mich waren sie besonders beim Physikum unglaublich hilfreich. Mittlerweile gibt es auch vorgefertigte Anki-Karten, zum Beispiel über Amboss oder die BVMD-Initiative „Anki-Ziehen“. Mit dem Prinzip der Spaced Repetition lässt sich so Lernstoff deutlich effizienter wiederholen und einprägen – ein Tool, das ich jedem nur empfehlen kann.

Anna: Es ist völlig okay, wie man lernt und seine Zeit einteilt. Ich habe früh gemerkt, dass mir das ständige Besuchen der Vorlesungen nicht unbedingt hilft. Nur weil andere täglich in der Vorlesung sitzen, heißt das nicht automatisch, dass sie am Ende erfolgreicher sind. Man muss den Mut haben, sich selbst einzuschätzen und den eigenen Weg zu finden. Selbst wenn man einmal danebenliegt, lernt man daraus – Fehler gehören dazu und helfen, sich selbst besser kennenzulernen. Viele Studierende haben trotz Rückschlägen im ersten Semester am Ende alles erfolgreich abgeschlossen.

Lukas: Lass dich nicht davon verunsichern, dass du keine Ahnung hast, was du sein willst, wenn du mit dem Studium fertig bist. Es ist vollkommen in Ordnung sich auch erst während des PJs zu entscheiden.

Du willst noch mehr ehrliche Einblicke und Insider-Tipps? In den Clips von Studi meets Studi teilen unsere Mentor*innen ihre besten Ratschläge, Erfahrungen und kleinen Überlebens-Tricks fürs Medizinstudium. Spitz die Ohren für noch mehr Weisheiten!

„Jeder muss lernen!“

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„Es ist nicht schwierig, es ist nur viel!“

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„Ihr werdet euren Weg finden!“

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Du willst noch mehr Infos, Unterstützung oder aktuelle Angebote? Beim MB Sachsen und beim Bundesverband findest du viele weitere hilfreiche Materialien, Veranstaltungen und Ansprechpartner*innen rund ums Medizinstudium. Klick dich rein und bleib auf dem Laufenden!

 

 

Stand: 1. April 2026