An der Befragung beteiligten sich im November/Dezember 2025 rund 1.800 Medizinstudierende im Praktischen Jahr sowie Ärztinnen und Ärzte, deren PJ nicht länger als drei Jahre zurückliegt. Knapp die Hälfte befindet sich aktuell im PJ. Zwei Drittel der Teilnehmenden sind weiblich.
Die Ergebnisse zeigen eine weiterhin hohe Arbeitsbelastung. Mehr als die Hälfte der Befragten verbringt zwischen 40 und 50 Stunden pro Woche in der Lehreinrichtung. Nacht- und Wochenenddienste gehören für viele PJ-Studierende nach wie vor zum Alltag. Mehr als 40 Prozent leisten solche Dienste, überwiegend ohne zusätzliche Vergütung.
Auch bei Anleitung und Betreuung bleiben Defizite bestehen, die bereits in früheren Umfragen zu Tage traten. Rund 40 Prozent der Befragten geben an, im ersten PJ-Tertial keine festen Ansprechpartner wie Mentorinnen oder Mentoren zu haben. Viele berichten, dass sie regelmäßig ärztliche Tätigkeiten ohne ausreichende Anleitung übernehmen und zugleich in erheblichem Umfang nichtmedizinische Aufgaben erledigen. Der Ausbildungsauftrag tritt dabei häufig in den Hintergrund.
Zwei Drittel der Befragten geben an, nicht ausreichend Zeit für Selbststudium zu haben. Studientage sind zwar formal vorgesehen, lassen sich im Klinikalltag jedoch oft nicht realisieren. Auch die finanzielle Situation bleibt angespannt. Die Aufwandsentschädigung reicht für die meisten nicht aus, um den Lebensunterhalt zu sichern. Viele sind deshalb weiterhin auf familiäre Unterstützung oder einen Nebenjob angewiesen.
Erstmals wurde im PJ-Barometer 2025 erhoben, ob die Befragten darüber nachdenken, die kurative Medizin zu verlassen. Rund ein Drittel bejaht diese Frage, 52 Prozent verneinen sie und 15 Prozent weiß es nicht. Angesichts des demografisch bedingten Ausscheidens großer Jahrgänge aus dem ärztlichen Berufsleben ist dieses Ergebnis von hoher versorgungspolitischer Relevanz.
„Wer im PJ vor allem Lücken im System stopft, statt strukturiert zu lernen, verliert Vertrauen in den ärztlichen Beruf. Dass bereits ein Drittel der angehenden Ärztinnen und Ärzte über einen Ausstieg aus der kurativen Medizin nachdenkt, ist ein deutliches Warnsignal für die gesamte Gesundheitsversorgung. Gute Ausbildung braucht verlässliche Strukturen, ausreichende Betreuung, gute Rahmenbedingungen und ein wertschätzendes Arbeitsklima“, erklärte Dr. Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bundes.
Auch aus Sicht der Medizinstudierenden ist der Befund eindeutig. „Viele erleben das Praktische Jahr als Phase hoher Belastung mit unzureichender Anleitung und geringer verlässlicher Betreuung. Besonders frustrierend ist, dass Krankheitstage von den Fehltagen für Urlaub und Lernzeit abgezogen werden. Wer krank ist, verliert diese wertvolle Zeit. Unter diesen Bedingungen wird das Praktische Jahr seiner wichtigen Aufgabe als strukturierter Ausbildungsphase nicht gerecht“, sagte Tobias Bokowski, Vorsitzender des Sprecherrates der Medizinstudierenden im Marburger Bund.
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- Foliensatz PJ-Barometer 2025(589.0 KB, PDF)
- Ausgewählte Freitext-Antworten(116.9 KB, PDF)
