Für Felicitas Vogt war das vergangene Jahr ein Jahr des Wachstums. Neben zahlreichen Klausuren konnte sie endlich ihre Traum-Famulatur in der Geburtshilfe absolvieren. Dabei durfte sie eine ganz besondere Erfahrung machen: Ein geplanter Kaiserschnitt wurde unerwartet zeitkritisch - alle Hände wurden gebraucht. Plötzlich stand Felicitas mit am Tisch. Statt „Haken halten“ ist nun ihr voller Einsatz gefragt. Dann ging alles ganz schnell, und schließlich reichte sie der Hebamme das Neugeborene. „Es ist beeindruckend, dass man an einem Tag mehrmals erlebt, wie ein neues Leben beginnt“, erzählt sie voller Begeisterung.
Nun richtet sich ihr Blick auf die nächste große Etappe: das zweite Staatsexamen. Seit November folgt sie dem 100-Tage-Lernplan - eine mentale und organisatorische Kraftprobe, die viel Durchhaltevermögen abverlangt. Halt geben ihr feste Lerntreffen in der Bibliothek und der tägliche Austausch mit ihren Freund*innen. Parallel dazu arbeitet die Stipendiatin an ihrer Dissertation in der Mikrobiologie. Sie untersucht die Antibiotika-Empfindlichkeit von Bakterien - angesichts zunehmender Resistenzen ein hochaktuelles Thema. Auch wenn Felicitas ihre berufliche Zukunft nicht im Labor sieht, schätzt sie die Möglichkeit, eigene Forschungsdaten zu erheben und die „Arbeit hinter den Kulissen“ kennenzulernen. Das Labor als Gegenpol zur Klinik eröffnet ihr einen Blick auf jene Prozesse, die später konkrete therapeutische Entscheidungen beeinflussen.
Auch Julius-Immanuel Lehm arbeitet an seiner Dissertation. Er forscht am Projekt „Mama denk an mich“ (MAMADAM), welches darauf abzielt, werdende Mütter von ihrer Methamphetamin-Abhängigkeit zu befreien. „Besonders interessiert mich daran, mich mit einem Problem zu beschäftigen, das jeden Tag stattfindet und doch oft unbemerkt bleibt“, erklärt er. Dass er überhaupt promoviert, ist für ihn keine Selbstverständlichkeit: „Hätte mir jemand vor 15 Jahren, als ich von der Förderschule kam und zu den leistungsschwächeren Schülern gehörte, gesagt, dass ich eines Tages Medizin studieren und promovieren würde, hätte ich das kaum für möglich gehalten“, staunt Julius. „Allein dort zu stehen, wo ich heute bin, empfinde ich daher bereits als großen persönlichen Erfolg“.
Obwohl sein Weg zum Medizinstudium alles andere als gerade verlief, zählt Julius nun zu den stärkeren Medizinstudierenden. Die Absicht, Arzt zu werden, entwickelte sich aus der Erkrankung seiner Mutter. Seine Erfahrungen aus dieser Zeit weckten in ihm nicht nur den Wunsch, Medizin zu verstehen, sondern auch den Traum, Medizin menschlicher zu gestalten. „Für mich gehören Wärme, Empathie und Menschlichkeit untrennbar zum ärztlichen Beruf“, ist er überzeugt. Ein Vorbild hatte er dabei lange direkt vor Augen: seinen Großvater, ein niedergelassener Hausarzt, der seine Patient*innen durch alle Höhen und Tiefen begleitete. „Er verkörperte für mich den Arzt, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt“, verrät Julius. Der Leitsatz seines Großvaters - „Ehrfurcht vor dem Leben“ von Albert Schweitzer - prägt Julius bis heute.
Für beide Stipendiat*innen des MB Sachsen ist Engagement kein Randthema, sondern Ausdruck ihres Selbstverständnisses als angehende Ärzt*innen. Ein Erfolg für Felicitas war es, im Rahmen ihrer Arbeit im Fachschaftsrat den zwischenzeitlich eingeschlafenen Lehrpreis ihrer Fakultät wiederzubeleben. Sie sorgte dafür, dass die Auszeichnung zum Sommerfest 2025 erneut vergeben werden konnte - als sichtbares Zeichen der Dankbarkeit für engagierte Lehre. „Die Freude und Wertschätzung, die damit ausgelöst wurde, hat mich sehr stolz gemacht“, strahlt sie.
Julius ist Teil der freiwilligen Feuerwehr und zudem in der Vereinsarbeit tätig. Nächtliche Einsätze sind für ihn keine Ausnahme. Im Rahmen seines Engagements begegnet er Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten. Gerade diese Erfahrungen außerhalb des klinischen Kontexts schärfen seinen Blick für die sozialen Hintergründe von Krankheit und Gesundheit - eine Perspektive, die er bewusst in seinen späteren Beruf mitnehmen möchte.
Die Zusammenarbeit mit dem MB Sachsen erlebt Felicitas weiterhin als verlässlich und partnerschaftlich. So unterstützte sie erneut die Durchführung des Berufseinstiegsseminars in Leipzig und brachte ihre Perspektive aus der Studierendenschaft aktiv ein. Umgekehrt stand der MB Sachsen bei Initiativen für ein Faires PJ tatkräftig an ihrer Seite. „Wenn wir Anliegen haben, können wir den MB immer um Unterstützung bitten, und es besteht immer Interesse an unseren Meinungen und Ideen“, sagt sie.
Julius hingegen lernt den MB Sachsen erst kennen - und verbindet damit klare Erwartungen: ein transparentes Miteinander, aktiver Einsatz für ein Faires PJ sowie Unterstützung beim Übergang vom Studium ins Berufsleben. Er freut sich auf einen starken Ansprechpartner an seiner Seite und ist gespannt darauf, den Marburger Bund als Interessenvertretung kennenzulernen.
Felicitas und Julius zeigen, wie viel Energie, Einsatzbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein im medizinischen Nachwuchs stecken. Das Deutschlandstipendium des MB Sachsen ermöglicht ihnen die nötige Entlastung, ihre Ziele nachhaltig zu verfolgen, ohne Chancen auf Engagement oder persönlichen Ausgleich zu verpassen. So wird das Stipendium weit mehr als nur finanzielle Förderung: Es wird zum Sprungbrett für Wissen, Verantwortung und persönliche Entwicklung.
Die vollständigen Interviews mit Julius und Felicitas lesen Sie hier.
