„Demokratie ist für uns Ärztinnen und Ärzte weit mehr als eine Staatsform. Sie ist Voraussetzung für Freiheit, Selbstbestimmung und Menschenwürde und steht damit für Werte, die zugleich zu den Grundfesten unseres ärztlichen Handelns gehören“, erklärte Dr. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes, zum heutigen Internationalen Tag der Demokratie.
„Ärztinnen und Ärzte behandeln Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrem Geschlecht oder ihrer gesellschaftlichen Stellung. Diese Prinzipien stehen im fundamentalen Gegensatz zu autoritären und rechtsextremen Vorstellungen. Mit Sorge beobachten wir, dass in rechtspopulistischen Debatten die Herkunft eines Menschen zunehmend zum Maßstab dafür gemacht wird, wer vermeintlich zu unserer Gesellschaft gehört und wer nicht. Eine solche Unterscheidung widerspricht unserem Verständnis von Menschenwürde und Gleichheit. Für uns ist klar: Die Würde eines Menschen und sein Anspruch auf gleiche Rechte stehen nicht zur Disposition.
In unserem Gesundheitswesen arbeiten Menschen unterschiedlichster Herkunft gemeinsam für ihre Patientinnen und Patienten. Medizin lebt zudem vom internationalen wissenschaftlichen Austausch, von unterschiedlichen Erfahrungen und davon, voneinander zu lernen.
Als Gewerkschaft vertritt der Marburger Bund die Interessen seiner Mitglieder auf dem Boden einer demokratischen Grundordnung, die Freiheits- und Arbeitnehmerrechte schützt. Diese Freiheiten sind keine Selbstverständlichkeit. Demokratie braucht Menschen, die für sie eintreten. Das gilt auch für uns Ärztinnen und Ärzte. Wir dürfen nicht schweigen, wenn Menschen ausgegrenzt, abgewertet oder allein aufgrund ihrer Herkunft beurteilt werden. Menschenwürde ist unteilbar – in unserer Gesellschaft insgesamt genauso wie in unseren Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen.
Zu einem demokratischen Gemeinwesen gehört auch eine verlässliche Daseinsvorsorge. Wer krank wird, muss darauf vertrauen können, die notwendige medizinische Behandlung zu erhalten. Dabei dürfen weder das Einkommen noch der Wohnort darüber entscheiden, ob und wann eine Ärztin oder ein Arzt erreichbar ist. Wenn Versorgungsmöglichkeiten aus Regionen verschwinden, entsteht mehr als ein gesundheitspolitisches Problem. Menschen verlieren Vertrauen in die Fähigkeit unseres Gemeinwesens, elementare Bedürfnisse zu sichern. Auch das schadet unserer Demokratie“, sagte Johna.
