„Die Bundesregierung sollte die gemeinsam beschlossene Einführung einer Zuckersteuer auf Softdrinks jetzt nicht grundsätzlich in Frage stellen. Mit den Empfehlungen der FinanzKommission Gesundheit liegt ein tragfähiger Vorschlag auf dem Tisch, der gesundheitspolitische Lenkungswirkung mit einer gezielten Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherung verbindet“, erklärte Dr. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes.
Empfohlen werde von der Kommission die Einführung einer gestaffelten Steuer auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke. Vorgesehen seien eine Besteuerung abhängig vom Zuckergehalt und Ausnahmen unter anderem für Getränke mit künstlichen Süßstoffen. Der jetzt bekannt gewordene Referentenentwurf aus dem Bundesfinanzministerium sehe ebenfalls eine gestaffelte Besteuerung vor, bleibe aber hinter der Empfehlung der Kommission zurück, die zu erwartenden Steuermehreinnahmen dem Gesundheitsfonds zur Verfügung zu stellen.
Der Marburger Bund setze sich seit Jahren für eine Zuckersteuer nach britischem Vorbild ein. „Eine nach dem Zuckergehalt gestaffelte Besteuerung schafft für Hersteller einen finanziellen Anreiz, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu reduzieren. Zugleich können die Einnahmen dazu beitragen, Prävention verlässlich zu finanzieren und die gesetzliche Krankenversicherung zu entlasten“, betonte Johna.
„Zuckergesüßte Getränke tragen erheblich zur Gesamtzuckeraufnahme bei. Ein regelmäßiger hoher Konsum erhöht das Risiko für Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, Fettleber, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karies. Insbesondere für Kinder und Jugendliche sind durch eine entsprechend ausgestaltete Steuer positive gesundheitliche Effekte zu erwarten.“
Dass eine nach dem Zuckergehalt gestaffelte Steuer präventiv wirken kann, zeigen auch die Erfahrungen aus Großbritannien. Dort haben viele Hersteller nach Einführung der Abgabe im Jahr 2018 ihre Rezepturen verändert. Nach den von der FinanzKommission Gesundheit ausgewerteten Daten ging die Kalorienaufnahme aus Softdrinks deutlich zurück, wobei der überwiegende Teil dieses Effekts auf die Reformulierung der Getränke zurückzuführen ist.
