Ausgangspunkt für den gemeinsamen Prozess war eine vom Marburger Bund durchgeführte Umfrage, die das Ausmaß von Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen insbesondere im ärztlichen Bereich deutlich gemacht hat. Auf Initiative des Marburger Bundes und der Deutschen Krankenhausgesellschaft wurde daraufhin ein gemeinsamer Runder Tisch eingerichtet, aus dem schließlich das jetzt beschlossene Leitbild hervorgegangen ist, das Grundsätze für eine respektvolle, sichere und diskriminierungsfreie Arbeitskultur definiert.
„Wir sprechen nicht über wenige bedauerliche Einzelfälle, sondern über ein strukturelles Problem. Wir brauchen deshalb unabhängige und vertraulich erreichbare Anlaufstellen sowie die Möglichkeit, Vorfälle anonym zu melden. Die Meldewege müssen leicht zugänglich und ihre Abläufe transparent sein. Wer sich beschwert oder als Zeugin oder Zeuge aussagt, braucht wirksamen Schutz vor beruflichen Nachteilen“, betont Dr. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes.
„Ein Leitbild allein verändert noch keine Kultur. Es kann aber der Ausgangspunkt für einen grundlegenden Wandel sein. Entscheidend ist, dass wir den darin formulierten Anspruch jetzt mit Leben füllen und nachhaltige Strukturen schaffen. Dazu gehört die Sensibilisierung für das Thema in den Krankenhäusern, gezielte Schulungen, die Verstetigung des Runden Tisches und Arbeitsgruppen, die sich mit den Strukturen und Arbeitsbedingungen in allen Berufsgruppen des Krankenhauses auseinandersetzen. Unser Ziel ist ein Arbeitsumfeld, in dem Respekt, Wertschätzung und ein diskriminierungsfreies Miteinander in allen Krankenhäusern selbstverständlich sind“, erklärt Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft.
- Leitbild für Respekt, Sicherheit und Gleichbehandlung(110.2 KB, PDF)
