• Kleine Teddys, große Wirkung: Ein Blick hinter die Kulissen

    Interview mit Julia Geroska von der Teddyklinik Homburg
    09.Januar 2026
    Homburg
    Mit viel Einfühlungsvermögen unterstützt die Teddyklinik Kinder dabei, Ängste vor Arztbesuchen und Krankenhausaufenthalten abzubauen. Einmal jährlich findet im Homburger Saalbau eine dreitägige Teddyklinik statt, bei der Kinder gemeinsam mit ihren Kuscheltieren spielerisch an medizinische Themen herangeführt werden.

    1. Seit wann gibt es die Teddyklinik Homburg und wie viele Studierende engagieren sich aktuell ehrenamtlich?

    Die Teddyklinik gibt es tatsächlich schon recht lange. Aktuell engagieren sich zwischen 40 und 60 Studierende über das gesamte Jahr hinweg in unterschiedlichen Teams. Unser harter Kern, der wirklich alles zusammenhält und organisiert, besteht aktuell aus 13 Personen.  Aber wenn wir unsere Teddyklinik durchführen, dann haben wir rund 160 Helferinnen und Helfer, die uns bei dem Projekt unterstützen.

    2. Wie sieht ein typischer Besuchstag in der Teddyklinik aus? Und gibt es besondere Highlights?

    Der Tag beginnt für die Kinder an unserer Anmeldung. Dort werden der Name des Kindes und der des Teddys aufgenommen, der Teddy wird gewogen und gemessen, seine Fellfarbe bestimmt und natürlich besprochen, was ihm fehlt. Der ausgefüllte Anamnesebogen kommt anschließend an eine Leine im Wartebereich, wo die Kinder malen oder spielen können, bis sie aufgerufen werden.

    Wenn ein Teddyarzt ein Kind mit Kuscheltier abholt, geht es weiter zum Untersuchungsplatz. Dort schauen wir uns den Teddy ganz genau an: Wir leuchten in die Augen, hören Herz und Lunge ab, testen die Reflexe, tasten den Bauch ab und erklären dabei immer, was wir tun, damit die Kinder verstehen, was passiert.

    Zu den besonderen Stationen gehören unser selbstgebautes CT, ein kleines Röntgengerät, das Teddy-EKG und natürlich unsere OP-Station. Dort dürfen die Kinder einen Blick ins Innere eines Teddys werfen und spielerisch etwas über Organe lernen. Sie tragen dabei sogar richtige OP-Kittel, was hilft, die „Angst vor dem weißen Kittel“ abzubauen. Ganz neu ist unsere Händedesinfektionsstation mit Schwarzlicht, die unglaublich gut angekommen ist.

    Wir haben auch einen echten Rettungswagen vor Ort, bei dem die Kinder das Blaulicht einschalten können, sich auf der Trage hineinrollen lassen können und einen Blick in die Schränke werfen können. Das ist auch immer sehr spannend.

    3. Wie reagieren die Kinder auf den spielerischen Arztbesuch? Gibt es Momente, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

    Die meisten Kinder haben unglaublich viel Freude. Sie spüren sofort, dass es spielerisch zugeht und sie keine Angst haben müssen. Natürlich gibt es auch schüchterne Kinder, die ein bisschen mehr Zeit brauchen. Aber gerade, wenn man diese am Ende zum Mitmachen motivieren kann, ist das ein besonders schönes Gefühl.

    Berührend sind Momente, in denen Kinder wiederkommen und sagen: „Ich war letztes Jahr auch schon hier.“ Oder wenn Eltern erzählen, dass ihre Kinder das ganze Jahr fragen, wann endlich wieder Teddyklinik ist. Ein Erlebnis ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Ein Kind, das wegen eigener medizinischer Vorgeschichte große Angst vor Ultraschall hatte, hat bei uns zum ersten Mal entspannt mitgemacht. Solche Augenblicke zeigen uns, dass die Teddyklinik wirklich etwas bewirken kann.

    4. Spielt das Projekt auch eine Rolle für Ihre spätere ärztliche Haltung oder Kommunikation?

    Auf jeden Fall. Man lernt unglaublich viel darüber, wie man mit Kindern spricht und wie man medizinische Abläufe laienverständlich erklärt. Gleichzeitig merkt man, wie viele Dinge im Arztberuf für Außenstehende verunsichernd sind, sei es ein kaltes Stethoskop oder ein unbekanntes Gerät. Diese Einsichten bekommt man sonst im Studium kaum. Zudem wächst man organisatorisch: Man lernt zu planen, im Team zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Das sind Fähigkeiten, die auch im späteren Berufsleben wichtig sind.

    5. Welche Bedeutung hat die Unterstützung von Sponsoren wie des Marburger Bundes Saarland für Sie? Und wie werden die Spenden eingesetzt?

    Ohne unsere Sponsoren wäre vieles gar nicht möglich und wir freuen uns immer wieder, wenn jemand auch im Folgejahr Sponsor werden möchte. Die Spenden fließen tatsächlich in nahezu alles, was man in der Teddyklinik sieht und auch in vieles, das man nicht sofort bemerkt. Dazu gehören die Verpflegung und T-Shirts für unsere Helfer, aber vor allem medizinisches Material: Stethoskope, Reflexhämmer, Spritzen, Tupfer, Mullbinden, Schienen, OP-Kittel, Hauben, Handschuhe oder Batterien für die Pupillenleuchten. Außerdem drucken wir jedes Jahr neue Anamnesebögen, Impfpässe und Malvorlagen. Auch Namensschilder und Stempel werden benötigt. Fast alle Bestandteile der Veranstaltung müssen entweder gekauft oder über Partner organisiert werden.

    6. Was sind die größten organisatorischen Herausforderungen bei der Durchführung der Teddyklinik?

    Der organisatorische Aufwand ist schon enorm. Viele unserer Teammitglieder beantworten täglich Mails und koordinieren Abläufe. Besonders herausfordernd ist die Akquise von Sponsoren, weil diese oft nur in bestimmten Zeiträumen spenden können und wir deshalb viel nachhalten müssen und Materialienbestellungen entsprechend koordiniert werden müssen.

    Für die eigentliche Durchführung der dreitägigen Teddyklinik sind wir zudem auf zahlreiche helfende Hände angewiesen. Wir freuen uns sehr, dass wir dabei auf die Unterstützung unserer Kommilitoninnen und Kommilitonen aus der Zahnmedizin zählen können, ebenso wie auf die tatkräftige Hilfe des AugenCentrums Homburg und die Stadt Homburg, die uns die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Und nicht zuletzt wären wir ohne unsere vielen Sponsoren nicht in der Lage, ein Projekt dieser Größe überhaupt zu realisieren.

     7. Welche Pläne hat die Teddyklinik Homburg für das kommende Jahr?

    2026 wird ein ganz besonderes Jahr für uns, denn wir dürfen im November den deutschlandweiten Teddyklinik-Kongress in Homburg auszurichten. Ein Treffen, bei dem sich alle Teddykliniken aus dem Bundesgebiet vernetzen, austauschen und weiterbilden. Darauf sind wir sehr stolz. Wir rechnen mit etwas über 100 Teilnehmenden und möchten ihnen nicht nur unsere Universität und die Stadt Homburg präsentieren, sondern auch ein abwechslungsreiches Seminarprogramm bieten, das sowohl organisatorische als auch medizinisch-fachliche Themen abdeckt.

    Zurzeit arbeiten wir intensiv an einem Konzept und sind dabei, Sponsoren zu gewinnen, damit der Kongress ein voller Erfolg wird. 

    Hinweis: 

    Wer die Teddyklinik gerne unterstützen möchte, kann sich gerne direkt an Frau Julia Geroska wenden unter: chef.teddyklinik@mzmh.de