• Medizinstudierende fordern faires PJ

    Pressemitteilung
    PJ-Barometer 2025
    18.Februar 2026
    Hamburg
    Rund ein Drittel der angehenden Ärztinnen und Ärzte denkt darüber nach, die kurative Medizin zu verlassen und sich neu zu orientieren. Das geht aus der Online-Umfrage „PJ-Barometer 2025“ des Marburger Bundes hervor, an der im November/Dezember 2025 bundesweit rund 1.800 Medizinstudierende im Praktischen Jahr (PJ) sowie Ärztinnen und Ärzte, deren PJ nicht länger als drei Jahre zurückliegt, teilgenommen haben.
    Mehrere hundert Medizinstudierende demonstrierten im Juni 2024 in Hamburg für ein faires Praktisches Jahr (PJ)
    Mehrere hundert Medizinstudierende demonstrierten im Juni 2024 in Hamburg für ein faires Praktisches Jahr (PJ)

    „Die Gesundheitsversorgung der Zukunft liegt maßgeblich in den Händen der heutigen Medizinstudierenden. Damit sie diesen anspruchsvollen Beruf erlernen und mit Freude ausüben können, müssen sich auch die Bedingungen im PJ ändern“, sagt Dr. Pedram Emami, 1. Vorsitzender des Marburger Bundes Hamburg. „Im Koalitionsvertrag wurden hierzu einige Versprechungen gemacht – es ist Zeit, dass Taten folgen.“

    55 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verbringen im Rahmen des ersten PJ-Tertials 40 bis 50 Stunden pro Woche im Krankenhaus. Knapp 50 Prozent erhalten dafür lediglich eine Aufwandsentschädigung zwischen 300 und 500 Euro. „Medizinstudierende im PJ wirken aktiv am Stationsalltag mit und sind damit ein relevanter Teil des Gesundheitswesens. Eine fehlende existenzsichernde Bezahlung trifft vor allem Studierende ohne finanziellen Rückhalt – und steht klar im Widerspruch zu echter Chancengleichheit“, betont Greta Klohk, Studierendenvertreterin des Marburger Bundes Hamburg. Über 77 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ihren Lebensunterhalt während des PJ mit Hilfe ihrer Familie finanzierten. Seit Jahren fordern der Marburger Bund und weitere Organisationen deshalb eine faire PJ-Aufwandsentschädigung in Höhe des BAföG-Höchstsatzes. 

    Angesichts der hohen Belastung während des PJ gaben knapp 65 Prozent der Befragten an, dass ihnen neben der praktischen Ausbildung nicht ausreichend Zeit zum Selbststudium bleibe. Die Qualität der Lehre im ersten PJ-Tertial wird überwiegend als sehr gut (18 %) und gut (36 %) bewertet, für rund 28 Prozent ist sie befriedigend, 12 Prozent bewerten sie als unbefriedigend und knapp 6 Prozent sogar als schlecht. „Bundesweit verbindliche PJ-Standards sind nötig – damit gute Lehre kein Zufall bleibt“, sagt Saman Keshtkaran, der sein PJ im letzten Jahr absolvierte. 

    45 Prozent der Teilnehmenden gaben an, dass sie die erlaubten 30 Fehltage während des PJ auch für Krankheitstage verwenden mussten. „Die fehlende Trennung von Krankheitstagen und Fehltagen aus anderen Gründen – einschließlich Urlaub – im PJ setzt viele stark unter Druck: Wer krank ist, verliert wichtige Erholungszeit oder erscheint im Extremfall trotz Krankheit im PJ, um sich keine weiteren Fehltage nehmen zu müssen. Die Fehlzeitenregelung muss verbessert und gerechter gestaltet werden“, ergänzt Tobias Bokowski, Studierendenvertreter des Marburger Bundes Hamburg.