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  • MBZ-Rubrik „Warum ich Betriebsrat bin respektive werden möchte?“ - Dr. Walter Imrich

    ÄRZTE SIND UNVERZICHTBAR - Nachgefragt 8 | Interview mit Dr. Walter Imrich (Klinikum Esslingen)

    (jz) In der MBZ-Rubrik „Warum ich Betriebsrat bin respektive werden möchte?“ schildern in Vorfeld der Betriebsratswahlen im kommenden Jahr Marburger-Bund-Mitglieder ihre Beweggründe, sich in der Mitarbeitervertretung zu engagieren. Diesmal erklärt sich Dr. Walter Imrich aus dem MB-Landesverband Baden-Württemberg. (MBZ 12/2017)

    Herr Dr. Imrich, was motiviert Sie zur Arbeit im Betriebsrat?

    Dr. Walter Imrich:
    Aus meiner Sicht ist die Vertretung der Ärzteschaft durch Ärztinnen und Ärzte im Betriebsrat unverzichtbar. Leider müssen wir immer noch feststellen, dass unsere Berufsgruppe in den Betriebsratsgremien viel zu wenig vertreten ist. Seit der Marburger Bund eigene arztspezifische Tarifverträge mit den Arbeitgebern abschließt, sind wir diejenigen die dessen Umsetzung in den Häusern am besten überprüfen können. Darüber hi­naus hat man als Betriebsrat die Möglichkeit viele Abläufe in der Klinik mitzugestalten. Das erfordert oft einen langen Atem und eine gewisse Konfliktbereitschaft.

    Warum ist der Betriebsrat wichtig?

    Dr. Imrich:
    Das Betriebsverfassungsgesetz bietet uns viele Möglichkeiten, untermittelbaren Einfluss auf die Arbeitsbedingungen unserer Kolleginnen und Kollegen zu nehmen. Hierbei kommt insbesondere der Mitbestimmung bei Arbeitszeitregelungen, Überstunden, Eingruppierung und Höhergruppierung, Urlaub, Arbeitssicherheit eine besondere Bedeutung zu. Wir wirken auch mit bei Personalplanung, Fortbildungsplanung, sozialen Einrichtungen wie Kindertagesstätten. Dies sind Bereiche, die für die Ärzteschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen. Ohne Zustimmung des Betriebsrats können diese Maßnahmen nicht umgesetzt werden. Dabei ist da­rauf hinzuweisen, dass die Maßnahmen immer in Rücksprache mit den Betroffenen umgesetzt werden. An dieser Stelle möchte ich noch mal betonen, dass ärztliche Dienstpläne nur von Ärztinnen und Ärzten am besten beurteilt werden können. Der Betriebsrat trifft sich regelmäßig zu Gesprächen mit der Geschäftsleitung. Viele Dinge können in diesem Rahmen geklärt werden.

    Was haben Sie als Betriebsrat (gemeinsam) bewegt?

    Dr. Imrich:
    In meiner langjährigen Tätigkeit erst als Personalrat und später als Betriebsrat kann ich auf einige Erfolge zu Gunsten der Mitarbeiter zurückblicken. So haben wir zum Beispiel viele Dienstpläne, die gegen Arbeitszeitgesetz und Tarifverträge verstoßen haben, verhindert, die Laufzeiten der ärztlichen Arbeitsverträge bei Kolleginnen und Kollegen in der Weiterbildung entsprechend dem „Gesetz über befristete Arbeitsverträge mit Ärzten in der Weiterbildung" angepasst, durch zähe Verhandlungen mit dem Arbeitgeber die Stellenpläne aufgestockt, bei steigender Belastung der Bereitschaftsdienste eine Höherstufung der Belastungsstufen erreicht, an der Gestaltung des Überleitungsvertrags vom Eigenbetrieb zur gGmbH mitgewirkt, den Verkauf des Klinikums an einen privaten Konzern verhindert – wofür der Betriebsrat den Betriebsrätepreis 2016 erhalten hat.

    Und dies sind nur einige Erfolge, die wir in den letzten Jahren erreicht haben. Es hat sich aus meiner Sicht gelohnt, sich zu engagieren.

    Werden Sie wieder kandidieren? Warum?

    Dr. Imrich:
    Ich werde nächstes Jahr erneut antreten. Das wird aber altersbedingt meine letzte Amtszeit sein. In der neuen Amtszeit möchte ich meine ärztlichen Nachfolger einarbeiten und ihnen meine Erfahrungen weitergeben. Denn nach wie vor ist es wichtig, ärztliche Kompetenz in den Betriebsräten zu haben. Ich glaube, dass die nächste Amtszeit von enormer Wichtigkeit ist, da voraussichtlich neue Tarifregelungen umzusetzen sind. Dabei möchte ich gerne mitwirken.

    Dr. Imrich, vielen Dank für das Interview.

    Zur Person
    Dr. Walter Imrich ist teilfreigestelltes Betriebsratsmitglied am Klinikum Esslingen. Außerdem ist der Oberarzt und Anästhesist leitender Notarzt im Landkreis Esslingen, darüber hi­naus Delegierter der Landesärztekammer der Landesärztekammer Baden-Württemberg, Vorsitzender des Marburger-Bund-Bezirks Nordwürttemberg und als solcher im MB-Landesvorstand. Ferner gehört er auf Bundesebene der Kleinen Tarifkommission an und ist Mitglied im Arbeitskreis Mitarbeitervertretung.

    Weitere Infoformationen finden Sie unter: www.marburger-bund.de/betriebsrat