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  • Ärztliches Handeln ist gefragt

    Klimaschutz
    30.Juni 2021
    Auf dem deutschen Ärztetag 2019 wurde über die Verantwortung der Ärzteschaft debattiert, sich für mehr Klimaschutz und ein klimabewusstes Handeln einzusetzen. Damit war nicht allein gemeint, dass Ärztinnen und Ärzte auf Flugreisen verzichten oder öfter das Auto stehen lassen sollten. Im Kontext der Forderung stand vielmehr die Schlussfolgerung, dass Klimaschutz auch Gesundheitsschutz ist.

    Die Pandemie hat diese Zusammenhänge noch einmal besonders verdeutlicht. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es begründete Annahmen, dass Zoonosen (wie beim Coronavirus vermutet) durch den Klimawandel häufiger werden. Auch wird angenommen, dass 15 % der Covid-Todesfälle auf Luftverschmutzung zurückgeführt werden können. Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit – besonders älterer Menschen – wird mittlerweile wissenschaftlich differenzierter untersucht. Aber auch ohne statistische Erfassung sehen die Kolleginnen und Kollegen zunehmend mehr Patienten mit Atembeschwerden, Exsikkose und Kreislaufproblemen. Ganz zu schweigen von den Entwicklungen in ärmeren Ländern südlicher Regionen, welche die Gesundheitssysteme vor kaum zu bewältigende Herausforderungen stellen werden. Dem Handeln der Ärzteschaft wird in Themen des Klimaschutzes eine besondere Vorbildfunktion zugeordnet. Dies zeigt sich nicht nur in der Expertise der klinischen Umweltmedizin, sondern auch als Multiplikator, wenn wir von Patienten oder der Presse um Rat gefragt werden. Wenn beachtet wird, dass der Gesundheitssektor mit 4,4 % an der globalen Treibhausproduktion beteiligt sein soll, kommt unserem Handeln eine besondere Bedeutung zu. Daher möchte ich die Kolleginnen und Kollegen ermutigen, sich in ihrem Tätigkeitsfeld nach Möglichkeiten zum Klimaschutz umzuschauen. Wenn Ihr Handeln z. B. dazu führt, dass in einer Klinik Co2-schonende Energieressourcen genutzt werden, haben Sie bereits ein vielfaches Ihrer lebenslangen privaten CO2-Emission eingespart (mit oder ohne Auto und Flugreise). Mittlerweile gibt es vom Umweltministerium geförderte Projekte, um sich beispielsweise zum Klimamanager für die Klinik weiterbilden zu lassen. Aber auch das Einsparpotenzial für/bei Praxen und MVZ ist enorm. Würde regelmäßig der Energieverbrauch von Servern, Klimaanlagen und Praxisgeräten hinterfragt, könnte viel Geld und Co2 eingespart werden – insbesondere wenn der hierfür genutzte Strom auch CO2-arm produziert wird. Doch auch weiterhin sollten wir alle Möglichkeiten zum Klimaschutz in unserem beruflichen und privaten Handeln nutzen – unserer Patienten wegen.

    Autor:

    Dr. med. Lars Bodammer ist Vorstandsmitglied im Marburger Bund Hessen und Präsidiumsmitglied der Landesärztekammer Hessen

    Der ungekürzte Originalartikel ist erstmals im Hessischen Ärzteblatt, Ausgabe 01/2021 erschienen.