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  • Die Zukunft der Arbeitsbedingungen mitgestalten

    Interview Betriebsrat
    21.Juli 2021
    Im Vorfeld der Betriebsratswahlen im kommenden Jahr schildern Mitglieder, warum sie sich in der Mitarbeitervertretung engagieren. Diesmal haben wir mit Dr. Franz-Josef Schmitz vom Uniklinikum Marburg gesprochen.

    Dr. Franz-Josef Schmitz: Als ich die Anfrage zum Interview zu den anstehenden Betriebsratswahlen im Mai 2022, erhalten habe, dachte ich: „Ach Du Schreck, was soll ich bloß auf die Fragen antworten?“ Zunächst habe ich gedacht, man muss den ärztlichen Kollegen/-innen mitteilen "lasst bloß die Finger davon“. Mit einem Engagement im Betriebsrat hat man gute Chancen, es sich mit der Geschäftsführung zu verderben und seine Karriere zu ruinieren. Aber so ist es nicht. Die Krankenhäuser und auch das ärztliche Berufsbild befinden sich in einem Wandel. Die Kolleginnen und Kollegen müssen verstehen, dass sie nur mit einem Engagement im Betriebsrat in der Zukunft ihre Arbeitsbedingungen mitgestalten können. Der Druck auf die Geschäftsführungen wird weiter zunehmen, und diese werden den Druck an die Beschäftigten weiter geben. Ein Engagement von Ärztinnen und Ärzten im Betriebsrat ist daher alternativlos.

    Was motiviert Sie zur Arbeit im Betriebsrat?

    Dr. Franz-Josef Schmitz: Meine Motivation für ein Engagement im Betriebsrat sind meine persönlichen Erfahrungen am Arbeitsplatz. Da war in der Vergangenheit nicht immer alles zum Besten gestellt. Willkür von Vorgesetzten, unbezahlte und nicht endende Überstunden und eine falsche Eingruppierung haben vor über 20 Jahren dazu geführt, dass ich mich engagiert habe. Dazu kam mir zugute, dass ich direkt nach der Approbation in den Marburger Bund Hessen eingetreten bin, so dass ich sofort Ansprechpartner hatte. Ich erinnere mich gerne an diese Zeit zurück. Da war ich noch schüchtern und habe mich kaum getraut, einmal etwas zu fragen. Mit der Zeit gewinnt man an Erfahrung und kann sich für die Kollegen/-innen einsetzen. Das sind zunächst kleine Erfolge, welche ohne den Betriebsrat nicht möglich gewesen wären.

    Warum ist der Betriebsrat wichtig?

    Dr. Franz-Josef Schmitz: Der Betriebsrat ist wichtig, weil humane Arbeitsbedingungen nicht vom Himmel fallen, sondern erkämpft werden müssen. Dazu überwacht der Betriebsrat die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen wie das Betriebsverfassungsgesetz, die Tarifverträge und den Arbeitsschutz. Das ist am Arbeitsplatz so wie „Demokratie im kleinen“. Aber keine Sorge, bei der Aneignung des notwendigen Wissens helfen einem die Kollegen/-innen vor Ort. Und wenn doch einmal eine juristische Frage zu klären ist, dann helfen einem die Verbandsjuristen des MB Hessen ganz unproblematisch.

    Was können Sie im Betriebsrat bewegen?

    Dr. Franz-Josef Schmitz: Es ist ganz wichtig, als Betriebsrat der erste Ansprechpartner für die Kollegen/-innen vor Ort zu sein. Dazu muss die Ansprechschwelle niedrig gehalten werden. Und das trifft sich mit einer ganz wichtigen ärztlichen Eigenschaft: einfach mal den Mund halten und zuhören, wo der Schuh drückt. Die Kollegen/-innen wollen ernst genommen werden. Da kann man in Gesprächen mit der Personalabteilung oder der Geschäftsführung häufig schnell Abhilfe schaffen. Egal, ob es sich um nicht genehmigte Überstunden, eine Versetzung oder einen nicht genehmigten Urlaub handelt. Oft ist es erstaunlich, wie wenig die Personalverantwortlichen in den Kliniken über die gesetzlichen Grundlagen und die Mitbestimmung wissen. Da genügt häufig ein kleiner Hinweis, um Verbesserungen zu erreichen.

    Werden Sie wieder kandidieren?

    Dr. Franz-Josef Schmitz: Für mich ist die Arbeit im Betriebsrat wie ein Lebenselixier. Ich bin jetzt 62 Jahre alt, wenn ich gesund bleibe, mache ich weiter. Ich blicke auf eine lange berufliche Karriere zurück. Die Verantwortung stand für mich immer an erster Stelle, ob dies nun im OP, im Kreissaal oder im Betriebsrat ist. Wir Ärztinnen und Ärzte müssen uns unserer Verantwortung in einer sich ändernden Krankenhauswelt und Gesellschaft stellen. Unser Berufsbild entwickelt sich weiter. Je eher wir dies realisieren, umso mehr haben wir die Ärztinnen und Ärzte die Chance, diese Zukunft für uns mit zu gestalten. In mir brennt noch das Feuer und das Ideal der ersten Berufsjahre. Wenn Du Dich der Realität nicht stellst, dann bist Du verloren.

    Zur Person: Dr. Franz-Josef Schmitz ist Oberarzt am Uniklinikum Marburg und seit 2006 Mitglied im Betriebsrat.

     

    Autor: mn