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  • Ärztinnen und Ärzte an hessischen Universitätskliniken zum Warnstreik aufgerufen

    Pressemitteilung
    Streikvorbereitungen laufen bereits
    29.Januar 2020
    Zunehmende Arbeitsverdichtung, kaum Pausen und Berge von (unbezahlten) Überstunden – die MB-Umfrage zeichnet ein schlechtes Bild der universitären Arbeitsbedingungen

    Warnstreik am 4. Februar 2020 
     
    Der Marburger Bund Hessen ruft seine Mitglieder an den hessischen Universitätskliniken (Gießen-Marburg und Frankfurt) für den 4. Februar 2020 zu einem ganztägigen Warnstreik auf. Hintergrund des Streiks ist die aktuelle Tarifrunde mit dem Land Hessen (zuständig für das Universitätsklinikum Gießen-Marburg) und der Goethe-Universität (Universitätsklinikum Frankfurt).  

    Gefordert ist eine spürbare Verbesserung der Arbeit zu besonders belastenden Zeiten (Nacht- und Sonntagszuschläge), Anhebung von Kinderzuschlägen, eine Tarifsteigerung von 6,9 % sowie die versprochene Fortführung des so genannten Landestickets. In den beiden bisherigen Verhandlungsrunden sind keine entscheidenden Fortschritte gemacht worden, daher kommt es nun zu einem Warnstreik. Die dritte Verhandlungsrunde ist auf den 27. Februar 2020 terminiert. 

    Der Tarifvertrag (TV-Ärzte Hessen) gilt für mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte (Zahnärztinnen und Zahnärzte). Außerhalb Hessens gilt an den Universitätskliniken der Tarifvertrag zwischen Marburger Bund und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL). In diesem Tarifgebiet wird es am 4. Februar 2020 deutschlandweit ebenfalls zu einem Warnstreik mit einer Zentralkundgebung in Hannover kommen. 
     
    Umfrage unter den hessischen Uniärztinnen und -ärzten 
     
    Aktuell führt der Marburger Bund Hessen eine Befragung zu den Themen Gesundheitsschutz, Beruf und Familie sowie Forschung und Lehre unter seinen Mitgliedern durch.  
     
    Der Rücklauf ist enorm. An der noch laufenden Umfrage haben aktuell bereits mehr als 800 der insgesamt mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte (Zahnärztinnen und Zahnärzte) der Unikliniken Gießen, Marburg und Frankfurt teilgenommen. Die erste Bilanz zeigt ein extrem hohes Maß an Unzufriedenheit bei den Beschäftigten.  
     
    Der überwiegende Teil der bisherigen Antworten ergibt, dass

    • die Arbeitszeit nicht ausreicht, um die tägliche Arbeit zu erledigen,
    • Privat- und Arbeitsleben aufgrund der Arbeitsbelastung leidet,
    • gesetzlich vorgeschriebene Pausen nicht genommen werden können und trotzdem von der geleisteten Arbeitszeit abgezogen werden.

    Besonders erschreckend ist die Situation bei der Erfassung der Arbeitszeiten und bei Überstunden. Deutlich mehr als die Hälfe der bisher Befragten gab an, dass es ihnen nicht möglich ist, ihre gesamte Arbeitszeit zu erfassen und schon davon abgehalten wurde, Überstunden überhaupt aufzuzeichnen.   

    Da verwundert es nicht, dass insbesondere am privatisierten Universitätsklinikum Gießen-Marburg (UKGM) mehrere zehntausende ärztliche Überstunden entgegen tariflicher Bestimmungen nicht ausgezahlt, sondern als riesiger Berg vor sich hergeschoben werden. UKGM, aber auch das Land Hessen als Arbeitgeber der dortigen Ärztinnen und Ärzte ignorieren hier klare tarifliche Regelungen zum Ausgleich dieser Stunden.  
     
    Die Ergebnisse zeigen auch, dass sich Hessen mit der international anerkannten Leistungsfähigkeit in Forschung und Lehre schmückt, die Interessen derjenigen, die dies tagtäglich leisten, aber vernachlässigt. Der weit überwiegende Teil der bisher Befragten gibt an, Forschung in der Freizeit betreiben zu müssen. Auch für die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses steht für die meisten  innerhalb der Arbeitszeit selten bis nie ausreichend Arbeitszeit zur Verfügung, obwohl auch dies Dienstaufgabe ist. 
     
    Der Marburger Bund Hessen wird nach Beendigung der Umfrage mit den Ergebnissen auf die Vertreter des Landes und der Universitätskliniken zugehen.