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  • Was macht wirklich sicher?

    Pressemitteilung
    Kommentar von Dr. Susanne Johna zum Welttag der Patientensicherheit
    17.September 2019

    Am 17. September jährt sich wieder einmal der Welttag der Patientensicherheit. Anlass für viele sich zu diesem Thema zu äußern, die sich sonst eher weniger damit beschäftigen. Und sicherlich werden wir erneut mit Schlagzeilen und Bezügen auf die Bertelsmann-Studie konfrontiert, die suggerieren, dass große Kliniken prinzipiell eine bessere Patientenversorgung anbieten. Dann werden wieder Begriffe wie Qualitätssicherung und Patientensicherheit undifferenziert gleichgesetzt, höhere Zahlen für Mindestmengen gefordert oder eine noch größere Kontrolldichte durch den MDK. Selten aber wird thematisiert, dass Patientensicherheit entscheidend von ganz anderen Faktoren abhängt.

    Zuallererst müssen sich das ärztliche, pflegerische und therapeutische Personal mit ausreichender Zeit dem individuellen Patienten widmen können. Die Kunst der Anamnese, die geschulte Kommunikation mit dem Patienten sind Techniken, die man erlernen muss und die ohne ausreichendes Zeitkontingent zwangsläufig fehleranfällig sind. Ebenso kann ein medizinischer Eingriff durch Training und viel Erfahrung so optimiert durchgeführt werden, dass auch im Sinne des Patienten wichtige Zeit eingespart werden kann: Narkosezeit, Durchleuchtungszeit usw.

    Wird aber die Ärztin, der Arzt während des Eingriffs mehrfach durch Fragen bezüglich anderer Patienten oder organisatorischer Abläufe gestört, führt die Arbeitsverdichtung zu Ablenkung und dies wiederum zu potentiellen Fehlern. Ich bin daher der festen Überzeugung, dass kein Faktor die Patientensicherheit so sehr gefährdet wie der Zeitmangel des ärztlichen und pflegerischen Personals.

    Ein Zeitmangel, welcher einer Kommerzialisierung der Gesundheitsversorgung geschuldet ist, die nicht nur direkt zu Personalabbau führt, sondern auch dazu, dass Zeit investiert wird für Maßnahmen, von denen Patienten nicht profitieren – und schlimmer noch: Maßnahmen sogar unterlassen werden, von denen Patienten profitieren würden.

    Die Ärzteschaft insbesondere in Deutschland hat über viele Jahre erfolgreiche Instrumente entwickelt, die die Patientensicherheit erhöhen: Checklisten, internes Qualitätsmanagement, Peer-Review, Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen, um nur einige zu nennen. Letztendlich schützt aber den individuellen Patienten nichts mehr als die Ärztin, der Arzt, die nicht nur alle notwendigen Fähigkeiten erlernt haben und durchführen, sondern auch hinterfragen, welche Versorgung die beste im Sinne des Patienten ist. Dafür braucht es vor allem eines: Zeit!

    Die entscheidende Botschaft am Welttag der Patientensicherheit muss also lauten: Jede Tätigkeit, die ärztliches und pflegerisches Personal von der direkten Patientenversorgung abhält, muss daraufhin überprüft werden, ob diese Tätigkeit tatsächlich von Ärzten/Pflegekräften erbracht werden muss. Die abrechnungsinduzierte Dokumentationsflut, der größte Teil der externen Qualitätssicherung, fehlende Kompatibilität in EDV-Systemen, das alles sind Zeitschlucker, die im Sinne der Patientensicherheit endlich auf den Prüfstand gehören. Diese Maßnahmen, ergänzt durch eine Ausbildungsoffensive bei den Gesundheitsfachberufen, würden die Patientensicherheit tatsächlich erhöhen.

     

    Hintergrund zum Welttag der Patientensicherheit

    Die Weltgesundheitsversammlung hat den 17. September zum Welttag der Patientensicherheit erklärt. Zugleich hat sie die WHO aufgefordert, einen Aktionsplan auszuarbeiten um die Patientensicherheit global zu verbessern und zu gewährleisten. Zusätzlich soll diese die Länder beim Aufbau nationaler Kapazitäten zur Bewertung, Messung und Verbesserung der Patientensicherheit technisch unterstützen, um Patientenschäden im Gesundheitswesen zu verringern.