„Ich möchte einfach meine Arbeit machen können – mit Respekt.“

Kampagne: "Wer hilft, verdient Respekt."
16.September 2026
Hannover
Malte Feurer unterstützt die Kampagne „Wer hilft, verdient Respekt“ als ärztliches Testimonial und macht sich für einen respektvollen Umgang im Gesundheitswesen stark. Als Chefarzt in den Zentralen Notaufnahmen der KRH-Kliniken Robert Koch Gehrden und Neustadt am Rübenberge erlebt er täglich, wie schnell angespannte Situationen eskalieren können. Im Interview spricht er darüber, was sich im Umgang miteinander verändert hat und warum Respekt für ihn keine besondere Anerkennung, sondern eine Selbstverständlichkeit ist.
Setzt ein Zeichen für ein faires Miteinander: Malte Feurer, ärztliches Gesicht der Kampagne. Foto: MS Niedersachsen
Setzt ein Zeichen für ein faires Miteinander: Malte Feurer, ärztliches Gesicht der Kampagne. Foto: MS Niedersachsen

Als wir Sie gefragt haben, ob Sie die Kampagne gegen Gewalt im Gesundheitswesen als Testimonial unterstützen, haben Sie ohne zu zögern zugesagt. Was hat Sie dazu bewogen, der Kampagne Ihr Gesicht und Ihre Stimme zu geben?

Ich fand es wichtig, ein Zeichen zu setzen und auf die Situation der Beschäftigten im Gesundheitswesen aufmerksam zu machen. Was mich an der Kampagne besonders angesprochen hat, ist, dass mit authentischen Testimonials gearbeitet wird und die Botschaft zum Nachdenken über das eigene Verhalten anregt, anstatt mit dem erhobenen Zeigefinger Verbote auszusprechen.

Als Chefarzt zweier Zentraler Notaufnahmen arbeiten Sie in einem Bereich, in dem Beschäftigte besonders häufig mit Grenzüberschreitungen und Gewalt konfrontiert sind. Wie erleben Sie das in Ihrem beruflichen Alltag?

Gewalt hat viele Gesichter und wird von jedem Mitarbeitenden auch individuell unterschiedlich wahrgenommen. Das Spektrum beginnt bei Unfreundlichkeit und herablassendem Verhalten und reicht über Beschimpfungen und die Androhung juristischer oder persönlicher Konsequenzen bis hin zu körperlichen Übergriffen – vom unerlaubten Anfassen bis zum tätlichen Angriff.

Der MB-Monitor Niedersachsen 2024 zeigt, dass auch viele Ärztinnen und Ärzte in Niedersachsen eine Zunahme von Gewaltvorfällen wahrnehmen. Haben sich aus Ihrer Sicht der Umgangston und das Verhalten von Patientinnen, Patienten und Angehörigen in den vergangenen Jahren verändert?

Auch in meiner Wahrnehmung ist die Hemmschwelle, Gewalt oder andere Formen der Grenzüberschreitung anzuwenden, in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. In Notaufnahmen, auf den Stationen und in Praxen werden die Beschäftigten zunehmend als reine Dienstleister gesehen – mit der Erwartung, dass das Geforderte unmittelbar und genau wie gewünscht zu erfolgen hat. Das mag an einer Pommesbude funktionieren. Medizin funktioniert aber anders.

Die Kampagne steht unter dem Motto „Wer hilft, verdient Respekt“. Was bedeutet dieser Satz für Sie persönlich?

Ich möchte für das, was ich in meinem Beruf für andere Menschen tue, nicht angegangen, bepöbelt oder angegriffen, aber auch nicht gefeiert werden. Ich möchte einfach, dass man mir mit dem ganz normalen Respekt begegnet, den jeder Mensch verdient, und mich meine Arbeit machen lässt. Ich denke, das wünschen sich alle Beschäftigten im Gesundheitswesen.

Was wünschen Sie sich für den Umgang miteinander im Gesundheitswesen – und welche Botschaft möchten Sie den Menschen mit der Kampagne mit auf den Weg geben?

Ich würde mir wünschen, dass alle in Stresssituationen gedanklich einen Schritt zurücktreten und sich fragen, in welcher Situation sich das Gegenüber gerade befindet. Wenn wir versuchen, die Perspektive des anderen einzunehmen, kann das viel zu einem respektvollen Umgang miteinander beitragen. Letztlich arbeiten wir alle mit Menschen – und genau so sollten wir uns auch begegnen.

 

Herr Feurer, vielen Dank für das Gespräch! Wir freuen uns, gemeinsam mit Ihnen ein Zeichen für mehr Respekt im Gesundheitswesen zu setzen!

Die Fragen stellte Anna Dierking, MB Niedersachsen.