
Der Tarifabschluss im Januar 2024 schürte Zuversicht: Das Klinikum Wilhelmshaven erreichte nach langem Ringen endlich das Tariflohnniveau des TV-Ärzte/VKA . Das erklärte Ziel, auch zukünftig nicht den Anschluss zu verlieren, blieb allerdings aus. Tatsächlich warten die Ärzt*innen nunmehr seit rund anderthalb Jahren und drei ausgebliebenen Tariflohnerhöhungen (+4% ab 01.04.2024, +4% ab 01.07.2024, +2% ab 01.08.2025) auf die erwartete Tarifangleichung. Der Anschluss an die Kolleg*innen in kommunalen Häusern ist inzwischen in weite Ferne gerückt – monetär als auch im Hinblick auf die anderswo längst bestehenden tariflichen Regelungen zur Verringerung der Dienstbelastung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
„Nach der Einigung in 2024 waren wir zuversichtlich, dass das Klinikum zumindest in Entgeltfragen den Anschluss an die anderen Häuser der Region nicht verliert“, sagt Christian Dieck, Rechtsanwalt beim Marburger Bund Niedersachsen. „Umso enttäuschender und frustrierender ist die momentane Situation für die betroffenen Ärztinnen und Ärzte des Klinikums.“
Hauptforderung des Marburger Bundes ist die Angleichung an TV-Ärzte/VKA, insbesondere bei Entgelttabellen sowie der Übernahme ausgewählter Entlastungsregelungen, die im Haustarifvertrag Wilhelmshaven bislang fehlen (z. B. Begrenzung der Wochenendarbeit und Bereitschaftsdienste, ein zusätzlicher Urlaubstag).
„Das Arbeitgeberangebot umfasst aktuell rund 50 Prozent dessen, was der TV-Ärzte/VKA seit 2024 vorsieht. Die Ärzt*innen am Klinikum Wilhelmshaven arbeiten damit weiter unter Tariflohn.Viele sehen sich als Ärzt*innen „zweiter Klasse“, der Frust ist enorm“, schildert MB-Rechtsanwältin Leonie Stania, die gemeinsam mit Christian Dieck die Verhandlungen seitens des Marburger Bundes führt.
„Als Träger hat die Stadt Wilhelmshaven eine klare Finanzierungspflicht. Ohne diese wird jede Angleichung an TV-Ärzte/VKA langfristig nur auf dem Papier stehen bleiben“, betont Dieck.
Die Verhandlungsparteien trennten sich diese Woche ergebnislos. Die Ärztegewerkschaft wird das Ergebnis in ihren Gremien bewerten und das weitere Vorgehen festlegen.
Fazit: Das Klinikum muss zu einem zukunftsfähigen Kurs finden, der faire Bedingungen für die Ärzt*innen bietet. Andernfalls drohen weitere Attraktivitätsverluste gegenüber tarifgebundenen Häusern, mit negativen Folgen für Patient*innen und Versorgungssicherheit.
PM vom 26. März 2024: Tarifabschluss für Ärzt*innen
Fotos von RAin Leonie Stania und RA Christian Dieck stellen wir Ihnen in druckfähiger Auflösung gern bereit.