„Krankenhäuser gehören zur kritischen Infrastruktur und müssen auch bei 38 Grad im Schatten ein sicherer Ort für Genesung und medizinische Versorgung bleiben. Wenn Patient*innenzimmer zu Brutkästen werden, gefährdet das den Genesungsprozess schutzbedürftiger Menschen unmittelbar und bringt die Kolleg*innen an ihre physischen Leistungsgrenzen“, betont Andreas Hammerschmidt, Zweiter Vorsitzender des Marburger Bundes Niedersachsen. „Guter Hitzeschutz ist keine Komfortfrage und kein Nice-to-have, sondern elementarer Patient*innen- und Arbeitsschutz. Wir fordern das Land Niedersachsen auf, die Kliniken bei den notwendigen Investitionen in Kältetechnik, bauliche Verschattung und moderne Lüftungssysteme nicht allein zu lassen. Die Häuser können diese massiven Kosten unmöglich aus dem laufenden Betrieb und den Fallpauschalen stemmen.“
Um die stationäre Versorgung nachhaltig krisenfest aufzustellen, formuliert der Landesverband fünf zentrale Forderungen:
- Zweckgebundenes Investitionsprogramm „Klimaresiliente Kliniken“: Das Land Niedersachsen muss ein Sonderförderprogramm auflegen, um die notwendige bauliche und energetische Sanierung der Kliniken vollständig zu finanzieren.
- Verbindliche bauliche Kühlungs- und Verschattungsstandards: Gesetzliche Vorgaben müssen sicherstellen, dass bei Neu- und Umbauten außenliegender Hitzeschutz, moderne Lüftungskonzepte sowie passive und aktive Kühloptionen, beispielsweise auch für Normalstationen, verpflichtend integriert werden.
- Etablierung verbindlicher einrichtungsinterner Hitzeaktionspläne: Jede Klinik muss über standardisierte Notfallpläne verfügen, die beim Überschreiten definierter Temperatur-Schwellenwerte greifen. Dazu gehören unter anderem ein engmaschiges Flüssigkeitsmonitoring bei vulnerablen Patient*innengruppen und Kühlkonzepte für hitzeempfindliche Medikamente.
- Konsequenter Arbeitsschutz und Anpassung der Abläufe: Schutzmaßnahmen für das Klinikpersonal müssen flächendeckend verankert werden. Dazu gehören ein uneingeschränkter Zugang zu ausreichend Kaltgetränken, klimatisierte Ruheräume für Bereitschaftsdienste sowie die konsequente Einhaltung ausreichender Pausenregelungen.
- Stärkung und Entlastung der Notaufnahmen: Da Hitzewellen regelmäßig zu einem deutlichen Anstieg von Notfalleinweisungen führen, müssen Notaufnahmen in Hitzephasen personell gestärkt und durch die längst überfällige Notfallreform endlich entlastet werden.
„Wir erleben es in den Sommermonaten immer deutlicher: Hitzewellen treiben die Zahl der Notaufnahmen dramatisch in die Höhe – von lebensbedrohlichem Flüssigkeitsmangel bis hin zur akuten Überlastung des Herz-Kreislauf-Systems, insbesondere bei älteren und chronisch kranken Menschen“, ergänzt Hans Martin Wollenberg, Erster Vorsitzender des Marburger Bundes Niedersachsen. „Gleichzeitig arbeiten Ärzt*innen und Pflegende in vielen Bereichen unter Raumtemperaturen, die ihre Gesundheit und Konzentrationsfähigkeit erheblich belasten. Wir brauchen in jeder niedersächsischen Klinik praxistaugliche, verbindliche Hitzeaktionspläne. Dazu gehören gekühlte Ruheräume für Bereitschaftsdienste, standardisierte Schutzmaßnahmen für das Personal und eine rechtzeitige Entzerrung von Abläufen. Hitzeschutz muss endlich als fester Bestandteil des klinischen Risikomanagements und des Arbeitsschutzes verankert werden.“
