Erfahrungen der MB-Mitglieder gaben den Anstoß
Den entscheidenden Impuls für die Kampagne gaben die Ergebnisse des MB-Monitors Niedersachsen 2024. Sie machten deutlich: Für viele Ärztinnen und Ärzte gehören Gewalt und Grenzüberschreitungen zum Berufsalltag – mit steigender Tendenz. Fast 90 Prozent haben an ihrem Arbeitsplatz bereits verbale Gewalt erlebt, mehr als die Hälfte hat dort auch körperliche Gewalt erfahren.
Im Februar 2025 stellte der Landesverband die Ergebnisse gemeinsam mit seinen Forderungen an die Landespolitik in der Landespressekonferenz Niedersachsen vor. Medieninteresse und Resonanz waren groß: Niedersachsens Sozialminister Dr. Andreas Philippi kündigte noch am selben Tag einen niedersächsischen Anti-Gewalt-Gipfel an.
Unter seiner Schirmherrschaft kamen im April und September 2025 Vertreterinnen und Vertreter des Niedersächsischen Sozialministeriums, des Marburger Bundes Niedersachsen, der Ärztekammer Niedersachsen, der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen und der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft zu zwei Anti-Gewalt-Gipfeln zusammen.
Gemeinsam entwickelten sie ein Maßnahmenpaket, das physische und psychische Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheitswesen in Krankenhäusern und Arztpraxen eindämmen soll. Dazu gehörte auch eine Bundesratsinitiative, mit der Niedersachsen härtere Strafen für Übergriffe gegen medizinisches und pflegerisches Personal forderte. Der Bundesrat beschloss die Initiative im November 2025. Anfang 2026 folgte auf Bundesebene ein weiterer Schritt: Ein Referentenentwurf sieht einen besseren strafrechtlichen Schutz für Beschäftigte im Gesundheitswesen vor.
Aus den gemeinsamen Gesprächen ging auch die Idee einer landesweiten Kampagne hervor, die anschließend gemeinsam von den Kommunikationsverantwortlichen der beteiligten Verbände und Institutionen entwickelt wurde und nun umgesetzt wird.
Im Zentrum der Kampagne steht eine klare Botschaft:
„Wer hilft, verdient Respekt.“
Damit richtet die Kampagne den Blick darauf, was ein faires Miteinander ausmacht – gerade in angespannten und emotional aufgeladenen Situationen. Denn medizinische Versorgung lebt von Teamarbeit und der Begegnung zwischen Menschen. Respekt ist die Grundlage dafür.
Damit die Botschaft möglichst viele Menschen erreicht, wird die Kampagne dort sichtbar, wo Menschen im Alltag unterwegs sind. Plakate und Postkarten werden in Krankenhäusern und Arztpraxen zum Einsatz kommen, digitale Motive unter anderem in Apotheken, Pflegeeinrichtungen, an Bahnhöfen und im öffentlichen Nahverkehr. Auch im Kino werden Spots der Kampagne zu sehen sein. Die beteiligten Akteur*innen tragen die Botschaft zudem über ihre eigenen Kommunikationskanäle weiter.
Drei Gesichter für eine gemeinsame Botschaft
Drei Menschen aus dem Gesundheitswesen geben der Kampagne ein persönliches Gesicht: Ein Arzt, eine Pflegekraft und eine Medizinische Fachangestellte stehen stellvertretend für die vielen Menschen, die jeden Tag im Gesundheitswesen für andere da sind. Für den ärztlichen Part konnte der Marburger Bund Niedersachsen Malte Feurer, chefärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahmen der KRH-Kliniken Gehrden und Neustadt, gewinnen (s. Interview).
Offizieller Startschuss ist gefallen
Am 16. September wurde die Kampagne bei einer Pressekonferenz in der Landespressekonferenz Niedersachsen offiziell vorgestellt. Nun soll ihre Botschaft in ganz Niedersachsen sichtbar werden – auch an den Orten, an denen täglich Menschen für die Gesundheit anderer da sind. Der Landesverband übernimmt gemeinsam mit den beteiligten Organisationen und Verbänden den Versand der Materialien an die Krankenhäuser und Praxen in Niedersachsen.
Gemeinsam setzen der Marburger Bund Niedersachsen und die beteiligten Organisationen und Verbände damit ein sichtbares Zeichen für ein faires und respektvolles Miteinander im Gesundheitswesen.
Weiterführende Links
- 16.09.2026, Pressemeldung des Nds. Gesundheitsministeriums: Start der landesweiten Kampagne „Wer hilft, verdient Respekt.“
- 12.02.2025, MB-Monitor 2024 Niedersachsen - Ärzt*innen-Umfrage in Niedersachsen: Alarmierende Belastungen
- 19.05.2025, 1. Anti-Gewalt-Gipfel: „Null Toleranz bei Gewalt gegen medizinisches Personal!“
- 09.09.2025, 2. Anti-Gewalt-Gipfel: Marburger Bund unterstützt Bundesratsinitiative - Gemeinsam für mehr Sicherheit und Respekt
