Keine Tagesordnung, keine langen Vorträge, keine festen Arbeitsgruppen. Stattdessen ein großer Raum, viele engagierte Ärztinnen und Ärzte sowie eine Frage: Was muss sich am Tarifvertrag für Universitätskliniken wirklich ändern?
Genau darum ging es beim ersten Open Space Uniklinik des Marburger Bundes in Frankfurt. Ärztinnen und Ärzte aus den Universitätskliniken im gesamten Bundesgebiet erarbeiteten gemeinsam Ideen für die Weiterentwicklung des TV-Ä (TdL). Mit dabei waren auch zwei Mitglieder aus Thüringen: Dr. Philipp Sänger und Dr. Christian Kirchberg.
Das Besondere am Format: Die Themen kamen nicht von oben, sondern von den Teilnehmenden selbst. In wechselnden Gruppen wurde diskutiert, hinterfragt und weitergedacht. „Man konnte sich jederzeit von Thema zu Thema bewegen und überall locker ins Gespräch kommen“, beschreibt Dr. Sänger das Event. Statt eines starren Programms gab es einen offenen und produktiven Austausch.
Schnell zeigte sich, dass es den Teilnehmenden nicht in erster Linie um höhere Entgelte ging. Im Mittelpunkt standen vielmehr grundlegende Veränderungen der Arbeitsbedingungen. Diskutiert wurden unter anderem eine manipulationssichere Arbeitszeiterfassung, die vollständige Dokumentation und Vergütung von Überstunden sowie eine Modernisierung veralteter Dienstmodelle. Auch der Qualität der Weiterbildung, ausreichend Zeit für Forschung und Lehre sowie der Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurde sich gewidmet. „Wir sind uns einig, dass strukturelle Verbesserungen dringend notwendig sind“, fasst Dr. Kirchberg zusammen.
Warum diese Themen den Teilnehmenden so wichtig waren, bringt Dr. Sänger auf den Punkt: „Wir erreichen die hohe Qualität der Universitätsmedizin häufig trotz und nicht wegen der bestehenden Arbeitsbedingungen.“ Gerade die Situation von Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung mit befristeten Verträgen, fehlender Planungssicherheit und hoher Arbeitsbelastung müsse stärker berücksichtigt werden.
Für das UKJ nehmen die Ärzte konkrete Impulse mit. Die Arbeitszeiterfassung bleibe ein wichtiges Thema. „Wir sollten außerdem mehr Ressourcen in den fachübergreifenden Austausch zwischen uns Ärztinnen und Ärzten investieren. Nur so können Gewerkschaftsarbeit und Tarifvertrag wirklich ‚gelebt‘ werden“, betont Dr. Kirchberg.
In welchem Umfang die gesammelten Ideen ihren Weg in die nächsten Tarifverhandlungen finden, wird sich zeigen. Einig sind sich beide Teilnehmer aber darin, dass der Open Space Uniklinik ein wichtiger Schritt war, um die Erfahrungen der Mitglieder unmittelbar in die Tarifpolitik einzubringen. Jetzt komme es darauf an, die Vorschläge zu bündeln, Prioritäten zu setzen und daraus konkrete Forderungen zu entwickeln.
Und wie fällt das persönliche Fazit aus? Durchweg positiv. „Ich war zunächst skeptisch, musste dann aber überrascht feststellen, wie gut das Ganze funktioniert hat“, blickt Dr. Sänger zurück. Auch Dr. Kirchberg zeigt sich zufrieden: „Es war durchweg ein sehr konstruktiver, angenehmer und kollegialer Austausch.“ Ob die beiden wieder an einem Open Space teilnehmen würden? Die Antwort ist eindeutig: „Jederzeit.“
Die vollständigen Interviews lesen Sie hier.
