Die Ergebnisse der Befragung unter 317 Ärztinnen und Ärzten am UKR zeichnen ein alarmierendes Bild: Bereits heute erleben viele Befragte die personelle Situation als Risiko für eine sichere Patientenversorgung. Weitere Einsparungen beim ärztlichen Personal sind vor diesem Hintergrund nicht vertretbar. Der Marburger Bund Bayern fordert deshalb einen klaren Kurswechsel in der Personalpolitik des UKR und sieht auch den Freistaat Bayern in der Verantwortung.
„Natürlich müssen auch Universitätskliniken wirtschaftlich arbeiten. Aber einfach ärztliche Kapazitäten abzubauen und darauf zu hoffen, dass Versorgung, Forschung und Lehre trotzdem unverändert funktionieren, ist keine verantwortungsvolle Unternehmensführung. Das ist Roulette – und gespielt wird dabei mit der Sicherheit der Patientinnen und Patienten“, warnt Dr. Andreas Botzlar, Landesvorsitzender des Marburger Bundes Bayern, bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse in Regensburg.
Die Rückmeldungen zeigen erhebliche Probleme bei Arbeitsbelastung, Personalausstattung und Beschäftigungsperspektiven, mit möglichen Folgen für die Patientenversorgung. Die hohe Zahl berichteter Gefährdungssituationen und Beinahe-Fehler zeigt aus Sicht des Marburger Bundes, dass es längst nicht mehr nur um die Arbeitsbedingungen der Ärztinnen und Ärzte geht.
„Diese Ergebnisse können niemanden kaltlassen. Wenn Ärztinnen und Ärzte berichten, dass Zeit- und Personalmangel die Patientensicherheit beeinträchtigen und Beinahe-Fehler begünstigen, dann geht es um die Kernaufgabe eines Universitätsklinikums: die sichere Versorgung von Patientinnen und Patienten“, erklärt Botzlar.
Besonders eindeutig ist auch die Einschätzung zu einem weiteren Stellenabbau: 99 Prozent der Befragten erwarten negative Auswirkungen auf die Patientensicherheit.
Der Marburger Bund Bayern fordert, einen weiteren pauschalen Abbau ärztlicher Stellen am UKR auszuschließen. Die Personalplanung muss sich am tatsächlichen Versorgungsbedarf orientieren und die Patientensicherheit muss Vorrang vor Sparvorgaben haben.
Zugleich braucht es verlässlichere Beschäftigungsperspektiven. Kettenbefristungen müssen zurückgedrängt und mehr dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden.
Ärztinnen und Ärzte müssen von Bürokratie und nichtärztlichen Tätigkeiten entlastet werden. Ebenso notwendig sind funktionierende IT-Strukturen, effizientere Arbeitsabläufe sowie eine langfristige und transparente Personalplanung.
Auch der Freistaat Bayern müsse sich klar positionieren. „Der Freistaat kann sich bei dieser Entwicklung nicht auf die Rolle eines Beobachters zurückziehen. Er muss klar sagen, welche personelle Ausstattung er für erforderlich hält und wie er sicherstellen will, dass wirtschaftlicher Druck nicht zulasten der Patientenversorgung geht“, fordert Botzlar.
Rund 80 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Arbeitsbelastung in den vergangenen zwei Jahren zugenommen hat. Zu den wichtigsten Belastungsfaktoren gehören zu wenig ärztliches Personal, hohe Dokumentationsanforderungen sowie langsame oder störanfällige IT.
Die hohe Zahl befristeter Arbeitsverhältnisse verschärft die angespannte Personalsituation zusätzlich. Knapp 83 Prozent der Befragten arbeiten aktuell befristet. Rund 44 Prozent hatten bereits drei oder mehr befristete Verträge am UKR, knapp 20 Prozent sogar vier oder mehr.
Wiederholte Befristungen erschweren nicht nur die persönliche und berufliche Planung, sondern schwächen auch die langfristige Bindung qualifizierter Ärztinnen und Ärzte an das Klinikum. Gerade dort, wo Ärztinnen und Ärzte dauerhaft zentrale Aufgaben in Patientenversorgung, Weiterbildung, Forschung und Lehre übernehmen, braucht es verlässliche Perspektiven statt immer neuer kurzfristiger Verträge.
„Ärztinnen und Ärzte gehören an das Patientenbett, in den OP, auf die Intensivstation und in die Ambulanz. Ärztliche Tätigkeit ist keine beliebige Kostenstelle, sondern die Kernaufgabe eines Krankenhauses. Wer zuerst dort spart, wo Patientinnen und Patienten behandelt werden, setzt die falschen Prioritäten“, so Botzlar.
- Umfrageergebnisse UKR(384.0 KB, PDF)
